Eurostat-Daten zeigen: Die Kluft zwischen Erzeugerpreisen und Kosten der Landwirte wächst. Die EU-Agrarminister beraten über Hilfen, Verbände fordern Unterstützung.
Laut Eurostat haben die Landwirte in der EU im zweiten Quartal 2026 im Schnitt niedrigere Preise für ihre Produkte erhalten. Zugleich sind die Kosten für landwirtschaftliche Betriebsmittel gestiegen.
Die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte lagen dem Statistikamt zufolge 5,8 Prozent unter dem Niveau des gleichen Zeitraums 2025. Es war bereits das dritte Quartal in Folge mit einem Rückgang im Jahresvergleich.
Im gleichen Zeitraum verteuerten sich die in der Landwirtschaft eingesetzten Produkte und Dienstleistungen, etwa Energie, Dünger und Futtermittel, im Schnitt um 4,7 Prozent.
Die Agrarministerinnen und -minister, die sich am 28. September trafen, verwiesen auf hohe Produktionskosten, vor allem für Dünger und Energie. Sinkende Erzeugerpreise und der Druck auf die Gewinnspannen der Betriebe kamen hinzu.
Milchpreise sinken, Energiekosten steigen
Besonders stark gingen die Milchpreise zurück: Im Schnitt erhielten die Landwirte 16,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Getreideerlöse gingen um 5,6 Prozent zurück.
Auf der Kostenseite stiegen die Preise für Energie und Schmierstoffe um 22 Prozent. Dünger und Bodenverbesserer wurden um 13,4 Prozent teurer.
In 20 EU-Staaten sanken die durchschnittlichen Erzeugerpreise. Am stärksten war der Rückgang in Dänemark mit 17,2 Prozent, gefolgt von Irland mit 16,2 Prozent.
Die Preise für Betriebsmittel legten in allen Mitgliedstaaten zu. Am kräftigsten war der Anstieg in Litauen mit 16,4 Prozent und in Rumänien mit 11,7 Prozent. Die Länderzahlen beziehen sich auf das zweite Quartal 2026 im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2025.
Landwirtschaftliche Verbände reagieren mit großem Unmut auf die steigenden Kraftstoffpreise. Spanische Landwirte forderten dringend Hilfe wegen steigender Diesel- und Düngerkosten bei einem Treffen mit Agrarminister Luis Planas am 22. September und drohten mit Protesten, falls die Regierung nicht handelt.
In Frankreich haben rekordhohe Spritpreise Bauern zu Demonstrationen und Fischer zu Blockaden veranlasst; die Regierung hat eine Ausweitung gezielter Entlastungen bei den Treibstoffkosten angekündigt.
Was unternimmt die EU?
Am 17. Juli stellte die Europäische Kommission 540 Millionen Euro bereit, um die Bauern zu entschädigen, die am stärksten von wirtschaftlichen Verlusten durch höhere Dünger- und Energiekosten infolge der Krise im Nahen Osten betroffen sind.
Frankreich erhält rund 107,1 Millionen Euro, Spanien 50,2 Millionen Euro. Die nationalen Behörden entscheiden, welche Betriebe und Branchen die Hilfen vorrangig bekommen.
Am 28. September berieten die Minister zudem über längerfristige Maßnahmen im Rahmen des Düngeaktionsplans der Kommission. Der im Mai vorgestellte Plan soll Dünger erschwinglicher und besser verfügbar machen und die Widerstandsfähigkeit der EU bei der eigenen Versorgung stärken.