Iran-Krieg treibt Düngemittelpreise in die Höhe: Diese Bäuerinnen und Bauern bleiben gelassen.
Auf Europas Höfen bahnt sich eine Krise an. Der Krieg gegen den Iran bedroht die Versorgung mit Dünger und treibt die Treibstoffpreise in die Höhe. Einige Betriebe sind jedoch besser geschützt als andere.
Regenerativ wirtschaftende Höfe sind auf importierte synthetische Düngemittel deutlich weniger angewiesen als konventionelle Betriebe. Sie erzielen ähnlich hohe Erträge, brauchen dafür aber viel geringere Betriebsmittel. Die Höfe stärken die natürliche Bodenfruchtbarkeit mit Kompost, Stallmist, Weidewechsel und Zwischenfrüchten, die in der Nebensaison nur dafür angebaut werden, den Boden gesund aufzubauen.
Das macht sie nicht nur weniger anfällig, wenn globale Lieferketten ins Stocken geraten. Es sichert auch ihre Zukunft: weniger Verschmutzung, mehr Artenvielfalt und sogar Vorteile für die öffentliche Gesundheit.
Iran-Krieg: Warum der Düngermarkt leidet
Die wichtige Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus ist blockiert. Rund ein Drittel des weltweiten Düngemittelhandels liegt damit auf Eis.
Die Meerenge ist auch für den Transport der globalen Ölexporte zentral; durch sie läuft etwa ein Fünftel der Lieferungen. Erdgas ist wiederum unverzichtbar für die Herstellung synthetischer Stickstoffdünger, die in Europa und darüber hinaus weit verbreitet sind.
„Jede fossile Energiekrise führt uns vor Augen, wie verwundbar die konventionelle Landwirtschaft ist: Bäuerinnen und Bauern, die an Kunstdünger gebunden sind, sind Preisschocks ausgeliefert, die sie nicht kontrollieren können“, sagt Gabrielle Taus, geschäftsführende Direktorin von Commonland (Quelle auf Englisch), einer internationalen gemeinnützigen Organisation, die in mehr als fünfzig Ländern mit lokalen Gemeinschaften geschädigte Landschaften wiederaufbaut.
Brauchen Höfe Kunstdünger für gute Ernten?
Schätzungen zufolge ernährt sich rund die Hälfte der Weltbevölkerung von Feldfrüchten, die mit künstlichem Dünger erzeugt werden. Pflanzen können zwar auch ohne diese Mittel wachsen. Die moderne industrielle Landwirtschaft setzt aber auf sie, um schnell und in großem Maßstab zu produzieren.
Doch der Preis ist hoch.
Der übermäßige Einsatz synthetischer Stickstoffdünger schwächt die Widerstandskraft der Betriebe: Er verschmutzt Wasser und Luft, zerstört Böden und gefährdet die menschliche Gesundheit.
Auf ihrem Hof in Griechenland erzeugt die Bäuerin in dritter Generation, Sheila Darmos, Stickstoff auf natürliche Weise über Pflanzen.
„Wir integrieren Permakultur, syntropische Landwirtschaft und Agroforstwirtschaft. Seit über dreißig Jahren häckseln wir Baumschnitt und lassen ihn auf dem Boden liegen. So entsteht durch verrottende organische Masse ein reicher, fruchtbarer Boden – manchmal auch grüne Düngung genannt“, erklärt sie.
„Außerdem ziehen wir auf dem Hof stickstoffbindende Pflanzen. So erzeugt das System seinen eigenen Stickstoff, ohne dass wir Kunstdünger zukaufen müssen.“
Auf der Curly Creek Ranch im spanischen Baskenland hat Landwirtin Meghan Sapp ebenfalls einen Kreislaufbetrieb aufgebaut.
„Wir stellen sämtlichen Kompost selbst her – aus Einstreu von Pferden, Ziegen und Hühnern sowie aus Küchen- und Gartenabfällen“, sagt sie. „Außerdem bauen wir Ackerbohnen an, die Stickstoff im Boden fixieren. Danach lassen wir sie auf den Beeten verrotten und erhöhen so den Stickstoffgehalt.“
„Das Ökosystem arbeitet mit uns – und für uns“
Als Bäuerin und Inhaberin des Biohofs La Junquera (Quelle auf Englisch) in der Region Murcia in Spanien hat Yanniek Schoonhoven die Vorteile des Umstiegs von konventioneller auf regenerative Landwirtschaft direkt erlebt.
Ein Feld, das früher ein „unheimlich leeres Gefühl“ auslöste, weil Vögel und Insekten fehlten, hat sich verändert. Biodiversität kehrt zurück.
La Junquera setzt nicht mehr auf mineralische Dünger. Der Hof arbeitet mit Wurmkompostierung – Würmer verwandeln organische Abfälle in Humus – und mit Blattbehandlungen, die den Boden zusätzlich nähren.
„Wenn ich heute in dieses Feld gehe, sehe ich Wildblumen, Kaninchen und viele andere Tiere“, sagt Yanniek. „Das Ökosystem arbeitet mit uns und für uns: Wir haben kaum Schädlinge.“
Regenerative Landwirtschaft: Warum sie noch selten ist
Trotz ihrer vielen Vorteile breitet sich regenerative Landwirtschaft in Europa nur langsam aus. Vollständig regenerativ wirtschaften nach einem Bericht in Nature (Quelle auf Englisch) nur rund zwei Prozent der Höfe; etwa fünf bis zehn Prozent befinden sich im Übergang.
Der Umstieg kann arbeitsintensiv sein, und Erfolge zeigen sich oft erst nach Jahren. Zudem fehlen vielen Bäuerinnen und Bauern Geld und Schulungen, um ihre Betriebe umzustellen.
„Bäuerinnen und Bauern schaffen das nicht allein“, sagt Yanniek. „Politik, Anreize und Investitionen müssen jene belohnen, die ihre Flächen so bewirtschaften, dass ganze Landschaften profitieren.“
„Wir müssen Subventionen für Praktiken und Unternehmen beenden, die Böden und Gemeinden nicht regenerieren“, ergänzt Sheila.
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU belohnt zwar Maßnahmen zum Schutz von Umwelt, Klima und Artenvielfalt. Ein WBCSD-Bericht (Quelle auf Englisch) vom März 2025 zeigt jedoch, dass viele Programme schwer zugänglich sind und Anschubinvestitionen nicht decken. Zudem soll die GAP im Haushaltsvorschlag der Europäischen Kommission für 2028 bis 2034 um zwanzig bis dreißig Prozent gekürzt werden.
Marktdruck auf Menge und Einheitlichkeit der Erzeugnisse ist ein weiterer Faktor, der Produzentinnen und Produzenten davon abhält, regenerative Praktiken einzuführen.
Ernten regenerative Höfe genauso viel?
Ein Bericht aus dem Jahr 2025 (Quelle auf Englisch) der European Alliance for Regenerative Agriculture (EARA) ergab, dass die Erträge auf regenerativen Höfen nur um rund zwei Prozent unter denen konventioneller Betriebe liegen. Gleichzeitig gingen die teuren Betriebsmittel deutlich zurück: Im Schnitt setzten die Höfe 61 Prozent weniger synthetischen Stickstoffdünger und 75 Prozent weniger Pestizide ein.
Für eine konventionelle Ackerbäuerin oder einen Ackerbauern in Europa kann Kunstdünger bis zu zwölf Prozent der gesamten Betriebskosten ausmachen. In Preisspitzen klettert der Anteil noch deutlich höher.
In der aktuellen Krise sind die Ernten regenerativer Betriebe zudem besser abgesichert.
„Regenerative Landwirtschaft bedeutet nicht nur ökologische Erneuerung und Widerstandskraft. Sie stärkt auch die soziale und wirtschaftliche Resilienz gegenüber Schocks und Krisen“, sagt Sheila. Sie glaubt, dass sich als Folge wiederholter Treibstoffkrisen mehr Betriebe „langfristige Unabhängigkeit“ von „den großen Agrarchemie-Industrien“ erarbeiten wollen.
„Wir geben dieses Jahr vielleicht zusätzlich 100.000 Euro für Diesel für unsere Traktoren aus“, sagt Yanniek. „Unsere Erträge leiden darunter aber nicht.“
Meghans Hof im Baskenland ist noch besser geschützt, weil er nicht am nationalen Stromnetz hängt. Der Betrieb deckt 97 Prozent seines Strombedarfs mit Solarstrom – damit lädt sie auch ihren Hybrid-Geländewagen. Das schützte den Hof auch während des großen Stromausfalls in Spanien im vergangenen Jahr. Weil sie alle Produkte in einem Radius von fünfzig Kilometern verkaufen, sind sie zudem weniger von steigenden Lieferkosten bei fossilen Energiepreisschocks betroffen.
Welche Unterstützung gibt es für den Umstieg auf regenerative Landwirtschaft?
Ein weiteres Hindernis sind Wissens- und Ausbildungslücken. Die EU bietet über EIT Food (European Institute of Innovation and Technology) kostenlose Onlinekurse und Workshops an, die Bäuerinnen und Bauern beim Übergang zu nachhaltigen Praktiken unterstützen.
Vor Ort treiben jedoch Europas regenerative Landwirtinnen und Landwirte den Wandel maßgeblich selbst voran.
Als Mitgründerin der Regeneration Academy (Quelle auf Englisch) vermittelt Yanniek von La Junquera Wissen über regenerative Landwirtschaft und die Wiederherstellung degradierter Flächen im Süden Spaniens.
Sie ist eine von vielen Bäuerinnen und Bauern, die mit Commonland zusammenarbeiten. Die Organisation verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der sozialen Nutzen, Wiederherstellung der Biodiversität und finanzielle Rendite verbindet.
„Wir bauen Resilienz im wahrsten Sinne des Wortes von unten auf“, sagt Gabrielle von Commonland. „Diese Transformation zu skalieren und sicherzustellen, dass die Menschen vor Ort die Ressourcen und die Anerkennung bekommen, um sie anzuführen, gehört in diesen geopolitisch unsicheren Zeiten zu den wichtigsten Aufgaben.“
Als Mitgründerin und Direktorin der gemeinnützigen Organisation The Southern Lights (Quelle auf Englisch) und der Initiative Regenerative Farming Greece (Quelle auf Englisch) – ebenfalls eine Commonland-Partnerin – vermittelt Sheila Darmos Wissen über regenerative Praktiken in Griechenland.
„Sobald wir das Zerrissene wieder verbinden – wieder verstehen, wie unsere Lebensmittel wachsen und wer sie erzeugt, wie unsere Flüsse mit Böden und Wäldern zusammenhängen, wie Bodengesundheit die menschliche Gesundheit trägt –, wird klar: Nicht regenerativ zu wirtschaften ist extrem gefährlich und kurzsichtig“, sagt sie.