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Kreuzfahrtbranche bringt 65 Milliarden € in EU-Wirtschaft: Ist ihr Ruf zu schlecht?

MSC-Cruises-Chef Gianni Onorato in „The Big Question“
MSC-Cruises-Chef Gianni Onorato im Interview bei „The Big Question“ -  Copyright  Euronews
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Von Hannah Brown
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Kreuzfahrtbranche lockt immer mehr junge Reisende an – doch wie reagiert sie auf Kritik an Emissionen und Overtourism?

In den vergangenen Jahren haben Aktivistinnen und Aktivisten in zahlreichen europäischen Häfen gegen die Kreuzfahrtindustrie protestiert – aus Sorge um Umweltbelastung und Übertourismus.

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Doch ist die Branche zu Unrecht zum Symbol für die Probleme des Reisens geworden – und kann sie ihren ramponierten Ruf wieder verbessern?

In dieser Folge von The Big Question spricht Gianni Onorato, CEO von MSC Cruises, mit Hannah Brown darüber, wie die Kreuzfahrtbranche auf ihre größten Kritikpunkte reagiert und um ihre Zukunft kämpft.

Wie groß ist die Kreuzfahrtbranche?

Gianni betonte, dass die Schiffe zwar groß seien, die Kreuzfahrtbranche insgesamt aber klein bleibe: 2025 macht sie weniger als zwei Prozent der weltweit verkauften Pauschalreisen aus.

Auch in Barcelona werden Kreuzfahrten oft für Überfüllung verantwortlich gemacht. Doch laut Onorato stellen ihre Gäste nur rund drei Prozent der täglichen Besucherinnen und Besucher der Stadt.

Trotz dieser Kritik arbeitet die Branche, wie der übrige Tourismussektor auch, intensiv daran, Gäste auf neue Routen zu bringen und die Ankünfte über das Jahr hinweg gleichmäßiger zu verteilen.

Anders als Fluggesellschaften, die ihre Flugpläne weniger als zwölf Monate im Voraus festlegen, planen Reedereien ihre Routen bis zu zwei Jahre vorher. Das hilft den Destinationen, sich auf die ankommenden Gäste einzustellen.

„Die Planbarkeit von Kreuzfahrten erlaubt es kleinen Familienbetrieben zu entscheiden, ob sie zum Beispiel mehr Tische und Sitzplätze in ihren Restaurants oder Bars schaffen wollen, weil sie sicher wissen, dass diese Gäste kommen“, erklärt Gianni.

Die Branche ist inzwischen ein wichtiger Bestandteil der europäischen Wirtschaft. Sie sichert mehr als 445.000 dauerhafte Arbeitsplätze auf dem Kontinent.

Gianni Onorato, CEO von MSC Cruises, im Gespräch mit Hannah Brown bei The Big Question
Gianni Onorato, CEO von MSC Cruises, im Gespräch mit Hannah Brown bei The Big Question Euronews

Mehr Technologie für sauberere Kreuzfahrten

Übertourismus ist jedoch nicht die einzige Sorge. Viele kritisieren auch den CO₂-Ausstoß der Kreuzfahrtindustrie.

Die wichtigste Innovation für eine sauberere Branche ist die Einführung von Dual-Fuel-Motoren. Sie können nahtlos zwischen konventionellem Schiffskraftstoff und saubereren Alternativen wechseln.

„2023 hat eines unserer Schiffe, die MSC Euribia, eine viertägige Kreuzfahrt von Le Havre nach Kopenhagen komplett mit Biokraftstoff gefahren. Zusammen mit weiteren innovativen Maßnahmen zur Senkung des Verbrauchs konnten wir so ein Emissionsziel von null erreichen“, erläutert Gianni.

Die Mitglieder des Verbands Cruise Lines International Association (CLIA) betreiben 327 Schiffe. Sie stehen für rund 90 Prozent der weltweiten Kreuzfahrtkapazität. Nur 30 Schiffe – etwa eines von elf – verfügen bisher über Dual-Fuel-Motoren, nach nur einem Schiff im Jahr 2018.

Das ist zwar ein Fortschritt, doch er verläuft langsam. Ein Grund: bezahlbare, sauberere Treibstoffe sind knapp. Zudem können Reedereien ihre Flotten meist erst erneuern, wenn die rund 30-jährige Lebensdauer eines Schiffes endet.

Gianni zeigt sich dennoch zuversichtlich, dass die meisten heute noch fahrenden Schiffe rechtzeitig außer Dienst gehen und ersetzt werden, um das EU-Ziel einer klimaneutralen Seeschifffahrt bis 2050 zu erreichen.

Bis dahin setzt die Branche auf Nachrüstungen. Gianni spricht engagiert über Technologien, die den Energieverbrauch an Bord deutlich senken sollen.

„Die Klimaanlage auf unseren Schiffen arbeitet heute mit einem HVAC-Inverter. Der reguliert den Kühlbedarf automatisch je nach Zahl der Menschen im Raum“, sagt Gianni bei The Big Question.

Kreuzfahrtpublikum wandelt sich

Nicht nur Technologien, Treibstoffe und Reiseziele verändern sich, auch das Publikum an Bord ist im Wandel.

„Früher galten Kreuzfahrten als Angebot für alte Menschen. Heute ist das Publikum deutlich jünger. Das Durchschnittsalter liegt zwischen 35 und 54 Jahren, und das ist sehr positiv, weil es die Zukunft dieser Branche sichert“, sagt Gianni.

Er ergänzt, dass Solo-Reisende für das Unternehmen ein wachsender Markt sind. Sicherheit gewinnt dabei an Bedeutung. Auch Mehrgenerationenreisen liegen im Trend: Familien buchen gemeinsam, können aber unterschiedliche Aktivitäten genießen und zugleich Zeit miteinander verbringen.

Trotzdem steht der Branche kein plötzlicher Boom bevor.

Fast alle Kreuzfahrtschiffe weltweit entstehen in Europa. Die vier großen Werften sitzen in Italien, Frankreich, Deutschland und Finnland. Ihre Produktionskapazitäten sind begrenzt, sodass die Nachfrage die verfügbare Zahl neuer Schiffe eher übersteigt.

Manche sehen das als Nachteil. Gianni betont jedoch, dass es der Branche dadurch gelingt, kontrolliert zu wachsen – ein Plus für Investorinnen und Investoren und für die langfristige Stabilität des Geschäfts.

The Big Questionist eine Reihe von Euronews Business, in der wir mit Branchenexpertinnen, Branchenexperten und Führungspersönlichkeiten über zentrale Themen der aktuellen Agenda sprechen.

Das gesamte Gespräch mit MSC Cruises sehen Sie im Video oben.

Journalisten • Hannah Brown

Weitere Quellen • Edited by Arno Aubert

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