Eine Gruppe von Hinterbliebenen organisiert Gedenkaktionen, darunter eine Schweigeminute um 6 Uhr 29. Es sollte auch eine Zeremonie in Tel Aviv stattfinden.
In Israel haben Menschen mit einer Schweigeminute drei Jahre nach dem Hamas-Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 der Opfer gedacht. Eine UN-Untersuchung hat bestätigt, dass damals 1.200 Menschen getötet und 252 Personen als Geiseln verschleppt wurden.
Im Süden des Landes trauerten Familien an Straßenkreuzungen, in Schutzräumen und auf dem Gelände des Nova-Musikfestivals. Diese Orte überrannten die Terroristen bei dem tödlichsten Angriff auf Israel.
Erstmals seit dem Überfall sind alle Geiseln wieder zu Hause. Der Jahrestag markiert eine neue Phase der Trauer.
Gedenken auf dem Gelände des Nova-Festivals
Zu den Menschen, die den Tag begehen, gehört der 37 Jahre alte Elkana Bohbot. Bewaffnete verschleppten ihn vom Nova-Festival. Den Jahrestag verbringt er nun zum ersten Mal wieder in Israel. Bohbot kam im vergangenen Jahr nach 738 Tagen in Gefangenschaft frei, die meiste Zeit davon in einem Tunnel 50 Meter unter der Erde.
Die Geburt seiner Tochter im August sieht er als Botschaft an seine Entführer: "Wir Israelis waren hier, und wir werden für immer hier bleiben.“
Auf dem Gelände des Nova-Festivals, wo Hamas-Terroristen am Morgen des 7. Oktober aus Lastwagen und von Paraglidern aus das Feuer eröffneten, senkten Angehörige bei der Gedenkfeier den Kopf. Nach Angaben der Agentur AFP legte zumindest eine Person Techno-Musik auf – als Tribut an die Getöteten.
Israels neue Luftschläge auf den Gazastreifen
Sowohl am Nova-Gelände als auch im Kibbuz Kfar Aza, einem weiteren Ort der Massentötungen vor drei Jahren, hörten AFP-Journalisten während der Gedenkveranstaltungen laute Detonationen aus dem Gazastreifen. Israels Armee flog neue Angriffe, obwohl offiziell seit einem Jahr eine Waffenruhe gilt.
Nach Angaben der Behörden im Gazastreifen sollen die nächtlichen Luftschläge mindestens zwei Menschen getötet haben. Ein Großteil des Küstenstreifens liegt nach monatelangen Kämpfen, um die Geiseln zu befreien und die Hamas zu zerstören, in Trümmern.
Kritik an Netanjahu vor den Wahlen
Die Zusammenkünfte am Mittwoch hatten mit den offiziellen Gedenkfeiern der Regierung nichts zu tun. Diese fanden bereits am 5. Oktober statt, um näher am Datum des hebräischen Kalenders zu liegen.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte dabei, es werde "keine Vergebung für die Mörder“ geben. Er versprach, Hamas werde niemals wieder den Gazastreifen regieren.
Mehr als 200 ehemalige Geiseln und Angehörige hatten Netanjahu im vergangenen Jahr einen Brief geschrieben. Sie forderten eine Untersuchung der Angriffe vom 7. Oktober oder seinen Rücktritt. Der Regierungschef veröffentlichte stattdessen geschwärzte Regierungsdokumente, leitete aber keine Untersuchung ein. Die Ereignisse bezeichnete er als "schweres Versagen der Geheimdienste“.
Am Monatsende steht eine Wahl in Israel an.
Nach UN-Angaben sollen durch Israels Militäroffensive bis zu 75.000 Palästinenserinnen und Palästinenser getötet worden sein.
Die UN berichteten im Sommer, rund 1,7 Millionen Menschen im Gazastreifen – etwa 80 Prozent der Bevölkerung – lebten in Zelten und provisorischen Unterkünften. Nach israelischen Karten kontrolliert das Militär inzwischen mehr als die Hälfte des Gebiets.