Mehrere Männer aus der Dominikanischen Republik berichten von Jobs in Russland, die in Militärbasis-Einsätzen endeten. Die Regierung zählt 20 mögliche Opfer, Menschenrechtsgruppen gehen von mehr aus.
Junge und ältere Männer aus der Dominikanischen Republik berichten, dass sie mit falschen Jobangeboten zur Reise nach Russland verleitet wurden und schließlich auf Militärstützpunkten landeten, wie Zeugenaussagen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP schildern. Der Fall reiht sich ein in Berichte über die Anwerbung von Ausländerinnen und Ausländern für den Einsatz im Krieg Russlands gegen die Ukraine.
Seit Beginn der russischen Invasion der Ukraine 2022 haben sowohl Moskau als auch Kyjiw ausländische Staatsbürger in ihre Streitkräfte aufgenommen. Im Fall Russlands werfen Organisationen wie Amnesty International dem Land vor, mit falschen Versprechen auf Arbeit gezielt Menschen aus einkommensschwachen Staaten anzusprechen.
In der Vergangenheit gab es ähnliche Berichte aus anderen Ländern Lateinamerikas, etwa aus Kolumbien und Kuba. Dort wurde 2023 ein Netzwerk zerschlagen, das Menschen für Kämpfe in der Ukraine anwarb.
Jesús Campusano, 52 Jahre alt und in der Hafenstadt Bajos de Haina zu Hause, sagt, er habe ein Angebot für einen Job als Schweißer in Kasan über mehrere Tausend Dollar erhalten. Doch als er Ende Juli in Russland ankam, brachte man ihn auf eine Militärbasis.
Nach Angaben seiner Schwester Cristina Campusano gegenüber AFP bekam er bei der Ankunft am Flughafen Kasan ein Dokument auf Russisch zur Unterschrift, und die Behörden nahmen ihm den Reisepass ab. Danach erhielt er eine Uniform und ihm wurde gesagt, er werde für den Polizeidienst ausgebildet. In der vergangenen Woche, so seine Schwester, teilte man ihm mit, dass er an die Front verlegt werden solle. "Ich brauche, dass die Behörden mir helfen, denn wir sind verzweifelt und ich möchte, dass unser Bruder zurückkommt“, sagte sie.
Der dominikanische Präsident Luis Abinader erklärte vergangenen Monat in New York, die Regierung habe 20 Dominikaner identifiziert, die durch Täuschung zum Dienst in den russischen Streitkräften bewegt wurden. Der Fall werde untersucht.
Carlos Sánchez Díaz, Menschenrechtskoordinator in der Dominikanischen Republik, ist überzeugt, dass die meisten Dominikaner in russischer Uniform unter falschen Versprechen angeworben wurden. Er schätzt, dass bis zu 100 Menschen Opfer dieser Masche geworden sein könnten. Nach seinen Angaben gehört dazu auch das Angebot einer angeblichen „Einladung zu einem kulturellen Austausch in Kasan“.
"Doch wenn sie ankommen, gibt es keinen kulturellen Austausch. Man setzt sie in ein Flugzeug und bringt sie von dort auf eine Militärbasis“, sagte er.
In vielen dieser Geschichten steht der Wunsch im Vordergrund, den Angehörigen ein besseres Leben zu ermöglichen, oft, ohne die Familie überhaupt über die eigene Absicht zu informieren, nach Russland zu ziehen. Dort fühlen sich viele später gefangen und sehen keine andere Option, als an der Front zu kämpfen.
Andere Dominikaner sind dagegen freiwillig nach Russland gereist, um zu kämpfen. Juan Carlos Savila hat auf Instagram Videos veröffentlicht, die ihn an der Front zeigen. Er berichtet, dass er verletzt wurde, nachdem er auf eine Mine getreten war.
Zu denen, die angeben, getäuscht worden zu sein, gehört auch Maico Enrique CampusanoEr flog zuerst nach Panama und dann über Istanbul nach Kasan, bevor er schließlich auf einer Militärbasis landete.
Seine Mutter, Jaqueline del Carmen Feliz, sagt, ihr Sohn trainiere von vier Uhr morgens bis 18 Uhr. "Er ist weder Russe noch Ukrainer, also sollte er dort nicht sein. Ich möchte, dass er zurückkommt“, sagte sie.