Der Klub aus Kasan in Russland war in Griechenland als erster bei einem europäischen Vereinswettbewerb dabei - im Wasserball. Hinter den Kulissen wurde vereinbart, dass im Serafio-Schwimmbad keine Fahnen zu sehen sein sollten.
Nach Informationen von Euronews liefen hinter den Kulissen in Griechenland intensive Verhandlungen. Anlass war die Teilnahme des russischen Klubs Sintez Kazan an der Qualifikation für den Euro Cup im Wasserball, die in Athen ausrichtet werden.
Dabei kehrt erstmals eine russische Mannschaften offiziell in die europäischen Klubwettbewerbe zurück. Sie waren nach Beginn von Russlands Angriffskrieg in der Ukraine ausgeschlossen worden.
Die Auslosung von European Aquatics führte nun dazu, dass das Comeback in Griechenland stattfindet. Die griechische Regierung beteiligt sich weiterhin an den gemeinsamen EU-Sanktionen gegen Moskau. Deshalb gab es für die Wassserballer von Sintez Kazan keine Direktverbindung nach Athen und generell keinen Flug in die Europäische Union.
Keine Flaggen, erhöhte Sicherheit im Serafio-Schwimmbad
Im griechischen Außenministerium, das sich mit dem Vorgang befasste, sprach man Empfehlungen aus. Die Sicherheitsmaßnahmen sollten erhöht, zugleich aber unauffällig bleiben. Außerdem sollten im Serafio-Schwimmbad weder russische Fahnen zu sehen sein noch die russische Nationalhymne erklingen. Die Organisatoren umgingen diese Klippe, indem sie beschlossen, überhaupt keine Nationalhymnen zu spielen – auch nicht die griechische. Zu hören waren nur Vereinshymnen, etwa die von Apollon Smyrnis.
Auf dem offiziellen Plakat der Veranstaltung fehlten bewusst alle Angaben zu den Herkunftsländern der Teams. Zugleich machte jedoch niemand ein Geheimnis daraus, dass „wir über die Rückkehr Russlands in den Wassersport sprechen“. Im Innenraum des Schwimmbads hing hinter einem Tor eine Reihe von Fahnen: unter anderem die der Stadt Athen, von Apollon Smyrnis und von Staaten wie Griechenland, Deutschland oder Israel – nicht jedoch die Russlands.
Offiziell erhielt die griechische Regierung nach Euronews-Informationen die Zusicherung, dass im Stadion nicht nur keine russischen Symbole gezeigt würden. Sintez Kazan sollte zudem als „neutraler“ Klub antreten, wie es bis zum vergangenen Sommer für russische Teams und Athleten im Wassersport üblich war.
Seit Anfang September hat sich diese Regelung jedoch geändert. Seither kann Russland wieder regulär vertreten sein, wie European Aquatics mitteilt. Auf der offiziellen Website des Verbandes wird Kasan ausdrücklich als Vertreter Russlands geführt, inklusive der Farben der Nationalflagge.
IOC, World Aquatics und European Aquatics: neue Entscheidungen
Im vergangenen Juli änderte das Internationale Olympische Komitee (IOC) seinen Kurs gegenüber Russland und lockerte die sportbezogenen Sanktionen deutlich. Zugleich stellte es klar, dass die endgültigen Entscheidungen für jede Sportart bei den jeweiligen Fachverbänden liegen.
Seitdem haben einzelne Verbände ihre Beschränkungen aufgehoben, etwa im Judo oder Ringen. Andere, darunter die Leichtathletik, verbieten russischen Athleten weiterhin den Start, so dass Moskau die Sperre inzwischen vor dem Sportgerichtshof CAS angefochten hat.
Die Weltwassersport-Föderation World Aquatics gehörte – anders als die Leichtathletik – zu den ersten Verbänden, die die Sanktionen gegen russische Sportler aufhob und bereits am 13. April einen entsprechenden Beschluss fasste – lange vor der Empfehlung des IOC.
World Aquatics war damit der erste große olympische Verband, der die seit 2022 geltenden politischen Ausschlussrichtlinien nach Russlands Krieg in der Ukraine vollständig abschaffte.
Der Vorstand von World Aquatics beschloss zudem, die Mitgliedsrechte von Russland und Belarus vollständig wiederherzustellen. Begründung: „Der Sport muss außerhalb politischer Konflikte bleiben“. Die Entscheidung sah eine komplette Rückkehr vor und erlaubt auch die Nutzung nationaler Symbole wie Trikots, Fahnen und Hymnen, sofern die nationalen Verbände die Regularien einhalten.
European Aquatics reagierte jedoch auf die sofortige Umsetzung der neuen Statuten und bat Ende April World Aquatics offiziell um eine Verzögerung. Begründet wurde dies mit dem Wunsch, die europäischen Sommerwettbewerbe zu schützen. Deshalb traten die Sportler damals weiterhin als neutrale, unabhängige Teilnehmer an.
Festgelegt wurde, dass kein russischer Athlet und keine Mannschaft vor dem ersten September 2026 mit vollständigen Nationalsymbolen zurückkehrt. Nach Ablauf dieser Frist gilt seit dem 1. September ein neues Regelwerk von European Aquatics: In den jüngeren Altersklassen dürfen russische Sportler und Teams ohne Einschränkung starten. In den höheren Kategorien können russische Vereine an europäischen Klubwettbewerben teilnehmen. Die Sportler und das Personal dieser Klubs müssen während der Wettbewerbe allerdings den Status eines Genehmigten Neutralen Athleten („Approved Neutral Athlete“) beibehalten.
Vergleich mit Fußball, Basketball, Volleyball, Handball, Eishockey
So wurde Sintez Kazan am Donnerstagabend zum ersten Klub in einer Mannschaftssportart, der seit Beginn des Ukraine-Krieges wieder in einem offiziellen internationalen Wettbewerb antrat.
Der Klub aus Russland wurde in die Gruppe gelost, die Apollon Smyrnis im Serafio in Athen ausrichtet. Zum Auftakt traf Sintez Kazan auf Partizan Belgrad und verlor knapp mit 14:13. Am Wochenende stehen Spiele gegen Duisburg, das italienische Savona und den Gastgeber Apollon Smyrnis an.
Die europäischen Verbände im Fußball (UEFA), Basketball (FIBA), Handball (EHF), Volleyball (CEV) und Eishockey haben vergleichbare Lockerungen bislang nicht beschlossen.
Erst in der vergangenen Woche entschied die CEV, russische Nationalmannschaften im Hallen- und Beachvolleyball wieder zuzulassen. Für russische Vereine in den europäischen Klubwettbewerben gilt diese Öffnung jedoch nicht.
„Wir haben lange nicht mehr auf der europäischen Bühne gespielt. Das hat uns zusätzlich belastet, es ist eine Verantwortung, denn wir wussten, dass wir als erste russische Mannschaft seit langer Zeit Russland wieder vertreten. Leider haben wir unser Auftaktspiel gegen die Mannschaft von Partizan verloren, aber ich glaube, dass wir die nächsten Partien gewinnen und die nächste Runde erreichen können“, sagte Kazans Torwart Pjotr Fedotow im Gespräch mit Euronews.
Bei der Qualifikation, die in Athen ausgetragen wird, ziehen pro Gruppe drei der fünf teilnehmenden Mannschaften in die nächste Runde ein. Gastgeber Apollon Smyrnis hat mit einem klaren 16:9-Sieg zum Auftakt gegen Duisburg bereits die Grundlage dafür gelegt, eines dieser Teams zu sein.