Der bislang technisch anspruchsvollste und stärkste Jaguar des Unternehmens feiert heute in New York Premiere und zielt auf junge, wohlhabende US-Kundschaft.
Der Luxusautohersteller Jaguar hat bei einer glanzvollen Launch-Party in New York sein erstes neues Modell seit dem umstrittenen Rebranding vor zwei Jahren vorgestellt. Schauspielerin Florence Pugh war als neue Markenbotschafterin mit dabei. Mit dem Auftritt will Jaguar vor allem ein jüngeres, wohlhabendes, überwiegend amerikanisches Publikum ansprechen.
Der luxuriöse viertürige GT Type01EV ist Jaguars Einstieg in den Markt für Elektrofahrzeuge. Sein ultramodernes, brutalistisches Design mit scharfen Kanten markiert einen drastischen Bruch mit der bisher typisch britischen Eleganz der Marke.
Die radikale Formensprache soll der Jaguar-Hierarchie helfen, das angestaubte, wenn auch ruhmreiche Erbe abzuschütteln: vom Wagen für Rennsportfans hin zum Statussymbol der feinen Gesellschaft. Nun nimmt die Marke eine neue, jüngere und noch zahlungskräftigere Zielgruppe ins Visier.
Jaguar erklärt, das neue Modell sei das erste Serienfahrzeug auf der neuen Jaguar Electric Architecture (JEA), einer eigenen Plattform für die nächste Generation von Jaguar-Modellen. Der Hersteller beruft sich dabei auf sein ursprüngliches Motto „Copy Nothing“ und verspricht ein wirklich einzigartiges Auto.
Außerdem ist der Wagen riesig.
Mit 5,2 Metern Länge und 2 Metern Breite überragt er die meisten SUVs und passt in viele europäische Parklücken kaum hinein.
Damit wirkt der Type01EV in Europa etwas fehl am Platz. Enge Straßen kämpfen schon heute mit Gewicht und Ausmaßen der aktuellen Autokolosse. Auf den weiten Highways der USA wäre er deutlich besser aufgehoben.
Den Boom der SUVs auf Europas Straßen hat das bisher jedoch nicht gebremst.
Der Type01EV liegt trotz seiner Größe sehr tief, er ist nur 1,4 Meter hoch. Das verleiht ihm eine besonders schlanke Silhouette.
Er bringt stolze 2.700 Kilogramm auf die Waage, deutlich mehr als Konkurrenten wie der Porsche Taycan Turbo GT (2.200 Kilogramm) und etwas mehr als der ähnlich lange Mercedes-Benz EQS (2.585 Kilogramm).
Auch Antrieb und Batterie sind beeindruckend. Der Elektromotor liefert 1.015 PS und beschleunigt das Auto von null auf 62 mph in 2,2 Sekunden. Die Reichweite liegt bei 478 Meilen, umgerechnet 769 Kilometern, klar über den meisten Rivalen; nur der Porsche Taycan ist geringfügig stärker.
Der Akku lässt sich mit bis zu 350 Kilowatt laden. In 13 Minuten sind bis zu 200 Meilen, also 321 Kilometer, Reichweite nachgeladen; von zehn auf 80 Prozent geht es in 22 Minuten. Für viele Umsteiger auf Elektroautos macht das den Wagen besonders interessant.
Doch leisten können sich ihn nur wenige.
In Europa sollen die Basismodelle zwischen 140.000 und 150.000 Euro kosten. Individuelle Ausstattungen und Sonderwünsche treiben den Preis über die Marke von 200.000 Euro hinaus.
Trotz des neuen Markenauftritts bleibt ein Hauch britischer Identität: Laut Website des Unternehmens wird der Type01EV im Vereinigten Königreich entworfen, entwickelt und gebaut.
Bestellungen sollen Anfang 2027 möglich sein, die ersten Auslieferungen in Europa sind für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant.
Jaguar gilt weltweit als britische Autoikone. Berühmt sind Modelle wie der Jaguar E-Type, gefahren von Frank Sinatra und Steve McQueen und von Enzo Ferrari einst als „das schönste Auto aller Zeiten“ bezeichnet.
Vor dem Rebranding 2024 steckte das Unternehmen in einer schweren, über Jahre andauernden Identitäts- und Finanzkrise. Die Strategie setzte auf ein überaltertes Stammpublikum und verfehlte jüngere Käufer.
Jaguar baute Autos, die zu selten waren, um mit BMW und Mercedes mitzuhalten, aber nicht exklusiv oder „cool“ genug, um mit Porsche oder Bentley zu konkurrieren.
Mit dem radikalen Rebranding 2024 wagte der Hersteller einen Neustart. In einem Werbespot war kein Auto zu sehen. Stattdessen posierten Models in grellbunter Kleidung und riefen Slogans wie „live vivid“, „delete ordinary“ und „be the jag you are“.
Die Kampagne stieß auf viel Kritik, auch von politischen Figuren wie Donald Trump und Nigel Farage, die Jaguar vorwarfen, „woke“ zu werden. Elon Musk fragte auf der Plattform X spöttisch: „Do you sell cars?“.
Jaguar verteidigte die Werbung und erklärte damals gegenüber Sky News, man wolle „bold and disruptive“ sein.
Die Präsentation des neuen Modells fällt in eine Phase des Umbruchs. Der Mutterkonzern Jaguar Land Rover erholt sich von einem Cyberangriff, der im vergangenen Jahr die Produktion zeitweise lahmlegte. Einen Monat später kündigte das Unternehmen den Abbau von 4.000 Stellen im Zuge eines großen Sparprogramms an.
Die heutige Enthüllung ist der vorläufige Höhepunkt einer jahrelangen Neuausrichtung des Herstellers.