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Skandal in Italien: Erntehelfer schuften bis zu 14 Stunden pro Tag für Hungerlohn

Archivfoto: Landarbeiter in einem Maisfeld in Cisliano, 21.06.2022
Archivfoto: Landarbeiter in einem Maisfeld in Cisliano, 21.06.2022 -  Copyright  AP Photo
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Von Ilaria Cicinelli
Zuerst veröffentlicht am
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Ermittlungen der italienischen Staatsanwaltschaft decken unmenschliche Bedingungen für Dutzende nicht angemeldete Landarbeiter in Caserta auf; acht Personen sind wegen illegaler Vermittlung und Ausbeutung angeklagt.

Dutzende Erntehelfer in der Provinz Caserta nördlich von Neapel müssen auf den Feldern bis zu 14 Stunden am Tag arbeiten. Pro Kiste Obst oder Gemüse erhalten sie zwischen 80 Cent und einem Euro fünfzig. Es gibt keinen wöchentlichen Ruhetag, keine Hilfe im Krankheitsfall. Die Beschäftigten stehen unter der ständigen Kontrolle der sogenannten "Caporali", der illegalen Vermittler.

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Das geht aus der Ermittlungsakte der Staatsanwaltschaft von Santa Maria Capua Vetere hervor. Über zwei Jahre hinweg rekonstruierten die Ermittler mit Observationen und Aussagen mehrerer Betroffener die Lage der Landarbeiter ohne Aufenthaltsgenehmigung. Diese Zeugen leben inzwischen an sicheren Orten und erhalten Schutz sowie Unterstützung bei der Eingliederung.

Drei in der Provinz Caserta, zwischen Villa Literno und Mondragone, wohnhafte Personen sind wegen illegaler Arbeitsvermittlung und Ausbeutung von Arbeitskräften durch Anwerbung und Einsatz irregulärer Beschäftigter verpflichtet worden, sich regelmäßig bei der Justiz zu melden. Für eine vierte Person ordneten die Behörden eine Wohnsitzauflage an.

Caserta: Erntehelfer arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft rekrutierten die Caporali täglich bis zu 80 Erntehelfer direkt auf der Straße und brachten sie zu den Feldern. Dort mussten sie unter extremen Bedingungen arbeiten. Sie durften ihre Handys nicht benutzen und mussten bei Kontrollen der Polizei fliehen, sonst verloren sie ihre Arbeit. Ein Jobverlust drohte auch bei als zu gering bewerteter Leistung. Es gab keine Toiletten, keine ärztlichen Untersuchungen und keine Pausenräume.

Ein Teil der Beschäftigten erhielt zwischen drei und vier Euro pro Stunde. Andere, meist Neuankömmlinge, bekamen rund 30 Euro pro Tag. Für diejenigen, die schon länger eingesetzt wurden, stieg der Tageslohn höchstens auf 50 Euro.

Der tragische Fall von Satnam Singh

Der Fall ist nur der jüngste in einer langen Reihe, bei denen in Italien Drittstaatsangehörige ausgebeutet werden. Ohne rechtlichen Schutz enden diese Fälle nicht selten tragisch. Besonders in Erinnerung ist die Geschichte von Satnam Singh, der zum Symbol des Kampfes gegen das System des „caporalato“ geworden ist.

Singh, ein Erntehelfer indischer Herkunft ohne regulären Arbeitsvertrag und ohne Aufenthaltsgenehmigung, starb, nachdem ihn sein Arbeitgeber auf der Straße zurückließ, nachdem sein rechter Arm bei der Arbeit von einer Maschine abgetrennt worden war. Der Unfall ereignete sich im Juli 2024 auf Feldern in der Provinz Latina. Der Krankenwagen wurde erst gerufen, als der Mann zu seiner Wohnung gebracht worden war. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft in Latina hätte Singh mit rechtzeitiger Hilfe überleben können.

Wegen des Todes von Singh verurteilte das Gericht im Juli den Betriebsinhaber Antonello Lovato in erster Instanz zu 16 Jahren Haft. Das Urteil lautet auf vorsätzliche Tötung mit Eventualvorsatz.

Nach dem Bericht des nationalen Arbeitsinspektorats wurden im vergangenen Jahr 895 illegal Beschäftigte festgestellt, davon 227 in der Landwirtschaft. Für 2023 meldete das Statistikamt Istat rund 200.000 irregulär Beschäftigte im Agrarsektor in ganz Italien.

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