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Von Weizen bis Roboter: Kasachstan macht China-Investitionen zu hochwertigen Ausfuhren

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Kasachstan setzt auf chinesische Investitionen, Technik und Logistik, um sich von Rohstoffexporten zu lösen und zum Zentrum für Industrie- und Premiumexporte zu werden.

Kasachstan setzt auf chinesisches Kapital und Technologie, um sich von einem Rohstoffexporteur zu einem regionalen Zentrum für Hightech-Produktion und Logistik zu wandeln. Wie diese Strategie aussieht, war beim Kasachstan-China-Investitionsforum in Almaty zu sehen.

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Das Forum brachte Hunderte Unternehmen beider Länder zusammen. Nach Angaben der staatlichen Agentur Kazakh Invest gingen daraus fast 40 Geschäftsvereinbarungen hervor.

Das Treffen fällt in eine Phase besonders enger Wirtschaftsbeziehungen. Der bilaterale Handel erreichte im vergangenen Jahr mit 42,7 Milliarden Euro einen Rekordwert. Die chinesischen Direktinvestitionen in Kasachstan stiegen zugleich auf das Allzeithoch von 2,4 Milliarden Euro.

Der kasachische Präsident Kassym-Schomart Tokajew skizzierte eine neue Strategie der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Astana und Peking und erklärte:

„Das schafft eine solide Grundlage, um unsere Partnerschaft auf ein neues Niveau zu heben – weg von einzelnen Investitionsprojekten hin zu kompletten Produktionsökosystemen. Gemeinsam können wir dann die Märkte Zentralasiens, der Eurasischen Wirtschaftsunion, des Südkaukasus und Europas erschließen. In diesem Zusammenhang schlage ich das Programm Kasachstan–China ‚Gemeinsame Geschichte, gemeinsame Zukunft. Entworfen und hergestellt in China und Kasachstan‘ vor.“

Der neue Schwerpunkt liegt nicht mehr nur auf dem Transit von Rohstoffen. Kasachstan will zunehmend im eigenen Land verarbeiten, Produktion ansiedeln und veredelte Waren exportieren.

Getreide: Vom Rohstoff zum hochwertigen Produkt

Ein besonders anschauliches Beispiel liefert die Landwirtschaft. Die chinesische Dalian Hesheng Holdings Group baut in Nordkasachstan einen Großkomplex für die Tiefverarbeitung von Weizen. In der ersten Ausbaustufe sollen rund 570 Millionen Euro investiert werden. Geplant ist die Produktion von Glutaminsäure, Gluten und weiteren Erzeugnissen mithilfe von Biofermentation.

Das Projekt soll geringwertiges Rohgetreide direkt an der Quelle veredeln und in Produkte verwandeln, die vor dem Export ein Vielfaches mehr wert sind.

„Unsere Idee ist, Agrarprodukte wie Weizen von derzeit 175 Euro je Tonne zu einem Endprodukt weiterzuverarbeiten, das mehr als 800 Euro, oder sogar über 8.000 Euro kostet – und erst dann zu transportieren“, erklärte Sun Yao, stellvertretender Vorstandschef von Dalian Hesheng Holdings, Euronews.

China soll laut Unternehmen Hauptabnehmer der Produktion werden. Teile der Ware könnten aber auch nach Europa, in den Nahen Osten und nach Nordamerika gehen.

Das Vorhaben geht bereits über eine bloße Absichtserklärung hinaus. Kasachstan hat Anfang des Jahres ein Investitionsabkommen mit einer Tochtergesellschaft von Dalian Hesheng unterzeichnet.

Offiziellen Plänen zufolge soll die Anlage zunächst eine Verarbeitungskapazität von einer Million Tonnen Weizen pro Jahr erreichen. In späteren Bauphasen ist eine Erweiterung auf bis zu drei Millionen Tonnen vorgesehen.

Logistik: Wie kommen die Produkte zum Kunden?

In Kasachstan hergestellte Produkte, die auf dem Forum präsentiert werden
In Kasachstan hergestellte Produkte, die auf dem Forum präsentiert werden Veronika Boyarova

Der Export verarbeiteter Waren aus dem größten Binnenstaat der Welt steht und fällt mit effizienten Transportwegen. Dadurch gewinnt die Transkaspische Internationale Transportroute, der sogenannte Mittlere Korridor, an Bedeutung. Sie verbindet China über Kasachstan, das Kaspische Meer, Aserbaidschan, Georgien und die Türkei mit Europa.

Nach Angaben von Präsident Tokajew rechnet Kasachstan damit, dass bis 2029 jährlich rund 3.000 Containerzüge den Korridor nutzen.

Für Exporteure bringt die Strecke spürbare finanzielle Vorteile. Darauf verweist Yadykar Ibragimov von der Nationalen Vereinigung der Ölfruchtverarbeiter Kasachstans. Produkte mit höherer Wertschöpfung seien wirtschaftlich günstiger, erklärte er. Je höher der Warenwert, desto geringer falle der Anteil der Transportkosten ins Gewicht – und desto weniger Sorgen bereite die Logistik.

Er verweist auf den stark wachsenden Handel mit Pflanzenölen zwischen Kasachstan und China. Ein Container mit kasachischem Sonnenblumenöl erreicht Ostchina nach seinen Angaben in rund zwölf Tagen. Lieferungen per Schiff aus Schwarzmeerhäfen sind dagegen bis zu zwei Monate unterwegs.

„Ich sehe den fehlenden Zugang zum Meer für Kasachstan nicht als Nachteil“, sagte Ibragimov. „Wenn ein Käufer in Ostchina Öl aus Schwarzmeerhäfen bestellt, ist sein Geld anderthalb bis zwei Monate gebunden. Bei Lieferungen aus Kasachstan sind es höchstens zwei Wochen.“

Kasachstan stieg 2025 zum zweitgrößten Lieferanten von Sonnenblumenöl für China auf. Gleichzeitig avancierte das Land zum drittgrößten Anbieter von Sonnenblumenschrot für die EU. Über den Mittleren Korridor erhält Kasachstan zudem besseren Zugang zu Märkten im Nahen Osten, in der Türkei und in Europa.

Hochtechnologie: Kann Kasachstan zur Fertigungsdrehscheibe werden?

Humanoide Roboter, die im Rahmen einer Vereinbarung zwischen Nero Group und Ubtech Robotics produziert werden sollen
Humanoide Roboter, die im Rahmen einer Vereinbarung zwischen Nero Group und Ubtech Robotics produziert werden sollen Veronika Boyarova

Die kasachische Nero Group und der chinesische Robotikhersteller Ubtech Robotics wollen die Roboterproduktion in Almaty ansiedeln. Das Werk soll künftig bis zu 50.000 Lern- und Bildungsrobotik-Kits pro Jahr fertigen. Ab 2027 ist außerdem die lokale Herstellung von Service- und humanoiden Robotern vorgesehen.

Nero-Group-Chef Jerlan Nabijew denkt dabei auch an den Export in andere Staaten, darunter in europäische Märkte.

„Die Nachfrage nach Robotik ist enorm, wir erhalten viele Anfragen aus dem Ausland. Zunächst wollen wir allerdings die heimischen Kapazitäten aufbauen. Unsere Vereinbarung mit Ubtech gibt uns anschließend das Recht, nach Zentralasien, in den eurasischen Raum und möglicherweise nach Europa zu exportieren“, sagte er.

Kasachisches Unternehmen verkauft chinesische Autos in Europa

Eines der von Astana Motors präsentierten Fahrzeuge
Eines der von Astana Motors präsentierten Fahrzeuge Veronika Boyarova

Astana Motors, eines der größten Auto-Unternehmen Kasachstans, expandiert über den Heimatmarkt hinaus und vertreibt Fahrzeuge chinesischer Marken in der Europäischen Union.

Das Unternehmen fungiert inzwischen als Distributor in Tschechien, der Slowakei und Polen. Vorstandschef Beknur Nessipbajew erklärte, Astana Motors erhalte die Vertriebsrechte, indem es sich in Ausschreibungen gegen andere Anbieter durchsetzt.

„Wir treten gegen diese Unternehmen an und gewinnen die Ausschreibungen zu wettbewerbsfähigen Konditionen“, sagte er Euronews.

Parallel dazu fahren die heimischen Werke in Kasachstan die Montage für die lokale und regionale Nachfrage hoch. Auf Grundlage eines neuen Lizenzvertrags mit der chinesischen Chery Holding Group, der in diesem Sommer unterzeichnet wurde, brachte Astana Motors im September die ersten Fahrzeuge vom Band.

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