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Italien untersucht Activision Blizzard wegen Ausgaben von Kindern im Spiel

Auf einem Smartphone ist ein Bild aus Activisions „Call of Duty“ zu sehen, daneben ein Foto mit dem Microsoft-Logo.
Auf einem Smartphone ist ein Bild aus Activisions Call of Duty neben einem Foto des Microsoft-Logos zu sehen. -  Copyright  AP Photo
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Von Jonathan Benton
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Italiens Kartellbehörde prüft, ob die Bezahlmodelle von Call of Duty Mobile und Diablo Immortal EU-Verbraucherschutzregeln verletzen, vor allem bei Kindern.

Die italienische Wettbewerbsbehörde hat eine Untersuchung gegen die zum Microsoft-Konzern gehörende Spielefirma Activision Blizzard eingeleitet. Der Vorwurf: Das Unternehmen setzt in seinen populären Mobile-Games „Diablo Immortal“ und „Call of Duty Mobile“ auf ausbeuterische Geschäftsmodelle wie „Lootboxen“ und Pay-to-Progress-Designs, um Kinder und andere Spieler gezielt anzusprechen und auszunutzen.

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Italien will zunächst klären, ob die Praktiken des Unternehmens eine „weitverbreitete Verletzung“ der EU-Verbraucherschutzregeln darstellen. Unterstützung erhält die Behörde von den Verbraucherschutzstellen in Norwegen und Dänemark. Auslöser sind Beschwerden von Spielern und eine breite öffentliche Kritik in den vergangenen Jahren.

Activision Blizzard gehört zu den bekanntesten Spiele-Publishern von Microsoft. Das Unternehmen steht weltweit hinter prägenden Spielereihen wie „Call of Duty“, „Warcraft“, „StarCraft“ und „Diablo“. Microsoft kaufte Activision Blizzard im Jahr 2023 für 75,4 Milliarden US-Dollar (67,29 Milliarden Euro).

Stellt sich heraus, dass Activision Blizzard gegen den italienischen Verbraucherkodex verstoßen hat, drohen dem Konzern Geldbußen von bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes in jedem betroffenen Land, wie es der europäische Rechtsrahmen vorsieht.

ARCHIV: Eine Illustration des Call of Duty®: WWII Fear Not Pack, der entwickelt wurde, um Veteranen in hochwertige Jobs zu vermitteln. Verbreitet von AP über Business Wire.
ARCHIV: Eine Illustration des Call of Duty®: WWII Fear Not Pack, der entwickelt wurde, um Veteranen in hochwertige Jobs zu vermitteln. Verbreitet von AP über Business Wire. Copyright Business Wire 2018.

Die italienische Untersuchung ist Teil einer breit angelegten EU-Koordinierung (Quelle auf Englisch), die die Verbraucherschutzbehörden im CPC-Netzwerk der EU-Kommission Ende September gestartet haben. In der gesamten EU sollen Maßnahmen gegen neun Spieleunternehmen den Schutz der Rechte von Gamerinnen und Gamern stärken.

Das CPC-Netzwerk koordiniert Verfahren gegen Activision Blizzard UK Limited, Crytek GmbH, InnoGames GmbH, King.com Limited, Mojang AB, Plarium Europe S.à r.l., PLR Worldwide Sales Limited, Riot Games Limited, Supercell Oy und Ubisoft EMEA SAS.

Die Untersuchung der italienischen Behörde bildet den ersten Schritt dieses EU-weiten Vorgehens.

Besonders kritisch sehen die italienischen Behörden, wie das Unternehmen Kinder ins Visier nimmt. Sie gelten als besonders anfällig für Spielsucht und können oft nicht einschätzen, wie viel Geld sie tatsächlich ausgeben. Problematisch ist aus Sicht der Aufsicht, dass Activision Blizzard stark auf virtuelle Währungen setzt, die mit echtem Geld gekauft werden und mit denen sich Objekte, Vorteile und Funktionen im Spiel bezahlen lassen.

Die Behörde bemängelte in einer Mitteilung eine „fehlende Transparenz und Fairness beim Einsatz virtueller Währungen“ in den Spielen.

Das Vorgehen ist Teil einer breiteren Offensive in Europa und weltweit gegen Tech-Unternehmen. Politiker und Aufsichtsbehörden sorgen sich zunehmend, dass das Design von Plattformen und Spielen die mentale Gesundheit junger Menschen schädigt. Anlass ist eine Reihe von Suiziden.

Erst vor wenigen Wochen präsentierte die EU-Kommission einen Gesetzesvorschlag zum Schutz von Kindern im Netz, bekannt als EU Kids Act (Quelle auf Englisch). Digitale Diensteanbieter sollen künftig nachweisen, dass ihre Plattformen „sicher durch Gestaltung“ sind und sich für das Alter der Kinder eignen, bevor diese sie nutzen dürfen.

Der Entwurf richtet sich ausdrücklich auch an Videospiele. Vorgesehen ist unter anderem ein Verbot von Lootboxen für Kinder. Dabei handelt es sich um virtuelle Überraschungspakete mit zufälligen Inhalten wie Ausrüstung oder kosmetischen Extras. Zudem sollen die Kosten in realer Währung für Käufe im Spiel klar sichtbar sein, ebenso Warnhinweise bei Käufen.

Der Vorschlag soll außerdem suchtähnliches Verhalten bei Kindern eindämmen. Geplant sind etwa Verbote von „Streak“-Mechaniken, bei denen Spieler regelmäßig oder sogar täglich einloggen müssen, und von Benachrichtigungen, die Kinder zum Weiterspielen drängen oder dazu, länger zu spielen, als sie wollen.

Die EU-weite Initiative folgt auf einen offenen Dialog, den das CPC-Netzwerk im vergangenen Jahr mit der Games-Branche geführt hatte. Nach Einschätzung der Organisation brachte dieser „keine zufriedenstellenden Ergebnisse“, vor allem beim Umgang mit Monetarisierung und virtuellen Währungen.

ARCHIV: Der Messestand von Activision Blizzard am 13. Juni 2013 auf der Spielemesse Electronic Entertainment Expo in Los Angeles.
ARCHIV: Der Messestand von Activision Blizzard am 13. Juni 2013 auf der Spielemesse Electronic Entertainment Expo in Los Angeles. Copyright 2019 The Associated Press. All rights reserved.

Parallel dazu will die Kommission noch in diesem Jahr einen EU Digital Fairness Act (Quelle auf Englisch) vorlegen. Das Gesetzespaket sieht unter anderem ein Verbot sogenannter „Dark Patterns“ vor, also manipulativer Designs und künstlicher Dringlichkeit, sowie Vorgaben gegen unfaire Personalisierung und Abofallen.

Das CPC-Netzwerk prüft zudem, ob Activision Blizzard UK Limited seine Spiele im Einklang mit dem EU-Verbraucherrecht gestaltet.

„Rund die Hälfte der Europäerinnen und Europäer spielt Videospiele … Mit dieser Reichweite geht Verantwortung einher. Die Branche muss sicherstellen, dass ihre Spiele Spielerinnen und Spieler – insbesondere Kinder – nicht schädlichen oder unfairen Praktiken aussetzen“, sagte Michael McGrath, der EU-Kommissar für Verbraucherschutz.

„Das Spiel muss fair sein, und die Regeln müssen eingehalten werden. Die nationalen Behörden werden mit Unterstützung der Kommission dafür sorgen, dass dies geschieht“, fügte er hinzu.

Viele Gamer beklagen seit Jahren, dass Publisher zunehmend auf Pay-to-Win-Mechaniken setzen.

Diese Modelle belohnen vor allem Spieler, die im Spiel mehr Geld ausgeben, und verschaffen ihnen einen unfairen Vorteil gegenüber jenen, die trotz größerer spielerischer Fähigkeiten nicht zahlen.

So wird aus dem Wettbewerb im Spiel ein Wettstreit der Bankkonten statt ein Test von Können oder Leistung. Spielefirmen verteidigen dieses Modell häufig mit dem Hinweis, ihre Titel seien kostenlos spielbar und das Bezahlen sei freiwillig.

In einem Interview mit der „Los Angeles Times“ im Juli 2022 verteidigte der damalige Chef von Blizzard Entertainment, Mike Ybarra, das Geschäftsmodell. Das Unternehmen liefere „Hunderten Millionen Menschen ein kostenloses Diablo-Erlebnis, bei dem sie buchstäblich 99,5 Prozent des Spiels“ ohne Bezahlung nutzen könnten.

Er behauptete außerdem, die große Mehrheit der Spieler habe kein Geld ausgegeben und man könne das Spiel vollständig durchspielen, ohne zu zahlen.

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