Ein 68-jähriger Russe, der aus der russischen Exklave Kaliningrad nach Litauen schwamm, um Asyl zu suchen, muss in Russland wegen "öffentlicher Rechtfertigung von Terrorismus" sechs Jahre in eine Strafkolonie mit verschärftem Regime.
Ein russisches Gericht hat einen 68-jährigen Mann zu sechs Jahren Lagerhaft verurteilt. Er muss sechs Jahre in einer Strafkolonie mit strenger Sicherheitsstufe verbringen. Nach seiner Entlassung darf er für drei Jahre keine Websites oder Onlinekanäle verwalten.
Nach Angaben russischer Medien heißt der Mann Igor Jurjewitsch Odinzow. Das Militärgericht der Baltischen Flotte sprach ihn wegen "öffentlicher Rechtfertigung von Terrorismus" schuldig. In der Mitteilung des Gerichts heißt es außerdem, er habe eine "negative Einstellung gegenüber den Staatsorganen der Russischen Föderation" und lehne den Krieg Moskaus gegen die Ukraine ab, den die russische Regierung als "militärische Spezialoperation" bezeichnet.
Das Verfahren wurde am 17. September ausgesetzt, nachdem Odinzow untergetaucht war, berichtete ruwest.ru. An diesem Tag schwamm er über den Nemunas und erreichte das litauische Ufer.
Nach Angaben des litauischen Portals Lrytas war er über den Fluss Nemunas von Kaliningrad nach Litauen geschwommen, um Asyl zu suchen.
Dort schickte man ihn aber wieder zurück. Der Leiter der litauischen Gemeinschaft in Kaliningrad, Sigitas Šamborskis, sagte gegenüber Lrytas, er kenne den Mann. Odinzow habe versucht, der Verfolgung zu entkommen.
"Er hatte ein Verfahren am Laufen, deshalb ist er über den Nemunas geschwommen. Er wollte sich retten", sagte Šamborskis.
Dem litauischen Grenzschutz soll der Mann erklärt haben, er sei aus Russland geflohen, weil er wegen seiner Aktivitäten in sozialen Netzwerken verfolgt werde. Nach Prüfung der Umstände, der "widersprüchlichen" Angaben des Mannes und von "Informationen über eine mögliche Gefahr durch diese Person im Fall einer Einreise in die EU" entschieden die Behörden jedoch, ihn zurückzuschicken, erklärte der Sprecher des litauischen Grenzschutzdienstes, Giedrius Mišutis, im vergangenen Monat.
Šamborskis ergänzte, die litauischen Behörden hätten keine ausreichende Grundlage gehabt, ihn dazubehalten, weil das Verfahren in Russland noch nicht abgeschlossen gewesen sei.
Den 68-Jährigen nahmen die Behörden vier Tage später fest. Wenig später wurde er nun in Russland zu 6 Jahren Lagerhaft verurteilt