Litauen hält eine Sicherheitsübung ab, bei der eine Notlage bei der Durchfahrt eines Zuges ins russische Kaliningrad simuliert wird. Wo gibt es weitere Übungen?
Litauen hat eine militärische Übung abgehalten, bei der ein Sicherheitsvorfall an Bord eines russischen Transitzuges auf dem Weg nach Kaliningrad, simuliert wurde. Das Manöver gilt als jüngstes Anzeichen für die zunehmenden Spannungen im Zusammenhang mit dem durch Litauen verlaufenden Eisenbahnkorridor.
Das Szenario sieht einen Zwischenfall an Bord des Zuges auf der Fahrt durch Litauen vor, bei dem es mehrere Verletzte und ein Todesopfer gibt.
In der Folge muss der Zug in Kaunas anhalten, wo sechs Personen entkommen können.
Die militärische Übung geht auf einen Vorfall aus dem vergangenen Sommer zurück, als ein russischer Staatsbürger im Juni aus einem Transitzug ausstieg, was Bedenken über mögliche Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit dem Korridor aufkommen ließ.
Laut dem litauischen Innenminister Vladislav Kondratovič führte der Vorfall im Juni zu einer Verschärfung der Transitkontrollen in Litauen und veranlasste das Land, die Koordination zwischen den Institutionen zu verbessern.
Er räumte jedoch ein, dass mehrere "Infrastrukturentscheidungen" noch ausstehen.
Seit dem vergangenen Jahr sind Soldaten der Bundeswehr in Litauen stationiert. In den kommenden Monaten soll Deutschlands Präsenz in dem Land im Baltikum zur Abschreckung gegen Russland ausgeweitet werden.
An der Ostflanke der NATO
Auch in der polnischen Stadt Braniewo, nahe der polnischen Grenze zu Kaliningrad, wurden militärische Übungen durchgeführt.
Bei dem Training auf dem Schießplatz der gepanzerten Kavalleriebrigade in Braniewo kamen Panzer des Typs K2 "Black Panther" aus koreanischer Produktion zum Einsatz.
Die Panzerbrigade wurde im August 2025 in die Region nahe der russischen Grenze verlegt, um die Ostflanke der NATO zu stärken und den Nordosten Polens zu verteidigen, auch gegen potenzielle Bedrohungen aus Kaliningrad und Belarus.
"Dies sind Panzer des 21. Jahrhunderts. Ihre Elektronik und ihre Leistung machen sie unglaublich leistungsfähig", sagte Oberstleutnant Marcin Jankowski gegenüber lokalen Medien, "ihre Schussweite ist mit der älterer Panzer nicht zu vergleichen".
Exklave als Sicherheitsrisiko
Kaliningrad ist eine russische Exklave, die an Litauen und Polen grenzt. Im Rahmen eines Abkommens zwischen Russland und der EU, das vor dem Beitritt Litauens zur EU unterzeichnet wurde, dürfen russische Bürger mit minimalen Einschränkungen durch Litauen nach Kaliningrad reisen.
Die zunehmend aggressive Außenpolitik Moskaus hat die litauischen Behörden jedoch dazu veranlasst, die Transitroute als potenzielles Sicherheitsrisiko zu betrachten.
Nach Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine Anfang 2022 begann Vilnius mit der Durchsetzung von Sanktionen gegen russische Waren, die durch sein Territorium und in die Exklave gelangen.
Nach Drohungen aus Moskau revidierte Brüssel seine Sanktionsempfehlungen und riet Litauen, den Bahntransit weiterhin zuzulassen.