Disney-Geschichten richten sich an Kinder, doch ihre Botschaften begleiten uns oft ein Leben lang: Eine Studie der SWPS-Universität zeigt, dass Werte wie Freundschaft, Loyalität, Familie und Mut uns bis ins Erwachsenenalter prägen.
Manche Geschichten begleiten uns noch lange, nachdem wir der Kindheit entwachsen sind. Mit der Zeit verblassen die Details der Handlung, die Reihenfolge der Lieder und sogar die Namen der Figuren. Was bleibt, sind die Gefühle und die Vorstellungen von der Welt, die diese Geschichten in uns geweckt haben.
Seit Jahrzehnten ist Disney für Generationen von Polen ein Teil ihrer Kindheit. Eine Studie der SWPS-Universität zeigt, dass zum Beispiel 84 Prozent der erwachsenen Polen als Kinder regelmäßig Disney-Filme und -Animationen gesehen haben. 82 Prozent von ihnen haben bis heute eine besondere Vorliebe dafür.
Dabei geht es nicht nur um Nostalgie. Unsere Verbindung zu diesen Geschichten hat auch mit den Werten zu tun, die sie vermitteln und die uns bis ins Erwachsenenalter prägen können.
Am häufigsten nannten die Befragten Freundschaft und Loyalität – jeweils 46 Prozent. Es folgen der Sieg des Guten über das Böse mit 43 Prozent, das Überwinden von Schwierigkeiten mit 32 Prozent und die Familie mit 31 Prozent.
Geld, Ruhm und Prestige finden sich unter den meistgenannten Werten ebenso wenig wie der Wunsch, der oder die Beste zu sein. Für erwachsene Polen steht Disney vor allem für Beziehungen, Freundlichkeit, persönliche Entwicklung, Loyalität und Verantwortungsbewusstsein.
Es geht also weniger darum, was wir erreichen, sondern vielmehr darum, mit wem wir unser Leben teilen und was für ein Mensch wir sein möchten.
Freundschaft vor Erfolg
In Disney-Geschichten gehen Helden ihren Weg nur selten allein. Freunde, Familie und manchmal auch unerwartete Verbündete stehen ihnen zur Seite und helfen ihnen durch schwierige Momente. Kein Wunder also, dass Freundschaft und Loyalität zu den Werten gehören, die Menschen besonders stark mit Disney verbinden. Diese Botschaften bleiben auch im Erwachsenenalter aktuell.
89 Prozent der Polen sagen, dass ihnen Freundlichkeit gegenüber anderen wichtig ist. Genauso viele halten es für wichtig, sich selbst treu zu bleiben. 87 Prozent schätzen Mut, 86 Prozent die Familie. Und 84 Prozent sind der Meinung, dass Liebe dabei helfen kann, Schwierigkeiten zu überwinden.
Die Unterschiede zwischen den Generationen sind relativ gering. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, warum Disney Menschen anspricht, die in ganz unterschiedlichen Zeiten aufgewachsen sind. Die Figuren verändern sich, doch das Bedürfnis nach Nähe, Freundschaft und dem Gefühl, nicht allein zu sein, bleibt.
Jede Generation liest diese Geschichten anders
Gemeinsame Grundwerte bedeuten nicht, dass jede Generation diese Geschichten auf die gleiche Weise versteht. Bei den Babyboomern (geboren zwischen 1945 und 1965) ist die Vorstellung besonders stark, dass die Welt nach klaren Regeln funktionieren sollte.
54 Prozent nennen den Sieg des Guten über das Böse als einen der Werte, die Disney-Geschichten vermitteln. In ihren Antworten finden sich außerdem Ehrlichkeit, Hoffnung, Durchhaltevermögen und der Glaube an Gerechtigkeit.
Die Generation X (geboren zwischen 1965 und 1980) verbindet Disney-Geschichten eher mit Verantwortung, dem Erwachsenwerden und dem Umgang mit Krisen. Für 74 Prozent der Befragten dieser Generation eröffnete Disney außerdem einen Blick in die westliche Welt.
Millennials (geboren zwischen 1980 und 1995) legen dagegen mehr Wert auf Authentizität, Akzeptanz und die Freiheit, das eigene Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Figuren wie Mulan, Elsa oder Vaiana versuchen nicht einfach, die Erwartungen anderer zu erfüllen.
Ihre Geschichten handeln davon, herauszufinden, wer sie selbst sind und welchen Platz sie in der Welt finden möchten.
"Ich habe das Recht, ich selbst zu sein"
Am deutlichsten zeigt sich dieser Wandel bei den Jüngsten. Zwölf Prozent der ältesten Befragten nennen Selbstakzeptanz als wichtigen Wert. Bei der Generation Z (geboren zwischen 1995 und 2010) sind es bereits 29 Prozent.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Unabhängigkeit und Vielfalt: Diese Werte steigen von rund zehn Prozent bei den Ältesten auf 18 Prozent bei der Generation Z. Noch größer ist der Unterschied beim Thema, die eigenen Träume zu verfolgen. 14 Prozent der Babyboomer nennen diesen Wert, bei der Generation Z sind es 38 Prozent.
Beim Glauben daran, dass das Gute siegt, zeigt sich dagegen das umgekehrte Bild: 54 Prozent der ältesten Befragten nennen diesen Wert, bei den Jüngsten sind es 24 Prozent. Das bedeutet nicht, dass jüngere Menschen nicht mehr an das Gute glauben. Vielmehr haben sich ihre Vorstellungen davon verändert, was eine Heldin oder ein Held ausmacht.
Es reicht nicht mehr, das Böse zu besiegen und am Ende die Ordnung wiederherzustellen. Für viele ist heute genauso wichtig, dass Held selbst entscheiden kann, wer er sein möchte und welchen Weg er gehen will.
Für die Generation Z sind Selbstverwirklichung, Identität, Zugehörigkeit und die Akzeptanz von Vielfalt besonders wichtig. Die zentrale Botschaft lässt sich deshalb einfach zusammenfassen: Finde deinen eigenen Weg.
Klassiker bleiben wichtig
Man könnte meinen, dass eine Generation mit nahezu unbegrenzter Auswahl an Inhalten sich von den Disney-Klassikern entfernt. Doch die Generation Z lehnt deren Grundwerte nicht ab. Sie möchte sie vielmehr mit einer zeitgemäßen Art des Erzählens verbinden. Fast die Hälfte der Befragten aus der Generation Z (46 Prozent) spricht sich dafür aus, Disney-Klassiker mit modernen Ideen zu verbinden.
Auch insgesamt zeigt sich ein ähnliches Bild: Eine deutliche Mehrheit (87 Prozent) möchte, dass Disneys klassische Werte erhalten bleiben. 45 Prozent wünschen sich, dass sie unverändert bleiben, 42 Prozent würden sie gerne mit modernen Werten verbinden. Nur 4 Prozent sind dafür, dass Disney seine Werte vollständig an aktuelle gesellschaftliche Trends anpasst.
Auch aktuelle Geschichten kommen gut an – vor allem, wenn sie das Überwinden von Schwierigkeiten (75 Prozent), Zusammenarbeit (74 Prozent) und Durchhaltevermögen (72 Prozent) in den Mittelpunkt stellen.
Es geht also nicht um die Frage, ob klassische Disney-Filme oder moderne Erzählweisen besser sind. Entscheidend ist vielmehr, an Werten festzuhalten, die auch heute noch Bedeutung haben, und sie in Geschichten zu erzählen, die die Lebenswelt der Gegenwart widerspiegeln.
Kindheitslektionen bleiben
Das dürfte ein Grund dafür sein, warum Disney für so viele Generationen zu einer gemeinsamen Erfahrung geworden ist. Nicht, weil alle die gleichen Filme und Figuren im Kopf haben, sondern weil jede Generation in diesen Geschichten etwas für sich gefunden hat. Babyboomer erinnern sich an Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Hoffnung. Generation X verbindet Disney mit Verantwortung, Durchhaltevermögen und der Kraft, Schwierigkeiten zu überwinden.
Millennials schätzen Authentizität und die Freiheit, das eigene Leben selbst zu gestalten. Die Generation Z legt mehr Wert auf Selbstverwirklichung, Identität und den Mut, den eigenen Weg zu finden. Trotz dieser Unterschiede tauchen immer wieder dieselben Werte auf: Freundschaft, Loyalität, Familie, Mut, Freundlichkeit und Durchhaltevermögen.
Diese Werte sind weder neu noch besonders modern. Vielleicht haben sie sich gerade deshalb so lange gehalten. Disney hat nie nur von Schlössern, Kronen und Happy Ends erzählt. Die Geschichten haben Generationen auch gezeigt, wie wichtig Menschen sind, denen man vertrauen kann, wie viel Kraft man in schwierigen Zeiten braucht und wie befreiend es sein kann, den eigenen Weg zu wählen.
Erwachsen zu werden bedeutet nicht unbedingt, diese Geschichten hinter sich zu lassen. Wir vergessen vielleicht manche Details, doch ihre Botschaften begleiten uns oft noch lange, nachdem die Kindheit vorbei ist.