Die Mieten steigen in Europa deutlich, besonders in Rumänien und Kroatien. Euronews Business analysiert die jährliche Mietinflation in beiden Ländern.
Die Mieten steigen in ganz Europa weiter, einige Länder trifft es besonders stark.
In vielen europäischen Staaten wachsen die Mieten schneller als die allgemeine Inflation. Vor allem Haushalte in Rumänien und Kroatien leiden unter den jüngsten Mietaufschlägen.
Welche Faktoren treiben diese Entwicklung – und warum stechen Rumänien und Kroatien im EU-Vergleich so deutlich heraus?
Zwischen dem zweiten Quartal 2025 und dem zweiten Quartal 2026 sind die tatsächlich gezahlten Wohnungsmieten in der EU um drei Prozent gestiegen. Die Mietinflation reichte von null in Finnland bis 43,5 Prozent in Rumänien, dicht gefolgt von Kroatien mit 40,1 Prozent, wie Eurostat meldet.
Die Gesamtinflation lag im gleichen Zeitraum bei 9,5 Prozent in Rumänien und 4,8 Prozent in Kroatien. Bereinigt um die Inflation stiegen die Mieten in beiden Ländern um mehr als 30 Prozent.
Slowenien verzeichnete mit zehn Prozent – beziehungsweise etwas mehr als sechs Prozent nach Inflationsbereinigung – den dritthöchsten Mietanstieg in der EU.
Sozialer Wohnungsbau als Preistreiber
Datenlieferanten von Eurostat in diesen Ländern erklärten gegenüber Euronews Business die Gründe für die starken Anstiege und verwiesen auf die Rolle des öffentlichen Wohnungsbestands.
Als Hauptgrund nennt die Regierung in Rumänien „die Erhöhung der administrierten Mieten [Mieten für Wohnungen im öffentlichen oder privaten Eigentum des Staates oder der administrativen Gebietseinheiten]“.
Doch die Wohnungsforscherin Dr. Adriana M. Soaita von der University of Glasgow bezweifelt, dass diese Erklärung für Rumänien ausreicht.
„Öffentliche Mietwohnungen stellen nur einen verschwindend kleinen Anteil am gesamten Wohnungsbestand dar“, sagte sie Euronews Business. Ihre Mieten lägen deutlich unter denen im privaten Sektor, sodass selbst eine Verdreifachung kaum Einfluss auf den Durchschnitt hätte.
„Wenn wir trotz Inflationsbereinigung hohe Mietsteigerungen sehen und die Eurostat-Methodik sowie den informellen Sektor berücksichtigen, dürften vor allem Neubauten oder vollständig sanierte Wohnungen, die neu auf den Markt kommen, dahinterstehen“, so Soaita.
In Kroatien geht der starke Anstieg laut der zuständigen Institution „auf die Entscheidung der lokalen Behörden in der Hauptstadt Zagreb zurück, die Mieten für eine Kategorie von Sozialwohnungen zu erhöhen“.
Anlagewohnungen treiben Mieten in Kroatien
Prof. Gojko Bezovan von der Universität Zagreb betonte, dass ein erheblicher Teil des kroatischen Wohnungsbestands finanzialisiert ist. Investitionen in Wohnungen und touristisch ausgerichtete Immobilien seien zur wichtigsten Sparform geworden.
Viele Wohnungen in neuen Projekten werden deshalb nicht zum Wohnen gekauft. Sie bleiben häufig leer.
Bezovan erinnerte daran, dass Kroatien ab 2025 eine Steuer auf leerstehende Wohnungen eingeführt hat. 2025 und 2026 stieg die Zahl der bei der Steuerverwaltung registrierten Mietverträge deutlich an.
„Dadurch kamen mehr hochwertige Wohnungen in den großen Städten auf den Mietmarkt, mit Mietpreisen deutlich über dem Durchschnitt“, sagte er Euronews Business.
Türkei mit höchster Mietinflation
Werden EU-Beitrittskandidaten und EFTA-Staaten mitgezählt, weist die Türkei die höchste Mietinflation auf. Zwischen dem zweiten Quartal 2025 und dem zweiten Quartal 2026 stiegen die Mieten dort im Jahresvergleich um 49,6 Prozent.
Im Unterschied zu Rumänien und Kroatien kam es in der Türkei jedoch nicht zu einem plötzlichen Sprung. Die Mieten sind vielmehr schrittweise gestiegen. Die Gesamtinflation lag im gleichen Zeitraum ebenfalls bei über 30 Prozent, sodass der reale Mietanstieg niedriger ausfiel als in den beiden EU-Ländern.
Auch in Serbien legten die Mieten deutlich zu, nämlich um 12,5 Prozent. Zuwächse von mehr als fünf Prozent gab es außerdem in Bulgarien (9,9 Prozent), Nordmazedonien (9,2 Prozent), Island (8,6 Prozent), Griechenland (7,5 Prozent), Tschechien (6,2 Prozent), Albanien (sechs Prozent), der Slowakei (5,3 Prozent), Litauen (5,3 Prozent) und Portugal (5,2 Prozent).
Große Volkswirtschaften: reale Mieten sinken
Unter den vier größten Volkswirtschaften der EU lag nur Italien mit 3,5 Prozent über dem EU-Durchschnitt von drei Prozent. Die Mietinflation betrug 2,5 Prozent in Spanien, 2,1 Prozent in Deutschland und 1,6 Prozent in Frankreich.
Wie in Spanien, Deutschland und Frankreich stiegen die Mieten inflationsbereinigt auch in Belgien, Estland, Finnland und Luxemburg nicht.
Zwischen August 2025 und August 2026 erhöhten sich die Mieten in der EU um 2,9 Prozent. Insgesamt entspricht dies dem Trend zwischen den zweiten Quartalen der beiden Jahre – mit Ausnahme von Kroatien, wo der Jahresanstieg im August mit 4,3 Prozent deutlich niedriger ausfiel.
Der Grund: Der Index machte von Juli auf August 2025 einen starken Sprung. Das beeinflusste sowohl die monatlichen als auch die Quartalsveränderungen.
Harter Wettbewerb um knappen Mietwohnraum
Emma Rosser, EMEA-Forschungsleiterin für Wohnimmobilien beim Beratungsunternehmen JLL, sagte, in den Eurostat-Gesamtzahlen für alle Vermietungen seien derzeit keine extremen Sprünge zu sehen. Das Wachstum bei neuen Mietverträgen bleibe aber erhöht und beschleunige sich. Das könne auf künftige Belastungen im Markt hindeuten.
„Der starke Wettbewerb um knappen Mietwohnraum in europäischen Städten treibt das Preiswachstum bei neuen Mietverhältnissen in die Höhe“, sagte sie Euronews Business.
Sie ergänzte, dass dieses Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage europaweit zu beobachten ist, aber in Städten mit besonders schnellem Mietanstieg am stärksten wirkt.
Dr. Nóra Teller, Forscherin am Metropolitan Research Institute in Budapest, nannte als Treiber der Mietsteigerungen wirtschaftliche Faktoren, demografische Entwicklungen und Beschränkungen auf der Angebotsseite.
„Lange Phasen niedriger Zinsen haben die Kreditaufnahme für Immobilien angeheizt. Doch seit 2022 sind die Finanzierungskosten stark gestiegen. Viele Ersterwerber konnten sich den Kauf nicht mehr leisten und sind in den privaten Mietmarkt ausgewichen“, sagte sie Euronews Business.
Sie wies zudem darauf hin, dass die Finanzialisierung die Preise nach oben treibt: Institutionelle Investoren, Private-Equity-Fonds, Immobilienfonds und Buy-to-let-Eigentümer behandeln Wohnungen zunehmend als Finanzanlage und nicht als soziales Gut.