Ob Kultsocken aus Japan, Luxushotel-Merch oder handgestrickte Island-Pullover: Immer mehr Reisende suchen nach exklusiven Stücken, die es nur vor Ort gibt. Der Trend verbindet Shopping mit Erlebnis und Zugehörigkeit.
Die Zeiten sind vorbei, in denen Reisende im letzten Moment irgendein Andenken aus dem Souvenirshop am Flughafen griffen, bevor sie zum Gate hetzten.
Heute gehört es für viele zum Reiseerlebnis, etwas zu kaufen, das es nur an einem bestimmten Zielort gibt – zumindest laut Skyscanners aktuellem Bericht über Reisetrends.
Die neue Welle trägt den Namen "Pilgra-Merch" – eine Weiterentwicklung des Millennials-Spruchs "pics, or it didn’t happen", erklärt Modepsychologin Shakaila Forbes-Bell.
"Modemarken greifen diesen Trend auf und bieten immer mehr erlebnisorientierte Styles – von Überraschungstüten bis zu Pop-up-Stores. Man muss gewissermaßen 'eingeschworen' sein, um überhaupt davon zu wissen", sagt sie.
"Dieses gemeinschaftliche Element ist entscheidend, um ein begehrtes Pilgra-Merch-Stück zu schaffen. Wenn eine Tasche, ein Stoffbeutel oder ein Becher zum Kultobjekt wird, präsentiert man ihn oft als etwas, das nur 'echte Reisende' kennen. Diese Erzählung trifft unseren Wunsch nach Zugehörigkeit und unsere Angst, ausgegrenzt zu werden – und macht die Produkte noch begehrter."
Rund 23 % der Reisenden haben im vergangenen Jahr eine Reise unternommen, um etwas zu kaufen, das sie online nicht bekommen. Unter der Generation Z geben 28 % an, besonders stolz auf limitierte Einkaufstaschen aus dem Supermarkt zu sein. 22 % der Millennials präsentieren dagegen Bademäntel oder Caps mit Hotel-Logo aus Luxusherbergen.
Reisetrend „Pilgra-Merch“: Wo sich der Hype lohnt
Skyscanners Trendbericht hebt zwei Beispiele hervor: Tragetaschen der US-Supermarktkette Trader Joe’s und Merch des Ritz in Paris. Doch die Auswahl ist deutlich größer.
Wer Supermarkt-Merch sucht, den nicht jeder hat, wird in Japan fündig. Die Kette Family Mart hat kürzlich 47 verschiedene Sockenpaare auf den Markt gebracht, jede Variante steht für eine Präfektur des Landes.
Die Socken gibt es ausschließlich in Family-Mart-Filialen der jeweiligen Präfektur. So können Reisende zeigen, welche eher unbekannten Regionen sie besucht haben.
Streng genommen geht es beim "Pilgra-Merch"-Trend um sofort erkennbare Teile, die signalisieren, wie viel man herumgekommen ist. Doch ein individuelles Stück, das man im Alltag wirklich nutzt und das nicht zwingend ein Logo trägt, ist oft die sinnvollere Investition.
Mit dem nahenden Herbst lohnt sich ein Blick in den Kleiderschrank. Ein Abstecher in einen der Läden des Handknitting Association of Iceland bietet sich an: Dort gibt es Pullover und Cardigans aus 100 % isländischer Wolle, handgestrickt vor Ort.
Wer mit Pullis gut versorgt ist, kann nach Riga reisen. In dem Geschäft SENĀ KLĒTS werden Fäustlinge mit traditionellen lettischen Mustern verkauft, jedes Paar steckt voller Symbolik.
Wenn es wieder wärmer wird, locken mehrere Orte in Europa mit handgefertigten Sandalen. Besonders bekannt ist Melissinos Sandals in Athen, wo Kunden maßgefertigte Modelle bekommen.