Shakur war eine zentrale Figur im Hip-Hop-Konflikt zwischen US-Ostküste und Westküste. Mit nur 25 Jahren wurde er 1996 in Las Vegas erschossen. 30 Jahre später ist der Drahtzieher verurteilt worden.
Duane „Keffe D“ Davis, früherer Bandenchef aus Los Angeles, hat jahrelang mit seiner Beteiligung am Mord an Rapper Tupac Shakur geprahlt – bis er vor Gericht plötzlich alles bestritt. Am Dienstag verurteilte ihn das Gericht zu mindestens 40 Jahren Haft.
Das Urteil dürfte bedeuten, dass er im Gefängnis stirbt. Es fällt drei Jahrzehnte nach der Ermordung eines der einflussreichsten Hip-Hop-Künstler des späten 20. Jahrhunderts und nach jahrelanger Kritik an Ermittlungen, die im Sande verliefen.
Davis, 63, leitete früher einen Ableger der gefürchteten Crips, eines von vielen rivalisierenden Gangs, die in den 1990er-Jahren Teile von Los Angeles beherrschten.
Jahrelang entzog er sich der Justiz. In seinen Memoiren schrieb er schließlich, er habe den Mordbefehl an Shakur gegeben – offenbar im Glauben, das Gesetz könne ihm nichts mehr anhaben.
„Seit drei Jahren höre ich immer wieder dieselbe Botschaft von Ihnen an die Strafverfolgungsbehörden und in Ihrem Buch“, sagte Richterin Carli Kierny, als sie in einem Gerichtssaal in Las Vegas das Urteil verkündete. „Sinngemäß: ‚Ja, ich war beteiligt, aber ich bin anders. Ich habe das hinter mir gelassen. Ich bin weg aus Compton. Ich bin jetzt Großvater.‘“
„Ich bin hier, um Ihnen zu sagen: So läuft das nicht.“
„Sie dürfen einem Mann nicht seine Familie nehmen. Sie dürfen ihm nicht sein Leben und seine ganze Zukunft nehmen und dann einfach weitergehen. Schon gar nicht, wenn dieser Mann Tupac Shakur ist“, sagte die Richterin.
Shakur war eine Schlüsselfigur in der Hip-Hop-Fehde zwischen der US-Ostküste und der Westküste. Er war erst 25 Jahre alt, als er in Las Vegas erschossen wurde.
Im Prozess schilderten Zeugen, wie Davis den Mord an dem Hip-Hop-Künstler am 7. September 1996 anordnete, nachdem Mitglieder von Shakurs Gefolge seinen Neffen in einem Casino in Las Vegas verprügelt hatten.
Etwa zwei Stunden nach der Auseinandersetzung im Casino schoss ein Bewaffneter aus einem weißen Cadillac auf den „California Love“-Star. Der Wagen hatte an einer roten Ampel neben dem BMW angehalten, in dem der Rapper saß.
Davis übergab die Waffe einem Mann auf dem Rücksitz des Cadillac und befahl ihm, auf Shakur zu schießen. Der Rapper starb sechs Tage später.
Der Name dieses Schützen ist bis heute nicht endgültig geklärt. Davis ist der einzige Insasse des Cadillac von jener Nacht, der noch lebt.
Der Fahrer des BMW, Death-Row-Mitgründer Marion „Suge“ Knight, wurde verletzt.
Geboren als Ikone
Die Tötung Shakurs, der auch als 2Pac bekannt war, gehörte zu den bekanntesten ungelösten Fällen der USA. Unter Musikfans löste sie endlose Debatten darüber aus, wer dahinter steckte und warum.
Shakur war mit Hits wie „All Eyez on Me“ berühmt. Der Sohn einer Black-Panther-Aktivistin wurde in Harlem und Baltimore groß, avancierte aber nach seinem Vertrag bei dem in Los Angeles ansässigen Label Death Row Records schnell zur Ikone des kalifornischen Hip-Hop.
Seine Schwester Sekyiwa Shakur erinnerte am Dienstag unter Tränen an ihren Bruder, einen Mann, der ihrer Ansicht nach „als Ikone geboren wurde“.
Ihre Mutter habe ihn „ganz bewusst zu einem Menschenrechtsaktivisten erzogen, zu jemandem, der für Schwächere und Kleinere eintritt“, sagte sie. „So war er für mich und für die ganze Familie. Zu ihm ist man gegangen, wenn man Schutz brauchte.“
Davis zeigte vor der Urteilsverkündung keine Spur von Reue. Er kündigte lediglich an, gegen den Schuldspruch in Berufung zu gehen.