Tesla stellt in Texas den neuen Roadster vor: eine von drei Varianten zeigt Kickflip und Flugmanöver, doch Analysten erwarten kaum Umsatz.
Elon Musk, Chef von Tesla und Mitgründer von SpaceX, hat eine Szene wie aus „Knight Rider“ nachgestellt. Er präsentierte einen Supersportwagen mit Kaltgasdüsen, die auf SpaceX-Technologie basieren, und zeigte damit, wozu seine Unternehmen technisch in der Lage sind.
Am Freitag legte die Tesla-Aktie deutlich zu, vor allem wegen des Hypes rund um die Show. Die Vorführung beeindruckte zwar, doch Analystinnen und Analysten sehen nur begrenzten wirtschaftlichen Nutzen in dem neuen Modell.
Mamta Valechha, Analystin für zyklische Konsumwerte bei Quilter Cheviot, sprach von einem „ingenieurtechnischen Hingucker“, der Schlagzeilen produzieren und „für mehr Begeisterung rund um die Marke sorgen“ soll.
Rico Luman, Senior-Sektorökonom für Transport und Logistik bei ING, nannte die Präsentation „einen PR-Coup, der Teslas Image als innovatives Unternehmen unterstreicht und Markenwert schafft“. Autos blieben ein Produkt voller Emotion und Lifestyle, deshalb hinterlasse eine solche Show Eindruck, fügte er hinzu.
Gene Munster, Managing Partner bei Deepwater Asset Management, bezeichnete die Demonstration auf X als „technische Machtdemonstration ohne kommerziellen Wert – außer dass sie traditionelle Autobauer alt aussehen lässt“.
Valechha erinnerte daran, dass selbst Elon Musk den finanziellen Effekt des Roadsters früher relativiert hatte. „Der wirtschaftliche Wert dürfte eher darin liegen, Teslas Innovationsgeschichte zu stärken als nennenswerte Gewinne zu erwirtschaften.“
Musk kündigte an, die Produktion solle 2028 starten. Tesla nimmt bereits Reservierungen an, doch die fliegende Rocket-Version gibt es nur auf Einladung. Endgültige Verkaufspreise hat das Unternehmen noch nicht genannt.
Tesla hatte den Roadster 2017 erstmals gezeigt. Ein Jahr später deutete Musk an, dass Düsentriebwerke dem Wagen tatsächlich Auftrieb geben könnten. Seitdem verschiebt Tesla den Start immer wieder; ursprünglich war der Produktionsbeginn für 2020 versprochen. „Glaubwürdigkeits- und Umsetzungsrisiken bleiben hoch“, fasste Valechha zusammen.
Fliegende Autos: Haben sie eine Chance auf den Massenmarkt?
Die Flugfunktionen des Roadsters sind für den normalen Straßenverkehr nicht zugelassen. Das erschwert eine breite Einführung zusätzlich zu den hohen Produktionskosten.
Luman betonte, Tesla habe hier ein Nischen-Sportfahrzeug entworfen. „Fliegende Autos in größerem Stil bleiben auf absehbare Zeit unrealistisch, weil dieselben Luftraumregeln gelten wie für Flugzeuge und eine Zertifizierung als Luftfahrzeug durch die EASA in Europa nötig wäre.“
Ob der Roadster unter das Luftfahrtrecht fällt, hängt von Bauweise, Fähigkeiten und dem geplanten Betrieb ab, erklärte die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) gegenüber Euronews Business.
Die Behörde teilte mit, sie äußere sich nicht zu „konkreten Zertifizierungsanträgen oder Aktivitäten einzelner Hersteller“.
„Jedes Fahrzeug, das als Luftfahrzeug eingesetzt werden soll, muss jedoch die einschlägigen Sicherheitsanforderungen der Luftfahrt erfüllen“, so die EASA weiter. Dazu könnten auch Pilotenschulungen für die Fahrerin oder den Fahrer zählen.
Luman wies außerdem darauf hin, dass der Luftraum bereits jetzt stark ausgelastet ist, nicht zuletzt wegen der zunehmenden Zahl von Drohnen.
„Eine große Zahl unkontrollierter fliegender Autos werden die Behörden aus Sicherheitsgründen kaum zulassen.“
Auch Valechha sieht Grenzen für eine breite Nutzung der Technologie.
„Bestimmte Technologien könnten mit der Zeit in andere Fahrzeuge einfließen. Doch Flug- oder Düsenunterstützung wird sich bei Autos mit größeren Stückzahlen auf absehbare Zeit kaum rechnen – zu teuer, zu komplex und zu stark reguliert.“
Luman stimmte zu und ergänzte, einige Raumfahrttechnologien ließen sich durchaus in hochwertigen Fahrzeugen nutzen.
„Fliegende Autos könnten grundsätzlich eine günstigere Alternative zu Privatjets sein, aber nicht in dieser Ausgestaltung.“
Druck wächst: Aus Hightech sollen Gewinne werden
Wie viele große Tech-Konzerne wächst auch Tesla, steht aber unter Druck, teure Technologieprojekte schneller in höhere Gewinne zu verwandeln.
Der Konzern investiert massiv in neue Technik, doch das Gewinnwachstum hält mit dem Umsatz nicht Schritt.
Der Erlös im zweiten Quartal stieg im Jahresvergleich um 26 Prozent auf 28,24 Milliarden Dollar (25,20 Milliarden Euro). Der den Aktionärinnen und Aktionären zurechenbare Nettogewinn sank jedoch um rund fünf Prozent auf 1,11 Milliarden Dollar (990 Millionen Euro).
Die Investitionen in Sachanlagen haben sich im ersten Halbjahr auf 8,28 Milliarden Dollar (7,39 Milliarden Euro) mehr als verdoppelt. Für 2026 rechnet Tesla mit Investitionen von über 25 Milliarden Dollar (22,31 Milliarden Euro), getrieben durch KI- und Fertigungsprojekte.
Anlegerinnen und Anleger bewerten das Unternehmen inzwischen niedriger als zu Jahresbeginn, als Tesla-Aktien noch bei 438 Dollar notierten. Am Donnerstag lagen sie bei gut 362 Dollar – ein Rückgang von 14,6 Prozent im bisherigen Verlauf des Jahres 2026.
Weitere Analystinnen und Analysten verweisen darauf, dass sich Teslas Bewertung vor allem auf die Hoffnungen beim autonomen Fahren, den humanoiden Roboter Optimus und mögliche Fusionspläne mit SpaceX stützt.
Kommt der Zusammenschluss von SpaceX und Tesla?
Die im Roadster genutzte Technik aus dem Hause SpaceX schürt die Erwartung, dass beide Unternehmen eines Tages verschmelzen könnten.
Der Barclays-Analyst Dan Levy hält laut „Barron’s“ eine Ankündigung noch vor der nächsten Tesla-Hauptversammlung für möglich. Konkrete Pläne gibt es jedoch nicht; ein Deal bleibt Spekulation.
Vorerst dürfte der Roadster vor allem betuchte Technikfans ansprechen.
„Dieses futuristische Modell ist ideal für Fans und Gadget-Liebhaberinnen und -Liebhaber, die das nötige Geld haben. Und ich bin sicher, davon gibt es einige“, sagte Luman.