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Fed-Chef Warsh: KI treibt Produktivität, Signal zu Zinsanhebung fehlt

IWF-Chefin Kristalina Georgieva spricht mit US-Notenbankchef Kevin Warsh bei der Jahrestagung von IWF und Weltbankgruppe in Thailand, 16. Oktober 2026
IWF-Chefin Kristalina Georgiewa spricht mit US-Notenbankchef Kevin Warsh beim Jahrestreffen von IWF und Weltbankgruppe in Thailand, 16. Oktober 2026. -  Copyright  AP Photo/Dhitaraht Dhanarahtsombat
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Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Fed-Chef Kevin Warsh sagte am Freitag in Bangkok, die Weltwirtschaft wirke erstaunlich robust. KI sei die prägendste Veränderung seines Lebens; zu künftigen Zinsen schwieg er vor der Sitzung in diesem Monat.

Die Weltwirtschaft präsentiert sich robuster, als Kevin Warsh zu Jahresbeginn erwartet hätte. Das sagte der Chef der US-Notenbank am Freitag und bezeichnete Künstliche Intelligenz als den größten wirtschaftlichen Umbruch, den er erlebt habe.

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In Bangkok, bei den Jahrestagungen von IWF und Weltbank, ließ Warsh sich jedoch nicht in die Karten blicken: Zur nächsten Zinsentscheidung der Federal Reserve, die am 28. Oktober ansteht, gab er keinen Hinweis.

Fast überall zeige die Konjunktur eine Widerstandskraft, „die ich vor fünf oder sechs Monaten nicht unbedingt erwartet hätte“, sagte Warsh in einer Diskussion auf der Bühne mit IWF-Chefin Kristalina Georgiewa.

Am zuversichtlichsten äußerte sich der Fed-Chef zur US-Wirtschaft. Eine immer breiter angelegte Investitionswelle, die „nicht nur KI“ betreffe, verschaffe ihr „kräftigen Rückenwind“ und ein Momentum, „das es gewiss nicht überall auf der Welt gibt“.

Die Energiepreise sind deutlich gestiegen, seit die USA und Israel Ende Februar in den Krieg mit Iran eingetreten sind. Zusammen mit dem Investitionsboom rund um KI heizt das in vielen Volkswirtschaften die Inflation an und zwingt die Zentralbanken zu Zinserhöhungen.

Die Fed, die seit mehr als fünf Jahren eine Inflationsrate über ihrem Ziel von zwei Prozent verzeichnet, hob den Leitzins im September um einen Viertelpunkt auf 3,75 bis 4 % an – die erste Anhebung seit Juli 2023.

„Wir haben bei der Federal Reserve sehr klar gemacht, dass wir Preisstabilität liefern werden“, betonte Warsh, der den Vorsitz im Mai übernommen hat.

Der Vorsitzende der US-Notenbank, Kevin Warsh, spricht während der Jahrestagungen von IWF und Weltbankgruppe in Bangkok, Thailand, 16. Oktober 2026
Der Vorsitzende der US-Notenbank, Kevin Warsh, spricht während der Jahrestagungen von IWF und Weltbankgruppe in Bangkok, Thailand, 16. Oktober 2026 AP Photo/Dhitaraht Dhanarahtsombat

Er habe in Bangkok dieselbe „Entschlossenheit“ bei den Zentralbankern gespürt, sagte Warsh. Die weltweite Welle von Zinserhöhungen, darunter zwei Schritte der Europäischen Zentralbank, sei eine „synchronisierte Straffung“, die „keine Trittbrettfahrer“ zulasse.

Der IWF hob am Dienstag seine Prognose für das weltweite Wachstum 2026 leicht auf 3,1 % an, warnte jedoch, die Risiken gingen überwiegend nach unten. Zugleich sehen sich Industrieländer mit deutlich höheren Finanzierungskosten konfrontiert: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt über 5 %, die französischer Titel bei rund 4,8 %.

KI-Boom: holpriger Weg voraus

Ein großer Teil der Diskussion am Freitag drehte sich um KI. Warsh nannte sie „wahrscheinlich die folgenreichste Veränderung“ für die US- und die Weltwirtschaft in seinem bisherigen Leben.

Schon vor seinem Amtsantritt hatte er argumentiert, ein von KI getriebener Produktivitätsschub könne die Inflation dämpfen und Spielraum für niedrigere Zinsen schaffen. Am Freitag räumte er ein, dass der aktuelle Investitionsrausch die Preise zunächst nach oben treibt, weil er die Nachfrage anheizt.

Aus dem Protokoll der Fed-Sitzung im September geht hervor, dass der Bau neuer Rechenzentren die Kosten für Chips, Computertechnik und elektrotechnische Komponenten in die Höhe getrieben hat.

Auf längere Sicht erwartet Warsh jedoch, dass KI die Produktionskapazität der Volkswirtschaft deutlich erhöht und damit im In- und Ausland einen „riesigen Nutzen“ bringt.

Er rechnet außerdem damit, dass KI die Arbeit der Zentralbanken verändert. „Wir quälen Daten heute noch mit altmodischen Modellen“, sagte er. „In gar nicht allzu ferner Zukunft wird diese Quälerei vorbei sein.“

Trotz aller Zuversicht warnte der Fed-Chef jedoch vor einem „sehr holprigen Weg“ – sowohl beim Verständnis der Technologie als auch, weil „wir wirklich nicht wissen, wie die künftige Marktstruktur aussehen wird“.

Blick auf nächste Fed-Sitzung

Warsh, der weniger Vorabhinweise auf den Kurs der Geldpolitik versprochen hat, hielt sich daran.

„Ich lege mich vor Sitzungen nicht fest“, sagte er, merkte aber an, die Welt habe sich seit September „im Großen und Ganzen“ im Rahmen der Fed-Erwartungen entwickelt.

Die US-Verbraucherpreisinflation stieg im September auf 3,7 % nach 3,4 %, getrieben von höheren Benzinpreisen. Die Kerninflation ohne Lebensmittel und Energie lag bei 2,6 %.

Die Großhandelspreise legten im Jahresvergleich um 6,3 % zu, so stark wie seit 2022 nicht mehr, während die Wirtschaft im vergangenen Monat nur 29.000 neue Jobs schuf.

Die Wetten auf eine Zinserhöhung im Oktober schwankten in dieser Woche stark. Nach den Inflationsdaten vom Mittwoch sprang die Wahrscheinlichkeit laut dem Markttool CME FedWatch zunächst von rund 22 auf etwa 50 %, bevor sie wieder auf ungefähr 30 % zurückfiel.

Für Dezember preisen die Märkte derzeit eine Anhebungschance von rund 90 % ein, und das September-Protokoll zeigt, dass die meisten Fed-Vertreter mit einem weiteren Zinsschritt in diesem Jahr rechnen.

John Williams, Präsident der New Yorker Fed und Vizechef des Fed-Ausschusses, sagte am Dienstag dem Sender Bloomberg, „es könnte angemessen sein, noch eine Zinserhöhung vorzunehmen“, sah aber keinen Bedarf für weitere Schritte im Jahr 2027.

Fed-Gouverneurin Michelle Bowman erklärte dagegen am Mittwoch bei den Treffen in Bangkok, sie verspüre keinen Handlungsdruck.

Die Entscheidung fällt nur wenige Tage vor den US-Zwischenwahlen am 3. November.

Die Zinserhöhung im September widersprach den Forderungen von US-Präsident Donald Trump nach niedrigeren Zinsen, doch Trump unterstützt Warsh, seinen Wunschkandidaten für den Posten, weiterhin.

Die Äußerungen vom Freitag gehören zu Warshs letzten Kommentaren vor der Stillhaltephase der Fed, die am Samstag beginnt und den Verantwortlichen öffentliche Aussagen zur Geldpolitik bis nach der Sitzung untersagt. Anleger werden ihn erst bei seiner Pressekonferenz nach der Entscheidung wieder hören.

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