Die Rendite der französischen Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit stieg am Mittwoch über fünf Prozent, weil Anleger für französische Schulden höhere Zinsen verlangen.
Die Renditen französischer Staatsanleihen steigen seit Wochen. Im Parlament ringen die Abgeordneten um den Haushalt für 2027, der Ausgabenkürzungen in Höhe von mehreren Milliarden Euro vorsieht. Damit will die Regierung den Schuldenberg abbauen, der inzwischen rund 120 % der Wirtschaftsleistung erreicht – einer der höchsten Werte im Euroraum und deutlich über der EU-Grenze von 60 %.
Die OAT-Benchmarkanleihe des französischen Schatzamts dient zudem als Referenz für Zinsen in großen Teilen der Wirtschaft. Steigende Renditen schlagen deshalb nach und nach auf die Finanzierungskosten von Unternehmen und privaten Haushalten durch.
Ein vergleichbares Niveau gab es zuletzt in der Zeit der Dotcom-Blase.
Der Renditeabstand zwischen der zehnjährigen französischen Anleihe und der zehnjährigen Bundesanleihe, die als europäische Referenz für Kreditwürdigkeit gilt, kletterte ebenfalls und näherte sich 160 Basispunkten.
Der Ausverkauf am Anleihemarkt erhöht den Druck auf die Regierung. Am Freitag will die Ratingagentur Moody’s über die Bonitätsnote Frankreichs entscheiden. Viele Ökonominnen und Ökonomen rechnen mit einer Herabstufung, die die Refinanzierung des Staates automatisch verteuern würde.
Premierminister Sébastien Lecornu versucht dennoch, den Haushalt für 2027 durchs Parlament zu bringen. Seine Regierung verfügt jedoch über keine feste Mehrheit für die von ihm geplanten Einsparungen von 43 Milliarden Euro, umgerechnet rund 48 Milliarden Dollar.
Selbst wenn das Budget gebilligt wird, sinkt das Defizit Frankreichs im kommenden Jahr nur auf etwa 5 % des Bruttoinlandsprodukts – und liegt damit weiter klar über der für EU-Staaten geltenden Marke von 3 %.
Unterdessen kam es am Wochenende zu Protesten, bei denen Demonstrierende unter anderem mehr Geld für Schulen und andere öffentliche Dienste forderten. Die Kundgebungen eskalierten und führten zu den heftigsten Straßenausschreitungen seit Jahren.