Der japanische Anbieter GMO Internet ersetzt Kunden Verluste aus unautorisiertem Handel nach einem Cyberangriff auf seinen Cloud-Dienst und zahlt 5.000 Yen (28 €) Kulanz je Nutzer.
Nach einem Cyberangriff auf seinen Cloud-Dienst entschädigt ein japanischer Anbieter von Internetinfrastruktur Kunden, die von unautorisierten Transaktionen betroffen sind.
GMO Internet teilte am Samstag mit, dass das Unternehmen Verluste durch unautorisierte Geschäfte im Zusammenhang mit dem Angriff übernimmt. Zusätzlich erhalten alle Nutzer des betroffenen Dienstes eine Entschädigungszahlung von 5.000 Yen (28 Euro), unabhängig davon, ob sie finanzielle Schäden erlitten haben.
Der Angriff richtete sich gegen Onamae.com Desktop Cloud, einen virtuellen Private-Server-Dienst, über den Kunden entfernte Desktop-Umgebungen nutzen. GMO erklärte, dass Kundendaten abgeflossen sind und einige Nutzer Transaktionen in ihren Handelskonten meldeten, die sie nicht zuordnen konnten.
Nach Angaben des Gründers und Vorstandschefs Masatoshi Kumagai sind potenziell 26.739 Server betroffen. Es kam zu unautorisierten Vorgängen in Handelskonten bei mehr als 70 Wertpapier- und Devisenhäusern in Japan und im Ausland.
Die Aktie von GMO fiel am Montag um fast 16 Prozent auf den niedrigsten Stand seit vier Monaten. Am Freitagsschluss lag die Marktkapitalisierung des Unternehmens bei rund 2,6 Milliarden Dollar.
Das Unternehmen nahm die Ermittlungen am 19. Oktober auf, nachdem ein Kunde sich gemeldet hatte. Am 20. Oktober bestätigte GMO, dass auf einigen Serverumgebungen der Kunden ein Schadprogramm installiert worden war. Der Konzern stoppte neue Anträge und sperrte den Zugang zum Kontrollpanel des Dienstes. Am folgenden Tag begann GMO, alle Server herunterzufahren, um weitere Schäden zu verhindern.
In einem Blogeintrag am Sonntag entschuldigte sich Kumagai für die Reaktion des Unternehmens. Er räumte ein, dass Sicherheitsspezialisten des Konzerns bereits vor dem Vorfall Sicherheitsprobleme identifiziert hatten, die ergriffenen Maßnahmen aber nicht ausreichten.
GMO erklärte, es habe eine Lösegeldforderung von einer mutmaßlich für den Angriff verantwortlichen Gruppe erhalten. In einer Aktualisierung seines Blogbeitrags am Montag schrieb Kumagai, die Angreifer hätten 50 Millionen Dollar in Kryptowährung verlangt und gedroht, Unternehmens- und Kundendaten offenzulegen. GMO verweigert die Zahlung und arbeitet mit der Polizei und anderen Behörden zusammen.
Kunden, die weiterhin eine Windows-Desktop-Umgebung nutzen möchten, bietet GMO einen alternativen Dienst auf einer unabhängigen Cloud-Infrastruktur an, für sechs Monate kostenlos. Zudem will das Unternehmen seine Sicherheitsarchitektur grundlegend überarbeiten und die Ursache des Vorfalls gemeinsam mit externen Experten untersuchen.
Kumagai fordert die japanische Regierung auf, ihre aktiven Cyberabwehrmaßnahmen zu stärken. Private Unternehmen könnten hochkomplexe, grenzüberschreitende Cyberangriffe allein nicht bewältigen, argumentiert er.
GMO hat die Behörden gebeten, das bestehende Rahmenwerk auf den Vorfall anzuwenden und angeboten, Beweismaterial und technische Informationen mit den Ermittlern zu teilen.
Der Angriff erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Sorgen um die Cybersicherheit, nachdem in der vergangenen Woche zwei schwerwiegende Sicherheitslücken in PHP öffentlich gemacht wurden, einer weit verbreiteten Programmiersprache für Websites und Anwendungen.
Sicherheitsbehörden warnen, dass die Schwachstellen es Angreifern ermöglichen könnten, Schadcode auf verwundbaren Servern auszuführen. Weltweit spielten Unternehmen daraufhin Sicherheitsupdates ein oder nahmen Dienste vorübergehend vom Netz.
GMO hat bislang jedoch keinen Zusammenhang zwischen den PHP-Schwachstellen und dem Angriff auf seinen Cloud-Dienst bestätigt.
Unabhängig davon führte ein Ausfall von Google Cloud im Vereinigten Königreich in der vergangenen Woche zu Störungen zahlreicher Online-Dienste, unter anderem bei der Finanztechnologieplattform Revolut. Der Vorfall verdeutlicht, welche Kettenreaktionen ein Versagen digitaler Infrastruktur auslösen kann.