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Japan: Takaichi und Merz stärken Wirtschafts- und Technologiekooperation

Friedrich Merz (l.) und Sanae Takaichi bei einer Pressekonferenz in Tokio am 28. Oktober 2026.
Friedrich Merz (l.) und Sanae Takaichi bei einer Pressekonferenz in Tokio am 28. Oktober 2026. -  Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner & Kirsten Ripper mit AP, Wirtschaftswoche
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Bundeskanzler Friedrich Merz und Japans Ministerpräsidentin Sanae Takaichi haben bei ihrem Treffen in Tokio am Mittwoch vereinbart, die Kooperation in den Bereichen wirtschaftliche Sicherheit und Spitzentechnologie zu vertiefen. Es ist Merz’ erster Japanbesuch seit seinem Amtsantritt im Mai 2025.

Es ist ein Treffen der Spitzenvertreter der weiterhin drittgrößten und der viertgrößten Volkswirtschaften der Welt: Bei seinem ersten Japanbesuch als Bundeskanzler hat Friedrich Merz die japanische Ministerpräsidentin Sanae Takaichi getroffen.

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Angesichts des rasanten technologischen Fortschritts und der wachsenden Sorge vor wirtschaftlichem Zwang, der die globale Sicherheit und den Wohlstand zunehmend beeinflusst, veröffentlichten Takaichi und Merz gemeinsame Erklärungen zur wirtschaftlichen Sicherheit und zu Zukunftstechnologien. Diese sollen die weitere Zusammenarbeit beider Länder in diesen Bereichen stärken und ausrichten.

Seitenhiebe auf China und die USA

Obwohl China und die USA weder in der gemeinsamen Erklärung noch in weiteren Stellungnahmen ausdrücklich erwähnt wurden, schien die Botschaft indirekte Kritik an beiden Ländern zu enthalten. Sowohl Peking als auch Washington haben ihre Wirtschaftspolitik wiederholt als Druckmittel gegenüber Partnern und Rivalen eingesetzt.

"Beide Staats- und Regierungschefs äußerten ihre tiefe Besorgnis über den zunehmenden Einsatz wirtschaftlichen Zwangs, etwa durch willkürliche Exportbeschränkungen und Vergeltungsmaßnahmen bei kritischen Rohstoffen. Zudem lehnten sie marktferne Maßnahmen und Praktiken ab, die zu Überkapazitäten und Marktverzerrungen führen und dadurch unsere wirtschaftliche Sicherheit und Widerstandsfähigkeit untergraben", heißt es in ihrer gemeinsamen Erklärung.

Um wirtschaftliche Abhängigkeiten nicht als Druckmittel missbrauchen zu lassen, wollen Japan und Deutschland ihre Zusammenarbeit bei der Beobachtung und Bewertung von Lieferketten intensivieren. Darüber hinaus prüfen sie eine engere Kooperation in Schlüsselbranchen wie bei kritischen Rohstoffen, Halbleitern, Batterien, Elektroautos, industrieller KI, Robotik, Arzneimitteln und Windenergie.

Bei kritischen Rohstoffen begrüßten Merz und Takaichi die Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung. Zugleich kündigten sie an, die Versorgung breiter aufzustellen und die Austauschbarkeit Seltener Erden in den Automobilindustrien beider Länder zu verbessern.

Japan sieht sich mit Lieferengpässen bei Seltenen Erden konfrontiert, nachdem China die Ausfuhr mehrerer wichtiger Rohstoffe eingeschränkt hatte. Vorausgegangen waren Äußerungen der japanischen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi im Parlament im November. Sie hatte erklärt, Japan könne im Falle einer Krise um Taiwan militärisch eingreifen. Peking betrachtet die demokratisch regierte Insel als Teil des eigenen Staatsgebiets.

Zudem verständigten sich Takaichi und Bundeskanzler Friedrich Merz darauf, einen hochrangigen Dialog zu Fragen der künstlichen Intelligenz einzurichten und beim Schutz vor Cyberangriffen enger zusammenzuarbeiten. Für die japanische Regierung gewinnen beide Bereiche an Bedeutung, da KI-gestützte Cyberkriminalität im Land stark zunimmt.

In der gemeinsamen Erklärung zeigten sich Merz und Takaichi besorgt über die Lage im Ost- und Südchinesischen Meer. Sie lehnten einseitige Versuche ab, bestehende Verhältnisse durch Gewalt oder Zwang zu verändern – unabhängig davon, wo auf der Welt sie stattfinden. Zudem unterstrichen sie die Bedeutung von Frieden und Stabilität in der Taiwanstraße und sprachen sich für eine friedliche Lösung der Konflikte zwischen China und Taiwan aus.

Die gemeinsamen Ziele von Japan und Deutschland

Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen wollen Deutschland und Japan ihre Zusammenarbeit mit Verbündeten und gleichgesinnten Staaten intensivieren. Dabei bekräftigten beide Seiten ihr Bekenntnis zu Freiheit, Demokratie, fairem Handel, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten.

Auch die militärische Kooperation im Indopazifik soll weiter ausgebaut werden. Ein Beispiel dafür ist die erstmalige Teilnahme deutscher Streitkräfte am japanisch-amerikanischen Militärmanöver „Keen Sword“ in diesem Jahr. Die bis Donnerstag laufenden Übungen finden an mehreren Standorten in Japan statt, insbesondere im See- und Luftraum rund um Okinawa. Dort hat China seine militärischen Aktivitäten in den vergangenen Jahren verstärkt.

Bei seinem Treffen mit Takaichi brachte Merz außerdem eine mögliche deutsche Beteiligung am Global Combat Air Programme (GCAP) ins Spiel. Japan, Großbritannien und Italien entwickeln im Rahmen des Projekts gemeinsam ein Kampfflugzeug der nächsten Generation. Deutschland soll Berichten zufolge Interesse an einem Beitritt haben, nachdem das deutsch-französische Kampfjetprojekt im Juni gescheitert war. Ob Tokio für eine Erweiterung offen ist, bleibt jedoch unklar. Das GCAP steht bereits vor erheblichen Herausforderungen. Kanada war im Juli zunächst als Beobachter hinzugekommen – die erste Erweiterung des Projekts über die drei Gründungsstaaten hinaus.

Bei einem Wirtschaftsforum in Tokio hat sich Bundeskanzler Merz indes am Mittwochvormittag für die Bildung einer neuen politischen Allianz zur Stärkung eines regelbasierten Welthandels ausgesprochen. Das Bündnis solle den auf internationalen Vereinbarungen beruhenden Handel verteidigen und weiterentwickeln. Zugleich könne es "politische Impulse setzen und auch gemeinsam reagieren, wenn die regelbasierte Ordnung in Gefahr gerät".

Deutschland will bis 2029 zwei Milliarden Euro in künstliche Intelligenz und Hightech investieren. Japan plant bis 2040 an die 18 Milliarden Euro privater Investitionen in diesen Bereichen.

Diversifizierung der Partner noch am Anfang in Deutschland

In Japan besuchte Merz zudem das Start-up Kyoto Fusioneering. Es gilt als Vorzeige Projekt der deutsch-japanischen Hightech-Partnerschaft dank der Kooperation mit Siemens Energy. Das Ziel der Zusammenarbeit ist es, Strom aus Kernfusion zu gewinnen.

Die japanische Regierung fördert die strategisch wichtige Halbleiterindustrie mit umfangreichen staatlichen Subventionen. Zudem setzt Japan auf die staatliche Organisation JOGMEC, die Unternehmen bei der Erschließung kritischer Rohstoffe unterstützt und zur Sicherung der Versorgung mit Metallen und Seltenen Erden beiträgt, wie die WirtschaftsWoche berichtet.

Deutschland orientiert sich an die EU-Vorgaben, wonach bis 2030 nicht mehr als 65 Prozent der kritischen Rohstoffe aus China kommen sollten. Aber die Diversifizierung der Partner - also die Verringerung der Abhängigkeiten von Peking -, die das erklärte Ziel der Asien-Reise des Kanzlers ist, steckt noch in den Kinderschuhen.

Am Donnerstag steht zum Abschluss der Asienreise des Kanzlers Südkorea auf dem Programm. Bei seinem Treffen in Seoul sollen neben den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen auch Sicherheitsfragen und die Zusammenarbeit bei Zukunftstechnologien wie künstlicher Intelligenz zur Sprache kommen.

Die Gesellschaft: Japan versus Deutschland

Während etwa 55 Prozent der 65- bis 69-jährigen Japaner arbeiten, sind es in Deutschland derzeit nur 23 Prozent.

In Japan sind mit 75,9 Prozent laut OECD zwar etwa gleich viele Frauen berufstätig wie in Deutschland mit 74,2 Prozent, aber die Geburtenrate liegt mit 1,14 Kindern pro Frau in Japan noch niedriger als in Deutschland mit zuletzt 1,38 Kindern.

Während 1980 nur rund 4,5 Prozent der Frauen im Alter von 50 Jahren nie verheiratet waren, lag ihr Anteil 2020 bereits bei 17,8 Prozent. Auch unter jüngeren Frauen wächst die Zurückhaltung: Laut einer 2026 veröffentlichten Umfrage wollten 21,5 Prozent der unverheirateten Frauen zwischen 18 und 34 Jahren niemals heiraten. Als Gründe gelten unter anderem der Wunsch nach persönlicher Freiheit, mehr Zeit für eigene Interessen und finanzielle Unabhängigkeit.

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