Die Niederlande haben Feuerwerk für Privatpersonen Anfang des Jahres aus Sicherheits- und Umweltschutzgründen verboten.
Die Schweizerinnen und Schweizer stehen vor einer umstrittenen Abstimmung: Sollen laute Feuerwerkskörper verboten werden?
Angetrieben wird das Anliegen von Tierschutz- und Umweltverbänden. Die von Bürgerinnen und Bürgern eingereichte Volksinitiative kommt am 29. November an die Urne.
„Für Heimtiere, Wildtiere und Nutztiere sind Feuerwerke kein Fest, sondern purer Stress“, sagt die Organisation Schweizer Tierschutz STS (Swiss Animal Protection), die die Initiative unterstützt.
Der Vorstoß fordert außerdem besseren Schutz für Menschen und Natur vor Lärm, Luftverschmutzung, Müll, Unfällen und Bränden durch Feuerwerk.
Eine erste Umfrage der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG), veröffentlicht am Freitag, 23. Oktober, zeigt Rückenwind für das Verbot: 69 Prozent der Befragten unterstützen es.
Am größten ist die Zustimmung bei linken Wählerinnen und Wählern. Doch eine Mehrheit zieht sich durch das gesamte politische Spektrum – besonders hoch ist sie bei Frauen.
Abstimmungen dieser Art sind in der Schweiz üblich. Jede Bürgerin, jeder Bürger oder eine Gruppe kann eine Volksinitiative starten, wenn 100.000 gültige Unterschriften zusammenkommen. Zuletzt scheiterte im September etwa die Neutralitätsinitiative, eine weitere Initiative zur nuklearen Abrüstung steht noch aus.
Kommt in der Schweiz ein komplettes Feuerwerksverbot?
Die Initiative will „besonders laute und störende Feuerwerkskörper“ im privaten Bereich stark einschränken, indem der Verkauf von Krachern und anderen lauten Pyrotechnika untersagt wird. Leisere Alternativen wie Wunderkerzen oder sogenannte Vulkan-Feuerwerke sollen weiter erlaubt bleiben.
Die Kantone könnten Ausnahmen für Anlässe von „überregionaler Bedeutung“ gewähren, etwa für den 1. August, den Schweizer Nationalfeiertag, oder für Silvester. Auch dort soll jedoch möglichst auf leisere Effekte gesetzt werden.
Schon heute dürfen Kantone und Gemeinden Verkauf und Einsatz von Feuerwerk lokal einschränken oder verbieten. Alterslimiten und Bewilligungspflichten regeln zusätzlich den Umgang damit.
Nach Einschätzung des STS würde die Initiative „Für eine Einschränkung von Feuerwerk“ erstmals eine einheitliche Regelung für das ganze Land schaffen.
Der Branchenverband Swiss Fireworks Coordination Office (SFK) hält den Vorstoß hingegen für eine „Gefahr für die Schweizer Tradition“. Einige Politikerinnen und Politiker warnen zudem, das Verbot greife in die persönliche Freiheit der Bürgerinnen und Bürger ein und die Regelung solle deshalb bei den Kantonen bleiben.
Die Schweizerische Volkspartei, die Mitte-Partei und der Gewerbeverband haben eine Kampagne gegen die Vorlage gestartet. Sie warnen vor Folgen für Unternehmerinnen und Unternehmer und davor, dass eine „Verbotskultur“ entstehen könnte.
Seit der Einreichung im Jahr 2023 hat das Begehren über 137.000 Unterschriften gesammelt. Eine gescheiterte Gegenvorlage im Sommer öffnet nun den Weg zur Volksabstimmung.
Bei einem Ja könnte die Schweiz dem Beispiel der Niederlande folgen, wo in diesem Sommer ein weitgehendes Feuerwerksverbot in Kraft getreten ist – vor allem aus Sicherheitsgründen, aber auch mit Blick auf Tierwohl und Umwelt. Viele europäische Länder haben eigene Regeln. In Belgien dürfen etwa große, besonders starke Feuerwerkskörper nur von Profis gezündet werden.
Wie stark belastet Feuerwerk die Umwelt?
Beim Explodieren setzen Feuerwerkskörper feine Staubpartikel frei. Diese enthalten giftige Metalle aus dem Schwarzpulver und den Farbzusätzen.
Nach Angaben des Bundesamtes für Polizei werden in der Schweiz jedes Jahr zwischen 1.000 und 2.000 Tonnen Feuerwerk abgebrannt, davon machen drei Viertel die Verpackungen aus. Daraus entstehen jährlich 200 bis 400 Tonnen Feinstaub.
Das entspricht laut Bundesamt für Umwelt (BAFU) zwei bis drei Prozent der jährlichen Feinstaub-Emissionen des Landes.
Die Partikel belasten nicht nur Luft, Wasser und Böden. Sie können auch eingeatmet werden und die Gesundheit schädigen – vor allem bei Menschen mit Vorerkrankungen.
Ungünstige Wetterlagen verstärken die Risiken. Nebel hält Partikel länger in der Luft, Hitze und Trockenheit erhöhen die Gefahr von Wald- und Flächenbränden.
Das BAFU ruft zu einem sorgfältigen Umgang mit Resten von Feuerwerk auf. Abgekühlte Raketen und Batterien gehören in den normalen Hausmüll, Verpackungen sollten wie üblich getrennt gesammelt und recycelt werden.
Feuerwerk löst „Angst, Panik und Orientierungslosigkeit“ aus
Tierschutzorganisationen sprechen sich lautstark für ein Feuerwerksverbot aus.
„Der plötzliche Lärm löst bei Tieren Angst, Panik und Orientierungslosigkeit aus“, erklärt der STS. „Die Folgen reichen von Fluchtverhalten und akutem Stress bis zu Verletzungen oder sogar Tod. Tiere vor unnötigem Lärm zu schützen, ist deshalb ein Kernanliegen des Tierschutzes.“
In einem Kampagnenvideo zur Initiative erklärt die Schweizer Tierärztin Maruschka Blaser, dass Tiere hohe Töne und laute Knalle viel stärker wahrnehmen als Menschen. Am Beispiel von Pferden sagt sie: „Es wird sehr schnell gefährlich, wenn sie wegen Feuerwerk unkontrolliert losrennen“ – für Menschen in der Menge ebenso wie für andere Tiere auf Feldern.
„Bei Haustieren wie Katzen und Hunden muss man mitunter schon Tage vor einem Feuerwerk beruhigende Medikamente geben“, sagt Blaser. „Ich kenne auch Familien, die die Nacht mit ihren Tieren im Luftschutzkeller verbringen. Aber eine wirkliche Lösung ist das auch nicht.“
„In der Schweiz leben Millionen Haustiere. Bei vielen von ihnen lösen Feuerwerke Stress oder Panik aus“, sagt Casimir von Arx, Präsident der Berner Sektion des Schweizer Tierschutz STS (Swiss Animal Protection SAP), in einem Kampagnenvideo. „Wir können sie nur schützen, wenn wir als Gesellschaft mehr Rücksicht aufeinander nehmen.“