An den Börsen führen nun ausgerechnet die Märkte die Tabelle 2026 an, denen der Iran-Krieg am meisten schaden sollte. Seit der Hormus-Panik im März erleben sie eine der kräftigsten Erholungsrallys seit Jahren.
Die Börsengeschichte des Jahres 2026 spielt sich in drei Akten ab, und jeder fällt spektakulärer aus als der vorherige.
Von Januar bis Ende Februar trieben Erwartungen auf Zinssenkungen der Notenbanken und ein Speicherchip-Superzyklus die Aktienmärkte weltweit nach oben. Die Leitindizes in Südkorea und Taiwan kletterten auf Rekordstände.
Am 28. Februar begann der zweite Akt: Gemeinsame US-israelische Luftangriffe lösten aus, was heute als Iran-Krieg gilt.
Der dritte Akt, in dem wir gerade leben, setzte Anfang April ein. Ein von Pakistan vermittelter Waffenstillstandsvorschlag holte die Märkte von der Matte.
Dazwischen war der Schaden enorm. Der Brent-Ölpreis schoss nach der Schließung der Straße von Hormus am vierten März über 120 Dollar je Barrel.
Der südkoreanische Leitindex KOSPI, der in den zwei Monaten zuvor um mehr als 50 Prozent zugelegt hatte, brach im März um 19 Prozent ein – der stärkste Monatsrückgang seit Oktober 2008.
Der S&P 500 näherte sich bis auf wenige Punkte einer technischen Korrektur. In Europa gaben die Indizes deutlich nach, Ökonomen warnten vor zunehmenden Stagflationsrisiken.
Dann drehte der Markt.
Am 31. März legten Pakistan und China eine fünf-Punkte-Friedensinitiative vor, die ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen fordert.
Am Morgen danach schrieb Donald Trump auf Truth Social, Iran habe einen Waffenstillstand beantragt – unter der Bedingung, dass die Meerenge wieder geöffnet werde. Am siebten April verkündete er offiziell einen zweiwöchigen Waffenstillstand mit Teheran.
Seitdem sind die Ölpreise um fast 25 Prozent gefallen. Aktienmärkte rund um den Globus erlebten eine Erholungsrally, die schon jetzt als historisch gilt.
So schlagen sich die wichtigsten Aktienmärkte 2026
Die folgende Übersicht zeigt die bislang stärksten Leitindizes großer Volkswirtschaften bis einschließlich 21. April 2026, basierend auf dem Screener „Major World Indices“ von Investing.com.
Warum Südkorea weiter vorn liegt
Südkorea führt diese Rangliste mit einem Vorsprung an, der im Vergleich zu anderen Märkten fast unrealistisch wirkt. Der KOSPI liegt seit Jahresbeginn 51,59 Prozent im Plus – rund das Dreizehnfache der S&P-500-Rendite und fast doppelt so viel wie die inflationsgetriebene Rally in der Türkei.
Zum Vergleich: Der US-Leitindex S&P 500 kommt im selben Zeitraum nur auf ein Plus von 3,85 Prozent. Der technologielastige Nasdaq steht bei fünf Prozent, der gesamteuropäische Euro Stoxx 50 bei 3,40 Prozent.
Die Widerstandskraft des KOSPI lässt sich auf wenige Namen zurückführen.
Samsung Electronics Co., Ltd. und SK Hynix Inc. vereinen zusammen rund 41 Prozent der gesamten KOSPI-Marktkapitalisierung auf sich, beide Aktien liegen seit Jahresbeginn jeweils nahe 80 Prozent im Plus.
Treiber ist der Superzyklus bei Speicherchips. Samsungs vorläufiger operativer Gewinn für das erste Quartal 2026 lag mit 57 Billionen Won auf Rekordniveau, 185 Prozent mehr als im Vorquartal – getrieben von Preisen für KI-bezogenen DRAM und High-Bandwidth-Memory.
SK Hynix hat mit Cloud-Betreibern und GPU-Kunden langfristige Lieferverträge abgeschlossen, die Analysten als strukturelle Verlängerung des Chipmangels werten.
Diese Konzentration wirkt in beide Richtungen: Sie erklärt, warum Südkorea vor Kriegsbeginn die Weltspitze anführte, warum der Markt während des Konflikts am stärksten einbrach – und warum die Gegenbewegung nun so heftig ausfällt.
Analysten von Goldman Sachs hatten die Chance früh ausgemacht. In einer Studie vom sechsten März – auf dem Tiefpunkt der koreanischen Korrektur – bezeichneten sie den Ausverkauf als „Korrektur, auf die nach einer Phase der Konsolidierung voraussichtlich eine Erholung auf neue Höchststände folgen wird“.
Diese Einschätzung wirkt im Rückblick bemerkenswert treffsicher.
Wie sich Länder-ETFs behaupten
Ganz anders sieht das Ranking aus, wenn man den Start des Krieges als Ausgangspunkt nimmt.
Nach Daten von CountryETFTracker sind dies die zehn besten Länder-ETFs seit dem Schlusskurs vom 27. Februar 2026 – der letzten Börsensitzung vor den US-israelischen Angriffen auf Iran.
Bemerkenswert: Der iShares MSCI South Korea ETF (EWY) steht seit Kriegsbeginn per Saldo bei null. Der frühere Überflieger hat in Dollar-ETF-Rechnung die gesamte Erholung nach der Hormus-Schließung wieder abgegeben und damit den Einbruch im März vollständig kompensiert.
Die Spitzenreiter in dieser Betrachtung lassen sich grob in drei Gruppen einteilen: ölabhängige Gewinner (Saudi-Arabien, Norwegen, Brasilien, Kolumbien), Technologiestandorte, die den Sturm gut überstanden haben (Taiwan), und hoch volatile Schwellenländer (Argentinien, Türkei, Polen).
Gewinner des Hormus-Waffenstillstands
Die dritte Kennzahl setzt am Tiefpunkt kurz vor dem Waffenstillstand an. Vom Schlusskurs am 30. März aus betrachtet wirkt die Erholung noch spektakulärer.
CountryETFTracker weist seit diesem Datum folgende Länder-ETFs als Top-Performer aus.
Südkorea liegt hier auf Platz eins, Taiwan auf Platz zwei. Beide sind asiatische Fertigungszentren, die ihre starke Abhängigkeit von Rohöl aus dem Nahen Osten teuer bezahlt hatten.
Griechenland auf Rang drei sendet ein leiseres Signal. Der Athener Markt verfügt über keinen Halbleiterhebel wie Korea, sein bankenlastiger Leitindex legte aber nach dem Waffenstillstand kräftig zu – gestützt durch fallende Ölpreise und die Aussicht, dass die EZB den durch den Krieg erzwungenen Zinserhöhungszyklus womöglich doch vermeiden kann.
Polen, die Niederlande, Schweden und Österreich erzählen dieselbe Geschichte – jeweils mit eigenen Nuancen.
Was die drei Rankings verraten
Die Rangliste für 2026 misst drei Dinge zugleich: Wer mit der größten Stärke ins Jahr gestartet ist, wer im Schock am wenigsten zu verlieren hatte und wer anschließend am meisten zurückgewinnen konnte.
Südkorea ist der einzige Markt, der in zwei dieser drei Kategorien an der Spitze steht – und damit bislang die wichtigste Aktiengeschichte des Jahres 2026.
Der Haken: Trumps zweiwöchiger Waffenstillstand läuft aus.
Das Abkommen endet in dieser Woche. In Islamabad wird verhandelt, ob es verlängert wird oder zerbricht. Bis Montag war die Meerenge noch nicht vollständig geöffnet, beide Seiten warfen einander bereits Verstöße vor.
Südkorea dominiert das Börsenjahr 2026. Doch die kommenden zwei Wochen entscheiden, ob der April als Startplattform in neue Höhen oder als vorläufiger Gipfel in die Statistik eingeht.