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UN warnt: schwächeres Weltwachstum wegen Nahostkrise

ARCHIV: Das von Südkorea betriebene Schiff HMM NAMU legt nach einem Brand in der Straße von Hormus in einem Hafen von Dubai an. Aufnahme vom achten Mai 2026.
Archivfoto: Das von Südkorea betriebene Schiff HMM NAMU liegt nach einem Brand in der Straße von Hormus im Hafen von Dubai, Vereinigte Arabische Emirate, am achten Mai 2026. Copyright  AP Photo
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Von Una Hajdari mit AP
Zuerst veröffentlicht am
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Der Konflikt im Nahen Osten treibt die Energiepreise hoch und verdunkelt die Aussichten. Die UNO warnt: Die Weltwirtschaft steht vor einem der schwächsten Jahre seit der Finanzkrise zweitausendacht; Europa trifft es besonders hart.

Die Vereinten Nationen haben ihre Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum gesenkt und die Inflationsaussichten für dieses Jahr angehoben. Grund sind die Krise im Nahen Osten und steigende Ölpreise.

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UN-Ökonomen rechnen nun für 2026 mit einem globalen BIP-Wachstum von 2,5 Prozent. Im Januar gingen sie noch von 2,7 Prozent aus. In einem ungünstigeren Szenario könnte das Plus sogar auf 2,1 Prozent schrumpfen.

Das wäre eine der schwächsten Wachstumsphasen dieses Jahrhunderts. Ausgenommen sind nur die COVID‑19-Pandemie und die globale Finanzkrise von 2008, sagte Shantanu Mukherjee, Direktor für Wirtschaftsanalysen im UN-Departement für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten.

„Wir sind nicht nahe an einer Rezession“, sagte er. Doch für Milliarden Menschen könnte das Leben härter werden, und einige Länder dürften sogar ein Schrumpfen ihrer Wirtschaft erleben.

Die UN erwarten, dass die weltweite Inflation in diesem Jahr auf 3,9 Prozent steigt. Das liegt rund einen Prozentpunkt höher als die Prognose vom Januar, bevor die USA und Israel Luftangriffe auf den Iran flogen. Der Iran reagierte, indem er die Straße von Hormus blockierte, eine zentrale Schifffahrtsroute für Öl, Erdgas, Dünger und andere Mineralölprodukte.

„Gestiegene Energiepreise sind ein starker Treiber, ebenso die Preise für Raffinerieprodukte, die für die industrielle Produktion und den kommerziellen Verkehr entscheidend sind“, sagte Mukherjee.

Er betonte, dass nicht alle Länder die gleiche Inflationsrate erleben werden. In wohlhabenderen Industriestaaten soll die Teuerung von 2,6 Prozent im Jahr 2025 auf 2,9 Prozent 2026 steigen.

In Entwicklungs- und Schwellenländern dürfte sie von 4,2 auf 5,2 Prozent anziehen, weil höhere Kosten für Energie, Transport und Importe die Realeinkommen aushöhlen.

Die Folgen des Iran-Kriegs sind äußerst ungleich verteilt. Laut dem Zwischenbericht „World Economic Situation and Prospects“ für Mitte 2026 trifft der schwerste wirtschaftliche Schaden Westasien, eine Region mit einundzwanzig arabischen Staaten, darunter die Länder am Persischen Golf.

Für Westasien wird erwartet, dass das Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent im Jahr 2025 auf 1,4 Prozent 2026 einbricht. Ursache sind nicht nur der Energieschock, sondern auch direkte Schäden an der Infrastruktur sowie massive Störungen in der Ölproduktion, im Handel und im Tourismus.

In Afrika soll das durchschnittliche Wachstum nur leicht von 4,2 Prozent im vergangenen Jahr auf 3,9 Prozent in diesem Jahr sinken. In Lateinamerika und der Karibik dürfte sich das Wachstum von 2,5 auf 2,3 Prozent verlangsamen.

Die Wirtschaft der USA gilt weiterhin als „vergleichsweise widerstandsfähig“. Für dieses Jahr prognostizieren die UN ein Wachstum von rund zwei Prozent, ähnlich wie für 2025.

Europa ist dagegen stärker exponiert. Die hohe Abhängigkeit von Energieimporten setzt Haushalte und Unternehmen unter Druck. In der EU soll das Wachstum von 1,5 Prozent im Jahr 2025 auf 1,1 Prozent 2026 sinken, während das Wachstum im Vereinigten Königreich von 1,4 Prozent im vergangenen Jahr auf 0,7 Prozent in diesem Jahr weiter nachlässt.

In Asien federn Chinas diversifizierter Energiemix, große strategische Reserven und staatliche Unterstützungsmaßnahmen die Folgen teilweise ab. Das Wirtschaftswachstum dort dürfte nur von fünf Prozent im Jahr 2025 auf 4,6 Prozent in diesem Jahr zurückgehen.

Indien dürfte eine der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften bleiben. Für dieses Jahr erwarten die UN ein Plus von 6,4 Prozent, nach 7,5 Prozent im Jahr 2025.

„Die Frage für China, ähnlich wie für Indien und andere Länder, lautet, wie lange dieser Konflikt und seine Auswirkungen anhalten werden“, sagte der leitende UN-Ökonom Ingo Pitterle. „Alle diese Puffer sind offensichtlich begrenzt.“

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