Samsung erwartet einen 19-fachen Quartalsgewinn, das dritte Rekordquartal in Folge. Trotzdem entziehen Anleger über 100 Mrd. Dollar bzw. 87,5 Mrd. Euro an Börsenwert.
Der südkoreanische Technologiekonzern Samsung rechnet nach eigenen Angaben für das zweite Quartal von April bis Juni mit einem operativen Gewinn von rund 89,4 Billionen Won (51 Milliarden Euro). Das wäre etwa das 19‑Fache des Ergebnisses von 4,7 Billionen Won (2,7 Milliarden Euro) vor einem Jahr und mehr, als der Konzern in den vergangenen drei Jahren zusammen erwirtschaftet hat.
Die außergewöhnlichen Zahlen zeigen denselben Trend, der die Speicherbranche weltweit verändert. Der Wettlauf um neue KI‑Rechenzentren treibt die Chippreise auf Rekordniveau.
Nach Berechnungen von Citi Research stiegen die durchschnittlichen Verkaufspreise für DRAM‑Speicher im Quartalsvergleich um 44 Prozent, bei NAND‑Flash um 53 Prozent. Die Nachfrage nach KI‑Anwendungen greift inzwischen über spezialisierte High‑Bandwidth‑Speicher hinaus auf klassische Chips für Smartphones, Server und PCs über. Viele Kunden sichern sich langfristige Lieferverträge.
Die Prognose lag über den Erwartungen der Analysten. Trotzdem griffen die Anleger nicht zu, sondern trennten sich von ihren Papieren.
Die Samsung‑Aktie verlor zeitweise mehr als 10 Prozent und ging schließlich fast 7 Prozent im Minus aus dem Handel. Der Kursrutsch zog auch den Wettbewerber SK Hynix und den breiteren Kospi‑Index nach unten.
Die Samsung‑Papiere haben sich allein in diesem Jahr mehr als verdoppelt. Ein Rekordquartal galt daher bereits als eingepreist. Hebelprodukte und heimische ETFs, die die Aktie nachbilden, verstärken Kursausschläge zusätzlich.
Ein Makel gibt es in den Zahlen dennoch: Der Umsatz lag mit 171 Billionen Won (97,6 Milliarden Euro) zwar 129 Prozent über dem Vorjahreswert, blieb aber leicht hinter den Prognosen zurück.
„Wir gehen davon aus, dass die leichte Umsatzverfehlung vor allem daran lag, dass die DRAM‑Preiserhöhungen moderater ausfielen als erwartet. Das habe Anleger aufgeschreckt, die zunehmend von dauerhaft starker Preisdynamik im Speichersegment ausgehen“, sagte Morningstar‑Analyst Jing Jie Yu.
Über allem steht die Frage nach der Dauerhaftigkeit des Booms.
Anleger fragen sich immer häufiger, ob die Technologiekonzerne, die den KI‑Ausbau finanzieren, ihre Investitionen durchhalten können, ohne sich hoch zu verschulden. Der Ertrag dieser Ausgaben ist bislang kaum belegt. Diese Sorge steckte hinter dem Chip‑Ausverkauf in Asien in der vergangenen Woche.
Samsung legt seine vollständigen Zahlen mit einer Aufschlüsselung nach Sparten am 30. Juli vor. Der Markt wird den Bericht genau prüfen, um Hinweise zu finden, ob es sich um einen strukturellen Boom handelt oder um einen weiteren Speicherzyklus, der bereits seinem Höhepunkt zustrebt.