BP meldet mehr als verdoppelten Nettogewinn im zweiten Quartal, weil der Krieg im Nahen Osten die Öl- und Gasmärkte durcheinanderbringt.
Der Gewinn nach Steuern stieg im Zeitraum April bis Juni auf 3,91 Milliarden Dollar (3,38 Milliarden Euro), nach 1,62 Milliarden Dollar (1,40 Milliarden Euro) im zweiten Quartal 2025. Grund waren deutlich höhere Preise für fossile Energieträger im Jahresvergleich.
Die fünf größten westlichen Energiekonzerne – BP, Chevron, ExxonMobil, Shell und TotalEnergies – erzielten im zweiten Quartal zusammen fast 47 Milliarden Dollar (40,60 Milliarden Euro) Nettogewinn. Inmitten des Konflikts zwischen den USA und Iran vervielfachten sich ihre Erträge.
Die jüngste Berichtsperiode sei „eine der am stärksten gestörten Phasen auf den globalen Energiemärkten“ gewesen, sagte BP-Chefin Meg O’Neill, die seit April an der Spitze des Konzerns steht.
Energiekonzerne weltweit profitieren derzeit von hohen Gewinnen aus ihren Handelsgeschäften, da die Öl- und Gaspreise an den Terminmärkten mit jeder neuen Schlagzeile zum Konflikt im Nahen Osten stark schwanken.
Bei BP stiegen die Erlöse im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 47 Prozent auf 70 Milliarden Dollar (60,43 Milliarden Euro). Der Konflikt hat die weltweiten Lieferketten für fossile Brennstoffe durcheinandergebracht.
BP, dessen Entwicklung in den vergangenen Jahren meist hinter der Konkurrenz zurückblieb, hatte die Investitionen in erneuerbare Energien bereits vor O’Neills Amtsantritt deutlich zurückgefahren. Der Konzern richtet sich wieder stärker auf das profitablere Öl- und Gasgeschäft aus.
Zum künftigen Portfolio soll das Nordseegeschäft allerdings nicht mehr gehören. BP kündigte am Freitag an, diese Sparte verkaufen zu wollen.
„Wir schöpfen unser Potenzial nicht aus“, erklärte O’Neill im Ergebnisbericht.
„Unsere Entwicklung in den vergangenen Jahren hat weder unsere eigenen Erwartungen erfüllt noch die unserer Aktionäre“, fügte die US-Amerikanerin hinzu.
BP erhöhte am Dienstag seine Quartalsdividende um vier Prozent. Nach der Bekanntgabe der Ergebnisse legte der Aktienkurs im frühen Londoner Handel um 0,5 Prozent zu.
Der Konzern erklärte zudem, der bereinigte Kerngewinn habe sich im Quartal auf 5,7 Milliarden Dollar (4,92 Milliarden Euro) mehr als verdoppelt und die Prognosen übertroffen.
„Wir sind bei der Stärkung der BP-Bilanz gut vorangekommen“, sagte O’Neill.
„In den vergangenen Wochen haben wir unsere Raffinerie in Gelsenkirchen verkauft, den Verkauf unseres Tankstellengeschäfts in Österreich vereinbart und die Absicht bekanntgegeben, unser Nordseegeschäft in Großbritannien zu veräußern.“
„Heute kündigen wir an, auch Archaea, unser Biogasgeschäft in den USA, verkaufen zu wollen“, fügte sie hinzu.
O’Neill versucht zudem, den Konzern aus einer Phase interner Unruhe zu führen.
Auf der Hauptversammlung im April sah sich BP einem Aktionärsaufstand gegenüber, nachdem Investoren einen Antrag ablehnten, der die Anforderungen an die Klimaberichterstattung gesenkt hätte.
Einen Monat später setzte der Konzern überraschend Albert Manifold als BP-Vorsitzenden ab. Begründung waren „ernsthafte Bedenken“ hinsichtlich Governance-Standards, Kontrolle und Verhalten im Unternehmen, die Manifold zurückweist.
O’Neill arbeitete zuvor 23 Jahre für ExxonMobil und stand an der Spitze des australischen Unternehmens Woodside Energy. Sie ist die erste externe Kandidatin, die in der 117-jährigen Geschichte von BP zur Konzernchefin berufen wurde.
Sie folgte auf Murray Auchincloss, der nach weniger als zwei Jahren an der Unternehmensspitze zurücktrat.