Ein dauerhaftes Lohngefälle und größere Hürden beim Sparen für die Anzahlung bremsen Frauen beim Schritt ins Eigenheim im Vergleich zu Männern.
Der Erwerb von Wohneigentum ist weltweit in den vergangenen Jahren deutlich schwieriger geworden. Steigende Zinsen, anhaltende Inflation und die vielerorts in Europa spürbare Lebenshaltungskostenkrise machen diesen Traum für viele junge Menschen deutlich unerreichbarer.
Hinzu kommen stark gestiegene Immobilienpreise und stagnierende Löhne. Sie verschärfen das Problem weiter.
Nach Angaben des European Youth Portal (Quelle auf Englisch) geben mehr als zehn Prozent der jungen Europäerinnen und Europäer zwischen 20 und 29 Jahren über 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens ausschließlich für Wohnkosten aus. Das liegt deutlich über der üblichen 30-Prozent-Schwelle für bezahlbares Wohnen.
Frauen, vor allem jüngere, alleinstehende Frauen, sind beim Hauskauf in Europa und im Vereinigten Königreich jedoch oft noch stärker benachteiligt. So entsteht eine wachsende, sogenannte Gender-Housing-Gap.
Warum Frauen schwerer Wohneigentum erwerben als Männer
Ein Hauptgrund dafür, dass Frauen, besonders Alleinstehende, beim Hauskauf eher ins Hintertreffen geraten als Männer, ist der nach wie vor bestehende Gender-Pay-Gap im Vereinigten Königreich und in vielen europäischen Staaten.
Im Jahr 2024 lag die geschlechtsspezifische Lohnlücke in der EU bei rund elf Prozent. Ein Bericht des Trades Union Congress vom Februar schätzt den Gender-Pay-Gap im Vereinigten Königreich derzeit auf knapp 13 Prozent.
Frauen erzielen im Schnitt geringere Einkommen über ihr gesamtes Berufsleben hinweg und arbeiten häufiger in Teilzeit. Hauptursache sind mehr Betreuungsarbeit für Kinder, Haushalt und Pflege. Das bremst Karrieren erheblich.
Nach Angaben der European Central Bank (Quelle auf Englisch) fordern Frauen zudem seltener Gehaltserhöhungen. Zusammen mit den geringeren Einkommen entsteht so ein Teufelskreis, aus dem sie nur schwer ausbrechen können.
Entsprechend fällt es vielen Frauen schwerer, Geld für die Anzahlung auf ein Haus zurückzulegen. Hinzu kommen Grunderwerbsteuer sowie Kosten für Reparaturen, Renovierungen und laufende Instandhaltung neben der eigentlichen Hypothek.
Frauen kürzen Sparbeträge für die Anzahlung häufiger wegen finanzieller Belastungen. Sie verschieben zudem Lebensentscheidungen wie Heirat oder Familiengründung eher, um zunächst für ein eigenes Zuhause zu sparen.
Nach Berechnungen des Women’s Budget Group (Quelle auf Englisch) müssen Frauen in England mehr als zwölf Jahresgehälter aufbringen, um ein Haus kaufen zu können. Männer benötigen dafür gut acht Jahresgehälter. In teuren Ballungsräumen wie London geht die Schere noch weiter auseinander.
In einer aktuellen Umfrage der Spezialbank Aldermore sehen 33 Prozent der Frauen das Ansparen der Anzahlung als größtes Hindernis auf dem Weg ins Wohneigentum. Bei den Männern sagen das 20 Prozent.
Auch Mieten treffen Frauen laut der Umfrage stärker. 76 Prozent der Frauen geben an, mit den Mietkosten zu kämpfen, bei den Männern sind es 67 Prozent.
Ältere und mittelalte Frauen leben deutlich häufiger allein als Männer. Ihnen fehlen damit die Vorteile eines Doppelverdiener-Haushalts. Größere Ersparnisse und Hypothekenzusagen werden noch schwerer.
Hinzu kommt: Europäische Frauen verzeichnen nach Scheidungen im Schnitt deutlich stärkere Einbrüche beim Haushaltseinkommen als Männer.
Die Aufteilung des gemeinsamen Eigenheims führt zudem oft dazu, dass Frauen nicht genug Kapital für einen erneuten Einstieg in den Immobilienmarkt als Einzelkäuferin haben. Viele landen dann auf einem immer umkämpfteren Mietmarkt.
Ein weiteres zentrales Hindernis sind geringere maximale Kreditrahmen. Wegen niedriger Stundenlöhne und Jahreseinkommen bieten Hypothekenbanken Frauen häufig weniger Darlehen an als Männern.
Viele Kreditgeber stufen Frauen mit Teilzeit- oder Freelance-Jobs trotz stabiler oder relativ hoher Einkommen als höheres Risiko ein. Das senkt die Chancen auf eine Bewilligung zusätzlich.
Hinzu kommt oft eine Lücke bei Selbstvertrauen und Wissen rund um Immobilien, ausgelöst durch geringere finanzielle Bildung. Nach Angaben der European Central Bank (Quelle auf Englisch) verfügen nur 15 Prozent der Frauen über ein hohes Maß an Finanzwissen; bei den Männern sind es 27 Prozent.
Beim Kaufprozess fühlen sich Frauen zudem von Maklern, Kreditprüfern und Immobilienagenturen häufiger nicht ernst genommen. Der Weg ins Eigenheim wirkt dadurch noch mühsamer.
Ein weiterer, oft übersehener Punkt: Viele Neubauprojekte bieten kaum bezahlbare, sichere Wohnungen mit mehreren Zimmern für Ein-Eltern-Familien, die überwiegend von Frauen geführt werden. Viele Alleinerziehende verschieben deshalb den Kauf eines Eigenheims und bleiben länger im Mietverhältnis.