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„Slopaganda“: Hollywood-Kriegsclip des Weißen Hauses zu Iran sorgt für neuen Tiefpunkt

„Slopaganda“: Ekelhaftes Hollywood-Propagandavideo des Weißen Hauses markiert einen neuen Tiefpunkt
„Slopaganda“: Ekelhaftes Hollywood-Propagandavideo des Weißen Hauses markiert neuen Tiefpunkt Copyright  White House social media screenshots
Copyright White House social media screenshots
Von David Mouriquand
Zuerst veröffentlicht am
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Das Weiße Haus lässt Tom Cruise, Walter White und Sith-Lords in einem Propagandavideo zu den Iran-Angriffen auftreten und zeigt so, wie zynisch und empathielos Trumps Regierung agiert.

„JUSTICE THE AMERICAN WAY“, steht über einem Posting des Weißen Hauses, das ein Propagandavideo begleitet, in dem die Bombardierung Irans durch die USA und Israel gefeiert wird.

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Das Video ist ein wuchtiger Zusammenschnitt aus Drohnenaufnahmen, Filmszenen und TV-Bildern. Zu sehen sind unter anderem Robert Downey Jr. als Tony Stark aus den Marvel-Filmen, Russell Crowe als Maximus in Gladiator, Tom Cruise in Top Gun: Maverick, Adam Driver als Kylo Ren aus dem Star-Wars-Universum und Bryan Cranston als Walter White in Breaking Bad.

Außerdem tauchen Szenen aus Braveheart, John Wick, Superman, Deadpool und Halo auf.

Das Video sehen Sie hier:

Unter den Ausschnitten steckt auch eine Szene aus der Satire Tropic Thunder, die Ben Stiller inszeniert hat und in der er selbst die Hauptrolle spielt.

Der Schauspieler reagierte auf den Mash-up-Clip aus dem Weißen Haus und schrieb: „Hey, Weißes Haus, bitte entfernt die Szene aus Tropic Thunder. Wir haben euch nie eine Genehmigung gegeben und wollen nicht Teil eurer Propagandamaschinerie sein. Krieg ist kein Film.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Donald Trump und seine Regierung sich bei Hollywood bedienen und Szenen oder Anspielungen vereinnahmen. Doch dieses testosterongeladene Video markiert einen neuen Tiefpunkt.

Im Netz hagelt es Spott. Viele bezeichnen den Clip als „slopaganda“ – ein Kofferwort aus „slop“ und „propaganda“ – und werfen der Trump-Regierung vor, sich wie unreife Teenager zu benehmen. Der größte unter ihnen ist „Secretary of War“ Pete Hegseth, der im Video einen Cameo-Auftritt hat.

Bemerkenswert ist, wer und was in dem White-House-Clip auftaucht: prominente Trump-Kritikerinnen und -Kritiker (Downey Jr. hat aktiv für Kamala Harris Wahlkampf gemacht, Bryan Cranston äußert sich seit Jahren offen gegen Trump); moralisch bankrotte Figuren (Walter White, Saul Goodman, Kylo Ren). Dazu kommen Filme, die Krieg und den American Dream eher satirisch brechen als verherrlichen (Tropic Thunder, Breaking Bad), sowie Geschichten über den Widerstand gegen Imperialismus (William Wallace kämpft gegen eine einmarschierende fremde Armee und gegen Besatzung). Und dann der Tod der Ironie: Viele Stars, mit denen hier der „American way“ gefeiert werden soll, sind gar nicht US-Amerikaner (Crowe und Mel Gibson stammen aus Neuseeland und Australien, Keanu Reeves ist Kanadier).

Neben dem erschreckend niedrigen Reifegrad und der ironischen Fehlverwendung kultureller Bezugspunkte – einmal mehr ein Beleg für mangelndes Bewusstsein und kulturelle Bildung – fällt vor allem eines auf: die unverhohlene Geschmacklosigkeit dieses Videos.

Die Trump-Regierung mag das Video als weitere Form des „Trollens“ oder „Rage-Baitings“ ihrer Gegner verstehen. Tatsächlich legt es vor allem ein grausames Maß an Empathielosigkeit gegenüber den Opfern des Krieges offen. Vorläufige Zahlen der iranischen Gesundheits-, Verteidigungs- und Innenministerien sprechen von mehr als 1 300 Toten im Iran und mindestens dreizehn in Israel; außerdem ist in Saudi-Arabien bereits der siebte US-Soldat getötet worden.

Zudem mehren sich die Forderungen nach einer unabhängigen Untersuchung des Angriffs auf die Grundschule in Minab, bei dem 165 Kinder getötet wurden. UN-Expertinnen und -Experten verurteilten den Bombenangriff als „schweren Angriff auf Kinder“. Menschenrechtsorganisationen werten den Angriff als Hinweis auf mögliche Kriegsverbrechen von Israel und den USA in einem Krieg, der nach Ansicht von Völkerrechtlerinnen und Völkerrechtlern unter Verstoß gegen die UN-Charta begonnen wurde.

Doch wer kümmert sich schon um Chartas und Völkerrecht, wenn sich ein gefühlloser Clip aus den Lieblings-Hollywood-Actionfilmen schneiden lässt, der tödliche Gewalt zum leicht konsumierbaren Massenspektakel macht?

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