Der Pride Month im Juni rückt LGBTQIA+-Menschen, ihre Erfolge und die bestehenden Hürden in den Fokus. Viele bekannte Persönlichkeiten setzen sich jedoch das ganze Jahr über für ihre Rechte ein.
Die gefeierte Sängerin Ariana Grande hat vor Kurzem die „Brighter Days Ahead Foundation“ gegründet. Eines ihrer Ziele: mehr Unterstützung für die queere Community – pünktlich zum Pride-Monat.
Die Stiftung konzentriert sich zwar auf LGBTQIA+-Vertreterinnen und -Vertreter in den USA. Doch auch in Europa gibt es prominente Verbündete, die immer wieder auf Diskriminierung und Ungleichbehandlung aufmerksam machen.
Hier stellen wir zehn europäische Stars vor, die sich entschlossen für die Rechte der Community einsetzen:
Zara Larsson (Schweden)
Sängerin Zara Larsson setzt sich seit Jahren offen für Rechte ein – für Frauenrechte ebenso wie für die Rechte von Migrantinnen und Migranten in den USA. In ihrer Dokumentation Up Close erzählt der schwedische Popstar, dass man sie wegen ihres Engagements von Auftritten abgezogen und Verträge gekündigt habe.
Die Sängerin von „Midnight Sun“ und „Lush Life“ spricht oft über ihre Verbundenheit mit der LGBTQIA+-Community. In einem aktuellen Interview sagte sie, die Community habe sich „immer unglaublich gut um sie gekümmert“.
Im Jahr 2018 arbeitete Larsson mit dem Kondomhersteller Durex zusammen, um dessen Ziel zu unterstützen, Aids zu beenden. Sie trat mehrfach in „RuPaul’s Drag Race“ auf und stand bei Konzerten immer wieder mit der Regenbogenflagge auf der Bühne – ein sichtbares Zeichen ihrer Solidarität.
Angèle (Belgien)
Die belgische Hit-Sängerin und Songwriterin Angèle outete sich 2023 als pansexuell, nachdem Medien ihre Sexualität ohne ihr Einverständnis öffentlich gemacht hatten – etwas, das sie später als „extrem gewaltvoll“ beschrieb. Danach stellte sich ein großer Teil der Community demonstrativ hinter sie.
Beim Coachella-Festival 2023 stand Angèle mit einer Pride-Flagge auf der Bühne. Sie erklärte, sie habe den Song „Your Queen“ („Ta Reine“) geschrieben, weil sie unsicher gewesen sei, in wen sie sich eigentlich verliebt. Sie habe viele Liebeslieder geschrieben, aber nie zuvor ein lesbisches. Eine der prägnantesten Zeilen lautet: „Aber du wünschtest dir, sie wäre heute Nacht deine Königin, auch wenn zwei Königinnen nicht gerade gut angesehen sind“ („Mais tu voudrais qu'elle soit ta reine ce soir, même si deux reines, c'est pas trop accepté“).
2025 rief die Belgierin ihre Fans auf, eine Petition von ACT zu unterschreiben, die ein Verbot von Konversionstherapien in der gesamten Europäischen Union forderte. Das Europäische Parlament reagierte und stimmte anschließend für ein Verbot der sogenannten „Konversionstherapie“.
Olly Alexander (Vereinigtes Königreich)
Neben Stars wie Adele, Dua Lipa und Harry Styles gehört Olly Alexander zu den prominentesten Unterstützern von LGBTQIA+-Rechten im Vereinigten Königreich und weltweit.
Der frühere Frontmann von Years & Years nutzt seine Bekanntheit, um die Botschaft zu verbreiten, dass Liebe Liebe ist, und engagiert sich stark für Minderheitenrechte. Ein Beispiel ist die gemeinsam mit BBC Three produzierte Dokumentation Growing Up Gay, in der Alexander die psychischen Belastungen beleuchtet, mit denen viele queere Menschen kämpfen.
Der „King“-Sänger betont immer wieder, wie sehr er die Community schätzt und wie wichtig ihm politisches Engagement ist – ob bei Presseterminen zum Eurovision Song Contest oder auf der Bühne beim Glastonbury Festival.
Die LGBTQIA+-Community würdigt sein Auftreten regelmäßig. Plattformen wie Queerty und die British LGBT Awards zählen ihn zu ihren wichtigsten öffentlichen Fürsprechern.
Theodora (Frankreich)
Die französisch-kongolesische Sängerin Theodora, die sich als bisexuell bezeichnet, stürmt derzeit die Charts und begeistert das Publikum mit von Amapiano inspiriertem Pop.
In einer Folge von RuPaul's Drag Race France erzählte sie, wie viel sie von der Drag-Community gelernt habe und wie stark diese ihre Kunst geprägt habe. In einem Interview mit Billboard France sagte Theodora außerdem, sie beschäftige „viele LGBT-Personen in ihrem Team“.
Während sie sich zu einer der spannendsten neuen Stimmen der französischen Popmusik entwickelt, bleibt die „Kongolese sous BBL“-Sängerin der LGBTQIA+-Community eng verbunden und zeigt sich dankbar für deren Unterstützung.
Olya Polyakova (Ukraine)
Laut einer Umfrage des Kyjiw International Institute of Sociology aus dem Jahr 2024 finden mehr als 70 % der Ukrainerinnen und Ukrainer, dass die LGBTQIA+-Community die gleichen Rechte haben sollte wie alle anderen. Noch erlaubt die ukrainische Gesetzgebung keine gleichgeschlechtliche Ehe. Das Land hat jedoch Schritte zur stärkeren Anerkennung der Community unternommen, etwa ein Verbot von Hassrede und Diskriminierung in den Medien aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität.
Eine der prominentesten Unterstützerinnen der ukrainischen LGBTQIA+-Community ist die Sängerin Olya Polyakova.
Sie bezieht klar Stellung und sagt, Menschen sollten „die Freiheit haben, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen“. 2023 führte Polyakova die ukrainische Pride-Delegation bei einer Pride-Demonstration in London an. Über ihre Plattform macht sie immer wieder darauf aufmerksam, dass Gesetzesinitiativen zum Schutz der Community und zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare im Parlament blockiert statt beschlossen werden.
Polyakova erinnert zudem daran, dass seit Beginn der russischen Invasion viele LGBTQIA+-Soldatinnen und -Soldaten an der Front dienen.
Björk (Island)
Björk genießt in der LGBTQIA+-Community Kultstatus. Die isländische Ikone sprach 2004 in einem Interview mit dem Magazin DIVA offen über ihre Bisexualität. „Sexualität ist immer da – die Frage ist nur, ob man sie wahrhaben und annehmen will“, sagte sie.
Björk hat mit dem legendären, offen schwulen Designer Alexander McQueen zusammengearbeitet, um das Publikum mit avantgardistischen Bühnenoutfits zu begeistern.
Die „Army of Me“-Sängerin erzählte außerdem, dass sie „RuPaul’s Drag Race“ liebt und sich von der Show inspirieren lässt. Björk bestätigte auch, dass sie Katya Zamolodchikovas Björk-Imitation in der Snatch-Game-Challenge von „RuPaul’s Drag Race All Stars“ Staffel 2 „absolut geliebt“ habe.
Nikkie de Jager (Niederlande)
Nikkie de Jager, besser bekannt als NikkieTutorials, ist eine niederländische YouTuberin und Make-up-Künstlerin.
Ihr YouTube-Kanal zählt mehr als 15 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten. Der Erfolg hatte jedoch einen hohen Preis: Sie wurde zum Coming-out als trans Frau gezwungen. Nach einem Erpressungsversuch veröffentlichte der Internetstar mehrere Videos, in denen sie offen über Transition und Geschlechtsidentität sprach. Die Online-Community reagierte überwiegend mit großer Unterstützung.
Als Content-Creatorin spendete sie unter anderem an Initiativen wie For The Gworls und das Trevor Project. Als eine der Moderatorinnen des Eurovision Song Contest 2021 trug sie ein Kleid in den Farben der Transgender-Flagge, um ihre Unterstützung zu zeigen und die Sichtbarkeit der Community auf internationaler Bühne zu erhöhen.
Nikkie de Jager setzt sich bis heute auf ihren Social-Media-Kanälen für die LGBTQIA+-Community ein.
Rosalía (Spanien)
Rosalía betont, sie wolle sich in Bezug auf ihre Sexualität nicht in eine Schublade stecken lassen, hat aber eine besonders treue Fangemeinde innerhalb der LGBTQIA+-Community.
In einem Interview mit Spotify im Jahr 2026 sagte die Sängerin scherzhaft, die beste Eigenschaft, die ein Mann haben könne, sei, schwul zu sein.
Auf ihrer laufenden LUX-Tour holt Rosalía regelmäßig Zuschauerinnen und Zuschauer auf die Bühne, damit sie dort Beichten und Geständnisse erzählen. Das Publikum ist bunt gemischt, doch LGBTQIA+-Fans sind unter den Freiwilligen besonders präsent. Rosalía hört zu, macht Mut und gibt Ratschläge – eine Rolle, die viele in der Community sehr schätzen.
Monetochka (Russland)
Russland gilt nicht gerade als LGBTQIA+-freundlich. In den vergangenen Jahren hat die Regierung immer neue Schritte unternommen, um LGBTQIA+-Ausdruck und Aktivismus einzuschränken. Nach russischem Recht ist die sogenannte „Internationale LGBT-Bewegung“ verboten und als extremistische Organisation eingestuft.
Trotzdem hat Russland einige öffentliche Persönlichkeiten, die dieses Klima herausfordern. Von Alla Pugacheva, die einst mit dem Gay Men’s Chorus of Los Angeles auftrat und sich für LGBTQIA+-Rechte aussprach, bis hin zur Sängerin Monetochka.
Yelizaveta Gyrdymova, bekannt unter ihrem Künstlernamen Monetochka, lebt inzwischen in Litauen, nachdem sie als „ausländische Agentin“ eingestuft wurde und ein Strafverfahren gegen sie eingeleitet wurde – wegen angeblicher „Verletzung der Pflichten eines ausländischen Agenten“.
In ihrer Arbeit zeigt die Sängerin immer wieder Unterstützung für LGBTQIA+-Menschen. Auf einem Tribute-Album für t.A.T.u. aus dem Jahr 2021 änderte Monetochka den Text des Songs „Malchik Gay“ („Gay Boy“), um die heutige russische Realität zu spiegeln. „Russland hat zwei Probleme: dich und mich“, singt sie.
Kim Petras (Deutschland)
Kim Petras spricht schon seit ihrer Jugend offen über LGBTQIA+-Themen und ihre eigenen Erfahrungen.
Die deutsche Sängerin und Songschreiberin stand mit 13 Jahren erstmals im Rampenlicht, als sie in einer Fernsehsendung über ihren Wunsch nach einer Geschlechtsangleichung sprach – zu einer Zeit, in der das Thema noch weitgehend tabu war.
Die „XXX“-Sängerin veröffentlicht Pop mit oft expliziten Texten, der besonders in der LGBTQIA+-Community gut ankommt. Während der MTV Europe Music Awards 2021 in Ungarn, damals unter der Regierung Orbán, protestierte sie gegen die Anti-LGBTQIA+-Gesetze.
Petras nutzt ihre Bekanntheit weiterhin, um über Geschlechtsidentität und Transition aufzuklären und zugleich die Community insgesamt zu unterstützen.
Der Pride Month läuft noch bis zum 30. Juni 2026.