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Sibirien: Zwangsschlachtung von Schweinen bedrohen Lebensgrundlage vieler Menschen

Archivfoto zur Illustration
Archivfoto zur Illustration Copyright  AP Photo/Francois Mori
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Von Irina Sheludkova
Zuerst veröffentlicht am
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Im März erlebten Rinderhalter im Gebiet Nowosibirsk eine ähnliche Situation. Für viele Menschen in Russlands Provinz sind kleine Viehbetriebe eine wichtige Lebensgrundlage.

Bewohner Sibiriens beklagen die massenhafte, behördlich angeordnete Tötung von Schweinen in privaten Höfen. Die örtlichen Behörden sprechen von einem Ausbruch einer „besonders gefährlichen Krankheit“, nennen jedoch nicht deren Namen. Zur Eindämmung greifen sie zu drastischen Maßnahmen und lassen ganze Tierbestände töten.

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In Dörfern des Kreises Golyschmanowo und in vier weiteren Gemeinden des Gebiets Tjumen haben die Behörden Anfang August Quarantänemaßnahmen verhängt. An den Zufahrtsstraßen stehen Hygieneposten: Fahrzeuge werden desinfiziert, die Ausfuhr von Fleisch und Schweinen ist verboten. Die Polizei überwacht die Lage und kontrolliert die Kofferräume von Fahrzeugen.

Die Veterinärbehörde des Gebiets Tjumen bestätigte lokalen Medien den Ausbruch einer ansteckenden Schweinekrankheit. Konkrete Angaben zu den festgestellten Tierkrankheiten stufte die Behörde jedoch als „Informationen mit eingeschränktem Zugang“ ein. Offiziell heißt es, alle Maßnahmen erfolgten im Rahmen der geltenden Gesetze.

Inoffiziell ist von einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) die Rede. Bereits im vergangenen September hatte der Kreis Wikulowo im Gebiet Tjumen wegen des Virus den Notstand ausgerufen.

Maßnahmen lösten Proteste aus

Viehzucht ist für viele Menschen in den betroffenen Regionen eine wichtige Lebensgrundlage und Einnahmequelle. Entsprechend groß ist die Sorge. Das Regionalportal 72.ru berichtet (Quelle auf Russisch)aus dem Kreis Golyschmanowo, dass traditionell am Ende des Sommers Schweine geschlachtet werden. Die Bewohner legen dabei Fleischvorräte für den Winter an. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf bereiten sie zudem ihre Kinder auf das neue Schuljahr vor und kaufen Hefte, Kleidung und andere Dinge. Viele warten nun auf Entschädigungen für die verlorenen Tiere.

„Die Dorfbewohner sagen offen, dass es in ihrer Gegend kaum Arbeit gibt. Deshalb halten sie Vieh, um Verwandte mit Fleisch zu versorgen und ihre finanzielle Lage zu stabilisieren“, heißt es in dem Bericht.

Das flächenmäßig riesige Gebiet Tjumen gehört zum westsibirischen Wirtschaftsraum Russlands. Dazu zählen auch die industriellen Zentren Chanty-Mansijsk-Jugra und der Autonome Kreis der Jamal-Nenzen. Die Region ist eines der wichtigsten Öl- und Gasfördergebiete Russlands und gehört weltweit zu den größten Förderregionen.

Die Veterinärbehörde des Gebiets Tjumen verspricht eine vollständige Entschädigung zum Marktwert aus dem Regionalhaushalt. Wie hoch diese Zahlungen ausfallen sollen, haben die Behörden bisher nicht mitgeteilt.

Unterdessen berichten Aktivisten des Agrarrats, im Kreis Kupino (Quelle auf Russisch) im Gebiet Nowosibirsk habe der Leiter der Kreisverwaltung von den Landwirten verlangt, ihren gesamten Schweinebestand auf eigene Kosten zu schlachten – ebenfalls wegen eines ASP-Ausbruchs. Einwohner sagen, sie hätten dafür keinerlei schriftliche Bestätigung erhalten. Für den Kreis Kupino seien bislang keine Krankheitsherde offiziell registriert worden.

Im März dieses Jahres ließen die Behörden in zwei Kreisen des Gebiets Nowosibirsk Rinder zur Massenschlachtung abtransportieren. Begründet wurde dies mit Ausbrüchen von Pasteurellose und Tollwut. Es galt ein lokaler Notstand sowie Quarantäne. Beamte der Veterinärdienste traten gemeinsam mit Sondereinheiten der russischen Bereitschaftspolizei OMON auf.

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Anwohner klagten, dass Hunderte Tiere getötet worden seien, die keinerlei Krankheitssymptome gezeigt hätten. Veterinäre hätten die Tiere nicht untersucht und keine Proben entnommen.

Die Maßnahmen lösten Proteste aus. Viele Menschen wandten sich mit Bitten um ein Ende der gewaltsamen Beschlagnahmen und Tötungen an die Behörden, teils direkt an Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Das Ermittlungskomitee der Russischen Föderation leitete eine Überprüfung des Vorgehens ein.

Beobachter berichten, der Druck treffe vor allem kleine Familienbetriebe. Große Agrarkonzerne in der Region blieben dagegen meist verschont. Zudem deckten die Entschädigungen nach Angaben von Betroffenen die tatsächlichen Verluste nicht.

Es gibt den Verdacht, dass die massenhafte Tötung von Vieh indirekt dem russischen Verteidigungsministerium zugutekommen könnte: Menschen, die ihre Tiere verlieren und auf Krediten sitzen bleiben, könnten eher bereit sein, als Zeitsoldaten in den Krieg gegen die Ukraine zu gehen. Der Staat lockt sie mit hohen Prämien und umfangreichen Vergünstigungen.

Im Juli meldeten die Behörden einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im Kreis Krasnogwardeiskoje im Gebiet Stawropol im Süden Russlands. Dort gelten Quarantäneauflagen, Vieh wurde beschlagnahmt.

Hauptquellen des ASP-Virus sind erkrankte Tiere und Virusträger. Der Erreger ist in der Umwelt äußerst widerstandsfähig. Wirksame Mittel zur Vorbeugung oder Behandlung gibt es nicht. Für Menschen ist die Afrikanische Schweinepest jedoch ungefährlich.

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