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Was ist „Aura farmen“? TikTok-Battles erobern die Straßen

Archivaufnahme: Eine Gruppe Jugendlicher probt eine K-Pop-Choreografie in Moskau, Russland, am Dienstag, dem ersten Juli 2025.
Archivaufnahme: Eine Gruppe Teenager probt eine K-Pop-Choreografie in Moskau, Russland, am Dienstag, dem ersten Juli 2025. Copyright  Foto AP/Alexander Zemlianichenko
Copyright Foto AP/Alexander Zemlianichenko
Von Christina Thykjaer
Zuerst veröffentlicht am
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Bei „Aura-Farming“-Battles werden TikTok-Memes, Posen und virale Gesten zum Wettkampf, in dem Jugendliche Charisma, Stil und Selbstvertrauen zeigen.

Zwei Jugendliche stehen sich gegenüber, umringt von einer Menschenmenge. Sie starren sich an und machen sich bereit für den Wettkampf. Doch hier fliegen keine Fäuste, es gibt keine Freestyle-Reime und auch keine klassische Dance-Battle. Wer gewinnen will, muss zeigen, wer die meiste „Aura“ hat.

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Die sogenannten „Aura-Farming“-Battles, kurz „Aura farmen“ holen eine Sprache auf die Straße, die in den sozialen Netzwerken entstanden ist. Vor allem Jugendliche zwischen 14 und 20 treten gegeneinander an. Sie setzen auf Gesten, Posen und Nachstellungen einiger der bekanntesten Memes und viralen Videos des Internets.

Das Phänomen hat bereits zu Treffen in mehreren Ländern Lateinamerikas geführt, darunter Mexiko, Argentinien, Brasilien, Peru und Bolivien. Inzwischen ist es auch in Spanien angekommen. Und auch wenn die Auftritte für Menschen ohne TikTok-Erfahrung schwer zu entschlüsseln sind, für die Teilnehmenden gehört das Erkennen der Anspielungen zum Spiel.

Doch was bedeutet „Aura farmen“ genau – und warum treten Jugendliche dafür gegeneinander an?

Was „Aura farmen“ bedeutet

Der Ausdruck entsteht aus der Verbindung zweier sehr unterschiedlicher Begriffe.

In Netzwerken wie TikTok und Instagram beschreibt „Aura“ den Stil, die Ausstrahlung oder das Charisma einer Person. Wer „100 Prozent Aura“ hat, bekommt ein Kompliment für seine Fähigkeit, attraktiv, selbstsicher oder „cool“ zu wirken, fast ohne Anstrengung.

„Farmen“ wiederum stammt aus der Welt der Videospiele. Im Englischen bezeichnet „farming“ das ständige Wiederholen bestimmter Aktionen, um Punkte zu sammeln oder Ressourcen anzuhäufen.

„Aura farmen“ bedeutet also, etwas zu tun oder zu zeigen, das einem symbolisch Punkte in Charisma, Stil oder Popularität einbringt. Was als Internetjargon begonnen hat, hat sich inzwischen zu einem realen Wettbewerb entwickelt.

Wie man eine Aura-Battle gewinnt

Bei einem dieser Wettkämpfe vor dem Palacio de Bellas Artes in Mexiko-Stadt griffen die Teilnehmenden auf ein ganzes Arsenal viraler Referenzen zurück, um ihre Gegner zu übertrumpfen.

Carlos Irving Quintana, 14 Jahre alt und mit violetten Haaren, erntete Applaus, als er den berühmten „Siuuu“-Sprung nachahmte, mit dem Cristiano Ronaldo seine Tore feiert. Danach setzte er auf „Mewing“, einen auf TikTok populär gewordenen Trend: Man betont die Kieferlinie und zeigt mit dem Finger darauf, um sein Profil zur Schau zu stellen.

Sein Gegner konterte mit dem „6-7“, einem unter Jugendlichen verbreiteten Meme ohne feste Bedeutung, das sich trotzdem zu einer klar erkennbaren Geste in den sozialen Netzwerken entwickelt hat. Die Zuschauerinnen und Zuschauer bilden einen Kreis um die Kontrahenten und filmen die Auftritte mit ihren Handys, während Musik läuft, die an Videospiele erinnert.

Entscheidend ist, zu zeigen, dass man die Codes des Netzes beherrscht. Je mehr Memes und virale Clips jemand in seine Performance einbaut, desto größer sind die Chancen, Jury und Publikum zu beeindrucken.

Doch bloß Memes zu kennen reicht nicht. Die Haltung zählt. „Wer besser aussieht, mehr posiert, mehr Lacher provoziert und selbstbewusster wirkt, gewinnt“, sagt gegenüber AFP Aldhir Gonzalez, 22 Jahre alt und Organisator des Wettbewerbs in Mexiko-Stadt.

Von Cristiano Ronaldo bis zur Riesensandale

Fast alles kann als Werkzeug dienen, um Aura zu farmen. Der Sieger des Wettkampfs in Mexiko war Kaled Rosales Salazar. Er trat in einer Hose mit Rayo-McQueen-Motiv auf, dem Star des Films „Cars“, und in Holzclogs.

In einem seiner Duelle nutzte Rosales eine riesige weiße Sandale als Requisit. Er tat so, als würde er seinen Gegner mit einem Lasso einfangen und wie ein Pferd mit sich führen. Die Inszenierung kam an. Der Teenager gewann am Ende die 3.000 Pesos Preisgeld, rund 177 US-Dollar.

In anderen Wettkämpfen bleibt die Belohnung deutlich abstrakter. In Argentinien besteht der Preis darin, damit angeben zu können, eine „unendliche Aura“ zu haben.

Das Phänomen ist inzwischen so groß, dass es sogar den Profifußball erreicht hat. Der argentinische Klub Boca Juniors nutzte den Trend und veröffentlichte auf X ein Bild von Mittelfeldspieler Santiago Ascacibar bei einem Torjubel und scherzte, seine Aura sei unschlagbar.

Trend verwirrt viele Erwachsene

Viele verstehen den Trend nicht. „Aura ist ein Lebensstil, den fast niemand versteht“, fasst der Organisator einer bevorstehenden Battle in Buenos Aires zusammen.

Die Kluft zeigt sich vor allem zwischen den Generationen. Für viele Teenager stecken in Posen und Gesten sofort erkennbare Anspielungen. Manche Erwachsene sehen darin jedoch ein Zeichen für den Verfall der Popkultur.

Die Reaktion reicht inzwischen bis in die Politik. Ein Bürgermeister in Honduras hat die Battles verboten und erklärt, es gäbe Wehrpflicht, wenn es nach ihm ginge. Andere Fachleute sehen in dem Trend jedoch auch positive Seiten.

Die venezolanische Psychologin María Eugenia Tovar meint, solche Wettkämpfe könnten persönliche Begegnungen unter Jugendlichen fördern. Das ist für eine Generation wichtig, die es gewohnt ist, Beziehungen über soziale Medien zu pflegen.

Vielleicht liegt darin ein Teil ihres Erfolgs. Ein Trend, der auf TikTok und Instagram entstanden ist, sorgt dafür, dass junge Menschen für einige Stunden vom eigenen Bildschirm weggehen und sich im echten Leben treffen, auch wenn am Ende doch wieder alles mit dem Handy gefilmt und online gestellt wird.

Für Rosales, den Sieger in Mexiko-Stadt, ist die Erklärung viel einfacher. Er will bei weiteren Battles antreten, aber nicht unbedingt wegen des Geldes. „Mehr als wegen eines Preises mache ich es, um Spaß zu haben und aus dem Haus zu kommen“, sagt er zu AFP.

Weitere Quellen • AFP

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