In Europa hat die extreme Sommerhitze über 16.000 Todesfälle zusätzlich gefordert. Der EU-Ausschuss für Gesundheitssicherheit drängt auf langfristige, systematische Hitzevorsorge statt reiner Krisenreaktion.
Die jüngste Phase extremer Hitze hat in Europa Tausende zusätzlicher Todesfälle (Quelle auf Englisch) gefordert. Klimawandel dürfte Hitzewellen häufiger und heftiger machen. Ein Ausschuss, der die Vorbereitung auf schwere grenzüberschreitende Gesundheitsgefahren koordiniert, hat deshalb Empfehlungen vorgelegt, die Europas Widerstandskraft stärken sollen.
Die Botschaft ist deutlich: Europa, der sich weltweit am schnellsten erwärmende Kontinent, ist nicht ausreichend vorbereitet.
Die öffentlichen Gesundheitssysteme vieler EU-Staaten seien „nicht ausreichend vorbereitet“, längere Phasen extremer Hitze zu bewältigen, laut (Quelle auf Englisch) der am 30. Juli angenommenen Stellungnahme des Ausschusses. Um die wachsende Gefahr zu begrenzen, brauche es demnach einen „ressortübergreifenden Ansatz, der gesamte Regierungen und die Gesellschaft als Ganzes einbezieht“, der kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen bündelt.
Die gesundheitlichen Folgen gehen weit über Hitzschlag hinaus. Längere Hitzephasen erhöhen die Sterblichkeit, verschlimmern bestehende Erkrankungen und belasten die Gesundheitssysteme zusätzlich. Auch Pflanzen und Tiere leiden, was wiederum Existenzen und psychische Gesundheit beeinträchtigt.
Extreme Hitze erhöht zudem das Risiko von Wald- und Flächenbränden. Die Folge sind zusätzliche Gesundheitsrisiken durch schlechtere Luftqualität, Schäden an kritischer Infrastruktur und weitere Umweltzerstörung.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, Schwangere, Menschen mit chronischen Krankheiten, Beschäftigte im Freien und andere vulnerable Gruppen.
Der Ausschuss fordert die Mitgliedstaaten auf, die Abstimmung zwischen Ministerien und Behörden zu verbessern. Pläne zum Umgang mit Hitze und Gesundheit sollen regelmäßig aktualisiert und gemeinsam von Gesundheitsbehörden und dem Zivilschutz erarbeitet werden. Zudem müsse der Informationsaustausch über das Frühwarn- und Reaktionssystem der EU ausgebaut werden. Gefordert werden auch wissenschaftlich fundierte Maßnahmen, um Kinder, Beschäftigte bei großer Hitze und Besucherinnen und Besucher großer öffentlicher Veranstaltungen besser zu schützen.
Die Stellungnahme unterstreicht außerdem, dass medizinisches Personal stärker geschult werden muss, um hitzebedingte Erkrankungen zu erkennen und zu behandeln. Gleichzeitig soll die Öffentlichkeit besser informiert werden – mit mehrsprachigen Hinweisen für Touristinnen und Touristen sowie für Saisonkräfte, Grenzpendlerinnen und -pendler und Beschäftigte im Verkehr. Zugleich fordert der Ausschuss, bestehende Datenlücken zu schließen und über das Europäische Observatorium für Klima und Gesundheit eine solidere Wissensgrundlage zu den gesundheitlichen Folgen von Hitzewellen zu schaffen.
Die Empfehlungen erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem die Europäische Kommission einen integrierten europäischen Rahmen für Klimaanpassung vorbereitet. Er soll bis Ende 2026 vorliegen und die EU besser auf klimabedingte Risiken wie extreme Hitze einstellen.