Forscher entdecken seltene Immunzellen, die bei Hundertjährigen deutlich häufiger vorkommen und Hinweise auf gesundes Altern liefern.
Manche Menschen werden deutlich älter als andere, sie leben sogar weit über hundert Jahre. Worin unterscheiden sie sich?
Forscher der Universität Osaka in Japan haben einen gemeinsamen Faktor bei Superhundertjährigen gefunden: Sie besitzen ungewöhnlich viele Zellen eines speziellen, seltenen Typs.
Den Studienergebnissen zufolge nehmen sogenannte CD4-CTLs – weiße Blutkörperchen, die zur Immunabwehr gehören – zu, wenn Menschen das Alter von hundert Jahren erreichen.
In der Studie, veröffentlicht im Fachjournal Cell Reports (Quelle auf Englisch), zeigt das Team, dass sich diese Zellen in dieser besonders alten Bevölkerungsgruppe vermehren und anpassen.
Bei jüngeren Menschen machen CD4-CTLs normalerweise weniger als fünf Prozent der T-Zellen aus. Bei Superhundertjährigen – also Personen ab 110 Jahren – liegt der mittlere Anteil jedoch bei rund 17,6 Prozent.
Für die Studie analysierte das Team Blutproben von 28 Erwachsenen. Sie waren in drei Altersgruppen eingeteilt: 70 bis 99, 100 bis 109 sowie 110 Jahre und älter. Mit zunehmendem Alter stieg der Anteil der CD4-CTLs: im Mittel lagen die Werte bei rund vier, knapp zehn und knapp achtzehn Prozent.
Altern entsteht durch die Ansammlung von molekularen und zellulären Schäden über die Zeit. Dadurch nehmen körperliche und geistige Leistungsfähigkeit schrittweise ab, das Risiko für Krankheiten und für den Tod steigt.
Altern an sich ist jedoch keine Krankheit und führt nach Angaben der Autoren nicht zwangsläufig zum Versagen lebenswichtiger Körperfunktionen.
Superhundertjährige gelten als Modell für gesundes Altern. Ihr Immunsystem, Herz-Kreislauf-System und ihr epigenetisches Profil wirken jünger, als es ihr Lebensalter erwarten lässt. Viele erreichen ein sehr hohes Alter, ohne schwere altersbedingte Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden oder Krebs zu entwickeln – oder sie treten erst sehr spät auf.
„CD4-CTLs sind eine atypische und relativ seltene T-Zell-Population“, sagte Erstautor Kosuke Hashimoto, außerordentlicher Professor an der Universität Osaka. Die starke Zunahme bei Superhundertjährigen könne wichtige Hinweise darauf geben, wie das Immunsystem im extremen Alter stabil bleibt.
„Die gezielte Vermehrung bestimmter T-Zellen deutet darauf hin, dass sich das Immunsystem selbst im sehr hohen Alter weiter an altersbedingte Herausforderungen anpasst.“
Die Ergebnisse legen nahe, dass diese Zellen zu gesundem Altern und hoher Lebenserwartung beitragen. Sie greifen möglicherweise alternde Zellen an, die sich im Körper ansammeln, und überwachen Tumoren.
Die Autoren betonen, dass sich ihre Analyse auf T-Zellen im Blut konzentriert. Sie belegt weder, dass viele CD4-CTLs Krebs verhindern, noch dass sie Menschen länger leben lassen. Hashimoto kündigte an, dass das Team als Nächstes untersuchen will, wie sich diese Zellen im menschlichen Gewebe verhalten.