Nach Russlands Großangriff auf die Ukraine im Jahr 2022 hatte Schweden seine seit zwei Jahrhunderten bestehende militärische Neutralität aufgegeben und trat im Jahr 2024 der NATO bei. Nun soll ein besonders sensibles Grundstück gesichert werden.
Die schwedischen Streitkräfte haben am Dienstag mitgeteilt, sie hätten die Regierung um die Enteignung eines sicherheitstechnisch sensiblen Grundstücks gebeten. Es gehöre einem Russen und liege in der Nähe eines Marinestützpunkts im Stockholmer Schärengarten.
Geschäftsmann mit Verbindungen zum Kreml?
Nach Angaben des Militärs liegt das Grundstück an einem der Zufahrtswege zum Marinestützpunkt Muskö. Schwedische Medien berichten, das Gelände gehöre einem russischen Unternehmer mit Verbindungen zum Kreml.
Das Militär erklärte, der Standort biete „einzigartige Voraussetzungen, um die Verteidigung des Marinestützpunkts Muskö zu stärken, insbesondere gegen Drohnen“. Derzeit gehört das Grundstück einer Person mit russischer Staatsbürgerschaft.
„Die Entwicklung der russischen Drohnenkriegsführung hat die Bedrohungslage für Schweden verändert“, erklärten die schwedischen Streitkräfte.
„Es besteht daher die Notwendigkeit, Maßnahmen zu ergreifen, um Schweden vor der Bedrohung durch Drohnen aus der Luft und auf See zu schützen“, hieß es weiter.
Grundstück für "wirksame Verteidigung" notwendig
Das Militär erklärte, das Grundstück sei „der einzige Standort“, über den es nicht verfüge, „um eine wirksame Verteidigung“ des Stützpunkts aufzubauen, „insbesondere gegen Drohnen“.
Die schwedische Festungsbehörde Fortifikationsverket, die militärische Liegenschaften verwaltet, hat deshalb im Namen der Streitkräfte beantragt, dass die Regierung das Eigentum übernimmt.
Die Zeitung „Expressen“ berichtete, das Grundstück gehöre dem russischen Unternehmer Stanislaw Aleschtschenko, der Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin habe, auch wenn es offiziell auf den Namen seiner Ehefrau eingetragen sei.
Schwedische Medien hatten zuvor gemeldet, er lasse dort ein großes Ferienhaus errichten und die Regierung prüfe Möglichkeiten, den Bau zu stoppen.
Der schwedische öffentlich-rechtliche Sender SVT berichtete, das Grundstück sei „ein Dorn im Auge der Streitkräfte“.
„Wir stehen vor der schwersten Sicherheitslage seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, und die Bedrohung für Schweden und das Bündnis ist real“, wird Chef des Verteidigungsstabs Carl-Johan Edstrom in der Erklärung der Streitkräfte zitiert.
Schweden beendete nach Russlands Großinvasion in der Ukraine im Jahr 2022 seine über zwei Jahrhunderte währende militärische Bündnisfreiheit und trat 2024 der NATO bei.