Zehn Millionen Schülerinnen und Schüler in Frankreich sollen in einem Fragebogen zu Mobbing angeben, was sie erlebt haben - auch an sexueller Gewalt an Schulen.
Frankreichs Bildungsminister Édouard Geffray hat angekündigt, dass der jährliche Fragebogen zu Mobbing an Schulen, den französische Schülerinnen und Schüler ausfüllen, künftig auch Fragen zu sexueller und sexistischer Gewalt enthält. Der Minister rechnet mit „erschütternden Ergebnissen, weil das Phänomen enorm ist“.
„Von der letzten Vorschulklasse bis zum Abschlussjahr der Oberstufe werden rund zehn Millionen Schülerinnen und Schüler befragt, was sie möglicherweise erlebt haben“, erklärte der Minister in einem Interview mit mehreren regionalen Tageszeitungen. Édouard Geffray erinnert daran, dass „in Frankreich eines von zehn Kindern Opfer sexueller Gewalt ist“.
Der Fragebogen „ist zunächst anonym“, doch die Schülerinnen und Schüler „können ihren Namen angeben, wenn sie mit einer Vertrauensperson sprechen möchten“.
Der Bildungsminister kündigt an, dass der Fragebogen „gemeinsam mit Schulpersonal, Elternverbänden und einem Expertengremium, darunter Kinder- und Jugendpsychiatern, ausgearbeitet wird".
Édouard Geffray betont, dass „das Bildungsministerium der wichtigste Melder von Gewalt gegen Minderjährige ist“. Allein im Jahr 2025 gab es 88.000 Meldungen wegen sexueller Gewalt oder gravierender Versäumnisse von Eltern durch die "Education Nationale" in Frankreich, das dortige Bildungsministerium.
Sexualdelikte gegen Kinder: Zehntausende Strafanzeigen unbearbeitet
Im Herbst vergangenen Jahres erschütterten mehrere Fälle sexueller Gewalt in Kitas und anderen Einrichtungen in Paris die Öffentlichkeit. Dutzende Betreuerinnen und Betreuer wurden suspendiert, teils auch wegen des Verdachts sexueller Übergriffe. Ähnliche Fälle meldeten Behörden zudem aus anderen Regionen Frankreichs.
Zuletzt löste der Tod der elfjährigen Lyhanna, deren Leiche Anfang Juni im Département Gers gefunden wurde, eine neue Welle der Empörung im ganzen Land aus. Der Hauptverdächtige, Jérôme Barella, war bereits mehrfach wegen sexueller Übergriffe gegen Minderjährige angezeigt worden, wurde jedoch nie vernommen.
Daraufhin forderte Justizminister Gérald Darmanin die Generalstaatsanwälte auf, „sämtliche Anzeigen, die Kinder betreffen, erneut zu prüfen“. Die Durchsicht brachte 85.047 laufende Verfahren wegen sexueller Gewalt gegen Minderjährige zutage.
In der Stadt Nîmes allein entdeckte die Justiz 3.972 unbearbeitete Verfahren bei den Ermittlungsbehörden – fast dreimal so viele wie die bislang bekannten 1.497 Fälle.