Eine große Studie zeigt: E-Zigaretten helfen beim Rauchstopp besser als Nikotinpflaster, Kaugummis und andere Hilfsmittel.
Nikotinhaltige E-Zigaretten können Menschen beim Rauchstopp helfen. Einer neuen Übersichtsarbeit zufolge wirken sie besser als andere Nikotinersatztherapien wie Pflaster oder Kaugummis.
Die Cochrane-Analyse wertete 80 Studien mit insgesamt 29.861 erwachsenen Rauchenden aus und verglich nikotinhaltige E-Zigaretten mit anderen Angeboten zur Unterstützung beim Aufhören.
„Es gibt klare Belege dafür, dass nikotinhaltige E-Zigaretten die Rauchstoppquoten nach sechs Monaten oder länger im Vergleich zur Nikotinersatztherapie erhöhen“, sagte Jamie Hartmann-Boyce, Hauptautorin der Übersichtsarbeit an der University of Massachusetts Amherst, bei einer Pressekonferenz. Nikotinhaltige E-Zigaretten steigerten die Erfolgsquote demnach um etwa 60 Prozent.
„Unsere Zuversicht in diese Daten ist hoch. Wir gehen nicht davon aus, dass künftige Studien diese Schlussfolgerungen wesentlich verändern werden“, fügte sie hinzu.
Mehr Menschen konnten mit E-Zigaretten das Rauchen aufgeben und mindestens sechs Monate lang rauchfrei bleiben als mit Nikotinersatztherapie (NRT) wie Pflastern, Kaugummis oder Sprays.
„In unserer Studienpopulation würden wir erwarten, dass sechs von 100 Personen mit Nikotinersatztherapie aufhören. Mit nikotinhaltigen E-Zigaretten könnte diese Zahl auf etwa zehn von 100 steigen“, erklärte Hartmann-Boyce.
Nikotinersatzpräparate liefern Nikotin als Ersatzstoff und lindern Entzugssymptome. Trotzdem bleiben die langfristigen Erfolgsquoten niedrig.
Laut der Auswertung hören Menschen mit nikotinhaltigen E-Zigaretten zudem eher auf zu rauchen als mit nikotinfreien Alternativen oder alleiniger verhaltensorientierter Unterstützung.
E-Zigarette ist nicht gleich E-Zigarette
Trotz der Hinweise, dass nikotinhaltige E-Zigaretten eine sinnvolle Option für ausstiegswillige Raucherinnen und Raucher sein können, warnen die Forschenden, dass die Produkte sich deutlich unterscheiden.
„Die Schäden, von denen wir häufig hören, stammen überwiegend von nicht regulierten Verdampfungsgeräten, die Inhaltsstoffe enthalten, von denen wir wissen, dass sie der Gesundheit schaden. Sie können psychoaktive Substanzen außer Nikotin enthalten – etwa THC, den Hauptwirkstoff von Cannabis“, so Hartmann-Boyce.
Sie betonte, dass die in der Übersichtsarbeit berücksichtigten Produkte in kontrollierten Studien eingesetzt und für den Verkauf reguliert werden. Sie können sich damit deutlich von Produkten unterscheiden, mit denen Menschen im Alltag in Kontakt kommen.
Die Forschenden weisen zudem darauf hin, dass zu den Auswirkungen neuerer Typen von E-Zigaretten weitere Daten nötig sind.
Wege aus der Tabaksucht
Tabakabhängigkeit beruht nicht nur auf der Wirkung von Nikotin. Eine wichtige Rolle spielen auch soziale und verhaltensbezogene Faktoren, wie die Forschenden erklären.
Ein Rauchstopp bringt erhebliche gesundheitliche Vorteile. Trotzdem fällt es vielen Menschen schwer, dauerhaft aufzuhören, obwohl die meisten Raucherinnen und Raucher ihren Konsum beenden möchten.
Fast die Hälfte derjenigen, die ohne Unterstützung aufhören wollen, schafft es nicht einmal eine Woche lang. Weniger als fünf Prozent sind ein Jahr nach dem Ausstieg noch rauchfrei.
Vor diesem Hintergrund sehen die Forschenden weiteren Forschungsbedarf zu alternativen Hilfsmitteln.
„Es besteht großes Interesse daran, Produkte zur Raucherentwöhnung zu entwickeln, die nicht nur die unangenehmen Effekte des Nikotinentzugs lindern. Sie sollen auch das Rauchverhalten sowie Rituale und Sinneseindrücke rund um das Rauchen wirksam ersetzen – allerdings ohne die Gesundheitsrisiken, die mit dem Einatmen von Tabakrauch verbunden sind“, schreiben sie.