Die Elektrizitätsinfrastruktur ist in der Region Leiria durch den Sturm stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Rund 450.000 Kunden waren zunächst ohne Strom. Auch Wasserversorgung und Telekommunikation sind betroffen.
Nach dem Durchzug des Sturmtiefs Kristin über das portugiesische Festland geht es ans Aufräumen. Die zentralportugiesische Region Leiria wurde am stärksten getroffen. Allein hier sind drei Todesopfer zu beklagen, und ein Teil der Bevölkerung ist noch immer ohne Strom, Wasser und Telekommunikation.
Die Gemeinde hat nun mit umgestürzten Bäumen, stark beschädigten Häusern, Geschäften und Sportanlagen, mit Straßensperrungen und Verkehrsbeschränkungen, Schulschließungen und schweren Schäden an der elektrischen Infrastruktur zu kämpfen.
Die Auswirkungen auf die Hoch-, Mittel- und Niederspannungsleitungen im Bezirk Leiria seien "sehr groß", erklärte der Staatssekretär für Energie, Jean Barroca, gegenüber der Nachrichtenagentur Lusa. Nur 6 von 13 Umspannwerken seien in Betrieb. Genau in diesem Bezirk befindet sich der Großteil der mehr als 400.000 Kunden, die ohne Strom geblieben sind.
Der portugiesische Stromversorger E-Redes prüfte nach Angaben der Gemeindeverwaltung die Möglichkeit, ein mobiles Umspannwerk zu installieren, damit die Versorgung so schnell wie möglich wiederhergestellt werden kann.
"Es hat keinen Sinn, Erwartungen zu wecken. Was ich garantieren kann, ist, dass die größtmöglichen Anstrengungen unternommen werden, um eine provisorische Antwort zu geben und die Hochspannungsverbindungen wiederherzustellen, damit sie dann wieder normal funktionieren können", erklärte Ministerpräsident Luís Montenegro, der am Donnerstagnachmittag in die Stadt Leiria gekommen war.
Der Regierungschef teilte mit, dass Portugal mit der Europäischen Kommission in Kontakt stehe, um "die beste Form der Finanzierung" für die Unterstützung der betroffenen Familien und Unternehmen zu finden. Eine Schätzung der benötigten Summe habe er aber noch nicht.
"Dies ist kein Problem, das ausschließlich Portugal betrifft, und deshalb werden wir alle uns zur Verfügung stehenden Solidaritätsmechanismen nutzen. Offen gesagt bitten und hoffen wir, dass auch andere Mittel zur Behebung der Schäden schneller zur Verfügung stehen", sagte Montenegro mit Blick auf die Versicherungsgesellschaften.
Die Präsidentin der Europäischen Kommission drückte dem Land ihr "tiefes Mitgefühl" für die durch den Sturm verursachten Todesopfer und Schäden aus und versicherte, dass die EU bereit sei, den Wiederaufbau zu unterstützen.
"Ich habe mit dem portugiesischen Ministerpräsidenten Luís Montenegro gesprochen, um ihm mein tiefes Mitgefühl angesichts der extremen Auswirkungen des Sturms Kristin in Portugal auszusprechen. Der Verlust von Menschenleben und die Zerstörung der Infrastruktur sind verheerend", schrieb Ursula von der Leyen auf der Plattform X.
Leirias Bürgermeister Gonçalo Lopes erklärte, dass die Grundversorgung mit Strom, Wasser und Telekommunikation in den nächsten Tagen wiederhergestellt werden sollte, machte aber deutlich, dass die Reparatur und der Wiederaufbau einiger Wohn-, Geschäfts- und Sportinfrastrukturen viel länger dauern werden, in einigen Fällen mehrere Jahre.
Lebensmittelsammelstelle
Die Stadtverwaltung hat im Untergeschoss einer Sporthalle der Stadt eine zentrale Verteilstelle für Hilfsgüter wie Lebensmittel, Hygieneartikel und Planen für beschädigte Dächer eingerichtet. Sturmböen, die in der Gemeinde 178 km/h erreichten, hatten Dachziegel und Bäume weggerissen.
Aus Angst vor Versorgungsengpässen deckten sich viele Einwohner in den Supermärkten mit dem Lebensnotwendigen ein, es bildeten sich lange Warteschlangen und der Zugang musste teilweise begrenzt werden. Viele Regale wurden leergekauft. Mehrere Personen berichteten Euronews, dass das Angebot an Trinkwasser in den Supermärkten bereits zur Neige gehe.
In einem Update am Mittwochmorgen hatte der Bürgermeister von Leiria beklagt, dass die Auswirkungen des Kristin-Tiefs auf die Gemeinde dreimal so groß seien wie die des Stromausfalls von 2025.