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Ukraine fordert von Ungarn beschlagnahmtes Geld und Gold zurück, sagen Behörden in Kyjiw zu Euronews

Andriy Pyshnyy, Gouverneur der ukrainischen Nationalbank, spricht auf einem Forum während der Jahrestagung von Weltbank und IWF in Washington, Mittwoch, 23. Oktober 2024.
Andriy Pyshnyy, Gouverneur der ukrainischen Nationalbank, spricht auf einem Forum während der Jahrestagung von Weltbank und IWF in Washington, Mittwoch, 23. Oktober 2024. Copyright  AP Photo
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Von Sasha Vakulina
Zuerst veröffentlicht am
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Die Ukraine bittet auch die EU um Hilfe, um das von Ungarn in der vergangenen Woche beschlagnahmte Geld und Gold zurückzubekommen. Budapest will die Wertsachen bis zu 60 Tage lang einbehalten.

Die Ukraine strebt rechtliche Schritte gegen Ungarn an, das teilten die Behörden in Kyjiw im Gespräch mit Euronews mit.

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Die Nationalbank der Ukraine (NBU) erklärte, dass sie "eine unabhängige internationale Prüfung der Prozesse und der vertraglichen Beziehungen aller am Devisentransit Beteiligten einleitet". Hintergrund der Ermittlungen ist die Beschlagnahme von mehreren Millionen US-Dollar und Euro sowie 9 Kilo schwere Goldbarren, die aus Österreich über Ungarn in die Ukraine transportiert werden sollten. Sieben Sicherheitsmänner waren vorübergehend festgenommen worden.

"Der Gouverneur der Nationalbank Andriy Pyshnyy hat offizielle Briefe an die europäischen Partner geschickt, um sicherzustellen, dass dieser Vorfall nicht unbeantwortet bleibt", verlautete von der ukrainischen Nationalbank.

Die NBU erklärte, sie habe ihre Appelle an die Führung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt, die Österreichische Zentralbank, die Generaldirektion für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und Kapitalmärkte (DG FISMA) der Europäischen Kommission, das Büro der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas und andere Stellen in der EU gerichtet.

"Wir sind überzeugt, dass die Rechtsstaatlichkeit ein zentraler Wert innerhalb der EU bleiben muss. Die willkürlichen Handlungen der ungarischen Seite untergraben die europäischen Bemühungen, die Ukraine zu unterstützen und stellen eine Bedrohung für die institutionelle Kapazität und den Ruf der gesamten Europäischen Union dar", sagte Bankchef Pyshnyy im Gespräch mit Euronews.

"Wir haben entsprechende Anfragen an unsere Partner geschickt. Sie müssen in der Lage sein, alle notwendigen Informationen und Zugang zu Dokumenten zu erhalten und ihre Einschätzung der Handlungen der ungarischen Seite abzugeben", erläuterte er.

Die NBU bekräftigte auch, dass sie sich für eine transparente und umfassende Untersuchung einsetzt, um alle Fragen aufzuklären und eventuelle Manipulationen auszuräumen.

Die staatliche ukrainische Oschadbank, deren Mitarbeiter und Wertsachen in Ungarn festgesetzt wurden, hat der Nationalbank "einen vollständigen Satz von Belegen vorgelegt, die die Rechtmäßigkeit des Transports der Wertsachen durch Ungarn und die Anwesenheit des Bargeldabholteams, das die Ladung begleitet hat, bestätigen".

"Die zuständigen Dienststellen der NBU haben diese Dokumente geprüft und keine Vorbehalte festgestellt", teilte die Bank mit.

Budapest hält ukrainisches Geld für 60 Tage zurück

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat die Regierung angewiesen, Bargeld und Gold, die beschlagnahmt wurden, bis zu 60 Tage lang aufzubewahren, da die Ermittlungen noch andauern.

Die ungarischen Behörden hatten am 5. März 2026 zwei Fahrzeuge der staatlichen ukrainischen Oschadbank gestoppt, die 40 Millionen Dollar, weitere 35 Millionen Euro und 9 Kilogramm Gold von Österreich über Ungarn in die Ukraine transportierten.

Budapest brachte die Beschlagnahme der Ladung mit dem Verdacht der Geldwäsche in Verbindung.

Der ungarische Verkehrsminister János Lázár behauptete, der Regierung lägen Beweise dafür vor, dass die Ukraine die oppositionelle Thisza-Partei finanziere, die in Umfragen vor den Wahlen im April vor Partei Fidesz von Ministerpräsident Viktor Orbán liegt.

Die staatliche ukrainische Oschadbank bestritt jegliche Verbindungen zur ungarischen Opposition und erklärte, dass die Fahrzeuge eine Routineüberweisung von der österreichischen Raiffeisenbank nach Kiew durchführten. Die NBU sagte Euronews, dass der Transit Routine sei.

"Der Transport von Bargeld nur auf dem Landweg ist die Norm, seit Russland seine groß angelegte Invasion der Ukraine begann", so die NBU. Vor dem Krieg seien solche Wertsachen auf dem Luftweg transportiert worden.

"Die Nachfrage nach Bargeld hat objektive Gründe, die mit dem Krieg zu tun haben".

Auf die Frage, ob neben Ungarn auch andere Länder von ähnlichen Transporten seit dem Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine Anfang 2022 betroffen waren, erklärte die NBU gegenüber Euronews: "Die Routen, die für den Transport von Wertgegenständen verwendet werden, sind geheime Informationen".

"Gleichzeitig hat die Nationalbank der Ukraine mit allen Banken kommuniziert, die grenzüberschreitende Werttransporte durchführen, und ihnen empfohlen, alternative Logistikrouten zu entwickeln, die Reisen durch Länder ausschließen, in denen das Risiko besteht, dass der Transport blockiert wird", sagte die NBU.

Die Regierung in Kyjiw hat die Beschlagnahme der Oschadbank-Transporte als "Staatsterrorismus" verurteilt und die Rückgabe der Gelder gefordert.

Derzeit arbeiten die Oschadbank und ihre Anwälte daran, alle Umstände des Falles zu klären und stehen in Kontakt mit der ungarischen Seite. Sie wollen vor allem die Interessen des Finanzinstituts und seiner Mitarbeitenden schützen, bestätigte die NBU gegenüber Euronews.

Am Montag legte die Fidesz dem Parlament einen Gesetzesentwurf vor, der die Beschlagnahmung von ukrainischem Bargeld und Gold bis zum Abschluss der Ermittlungen legalisiert.

"Ungarn gerät in eine Spirale der Gesetzlosigkeit", reagierte der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha und bezeichnete den Gesetzesentwurf als "faktische Anerkennung der Tatsache, dass Ungarns Handlungen jeder rechtlichen Grundlage entbehren".

Der Vorfall markiert eine weitere Eskalation in den bereits angespannten Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

"Physischer und psychischer Druck" auf inhaftierte Mitarbeiter

Das ukrainische Außenministerium erklärte, sieben Mitarbeiter der staatlichen Oschadbank seien während ihrer 28-stündigen Inhaftierung in Ungarn "physischem und psychischem Druck" ausgesetzt gewesen.

Kyjiw hat die Festnahme als "Geiselnahme" verurteilt.

Nach Angaben des Ministeriums wurden die Mitarbeiter offiziell als Zeugen eingestuft, aber mit verbundenen Augen und in Handschellen transportiert. An der Festnahme waren ein gepanzerter Mannschaftswagen und mit Maschinengewehren bewaffnete Beamte der Anti-Terror-Einheit beteiligt, die die Operation durchführten.

Die ungarischen Behörden beschlagnahmten die persönlichen Gegenstände der Festgenommenen, darunter auch Mobiltelefone, und hinderten sie daran, ihre Angehörigen über ihren Verbleib zu informieren, hieß es in Kyjiw.

Die meisten persönlichen Gegenstände wurden nach ihrer Freilassung nicht zurückgegeben.

Das ukrainische Außenministerium teilte außerdem mit, dass sich der Gesundheitszustand eines der Inhaftierten, der an Diabetes leidet, während der Haft verschlechterte. Berichten zufolge bekam er erst medizinische Hilfe, nachdem er das Bewusstsein verloren hatte.

Der Person wurde ein Medikament gespritzt, das den Blutzuckerspiegel stark ansteigen ließ und Bluthochdruck verursachte, woraufhin der Mann ins Krankenhaus eingeliefert wurde, so das Ministerium.

Kyjiw teilte mit, dass den Mitarbeitern der Oschadbank der Zugang zu einem Rechtsbeistand verweigert wurde und sie trotz wiederholter Bitten sowohl der Inhaftierten als auch der Botschaft nicht mit einem Konsul zusammenkommen durften.

Das ukrainische Außenministerium erklärte außerdem, dass den Inhaftierten "unter Verstoß gegen alle allgemein anerkannten Normen" das Recht verweigert wurde, in ihrer Muttersprache Ukrainisch auszusagen, und sie stattdessen auf Russisch befragt wurden.

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