Neu entdeckte Karte aus dem 17. Jahrhundert wirft neues Licht auf William Shakespeares Leben im pulsierenden London seiner Zeit.
Fans von William Shakespeare – und alle, die kürzlich Hamnet gesehen haben – wissen, dass der berühmte Dramatiker aus Stratford-upon-Avon stammt. Berühmt wurde er jedoch in London. In der britischen Hauptstadt sind heute nur noch wenige Spuren von ihm zu finden.
Nun wirft eine neu entdeckte Karte aus dem 17. Jahrhundert neues Licht auf Shakespeares Leben in London. Sie zeigt erstmals den genauen Standort des einzigen Hauses, das er in der Stadt kaufte – möglicherweise der Ort, an dem er an seinen letzten Stücken arbeitete.
Die Shakespeare-Expertin Prof. Lucy Munro vom King’s College London hat Lage und Größe des Hauses rekonstruiert, das er 1613 erwarb.
„Ich bin in den London Archives zufällig darauf gestoßen, als ich eigentlich nach etwas anderem gesucht habe“, sagt Munro.
Sie fand insgesamt drei Dokumente – zwei aus den London Archives und eines aus den National Archives –, die weitere Details liefern.
Längst war bekannt, dass der Dramatiker ein Haus im Stadtteil Blackfriars besaß. Das Gelände gehörte ursprünglich zu einem Dominikanerkloster aus dem 13. Jahrhundert. Bisher gingen Forschende davon aus, dass das Gebäude in der Nähe des Torhauses lag. Die neue Entdeckung zeigt nun: Wir kennen Größe (eher bescheiden), Grundriss (L-Form) und exakte Lage. Das Grundstück entsprach in etwa dem heutigen östlichen Ende von Ireland Yard, dem unteren Teil der Burgon Street und Teilen der Häuser an der Adresse 5 Burgon Street und 5 St Andrew’s Hill.
Die Forschung ergibt auch: Die blaue Gedenktafel für Shakespeare an der St Andrew’s Hill hängt nicht „in der Nähe“ seines Londoner Hauses, sondern genau an dessen ehemaligem Standort.
Die beiden anderen Dokumente befassen sich mit dem Verkauf des Blackfriars-Hauses durch Shakespeares Enkelin im Jahr 1665.
Ob Shakespeare selbst in seinem Londoner Haus lebte oder es nur vermietete, ist unklar. Munro verweist jedoch auf die Größe des Gebäudes und die Lage, nur fünf Gehminuten vom Blackfriars Theatre entfernt. Beides spreche dafür, dass er gegen Ende seines Lebens mehr Zeit in London verbrachte, als bisher angenommen. Vermutlich arbeitete er hier an seinen späten Stücken „Henry VIII“ und „The Two Noble Kinsmen“, die er gemeinsam mit John Fletcher schrieb.
Mit den Einnahmen aus seinen Stücken ließ Shakespeare in Stratford ein Familienhaus bauen, das heute nicht mehr steht. Die Stadt liegt rund 160 Kilometer nordwestlich von London. Dort starb er 1616 im Alter von 52 Jahren.