Seit Beginn des Kriegs im Nahen Osten sind Langstreckenflüge von London, Frankfurt und Paris nach Südostasien deutlich teurer geworden. Einige Billigfluggesellschaften aber waren in der Lage, Preise zu senken. Warum?
Der Krieg in Iran hat die Energie- und Treibstoffpreise in die Höhe getrieben. Zugleich zeichnet sich ein Trend ab, von dem Reisende profitieren könnten.
Nach einer Auswertung der Flugsuchmaschine FlightsFinder.com haben einige Billigfluggesellschaften ihre Tarife deutlich gesenkt, um etwa zehn bis 30 Prozent. Betroffen sind vor allem Ryanair, WizzAir und EasyJet.
"Unsere Preishistorie zeigt in den vergangenen Monaten einen stetigen Rückgang", sagte Gründer Shahab Siddiqui gegenüber Europe in Motion. So seien „Verbindungen aus dem Vereinigten Königreich zu europäischen Zielen wie Nizza, Palma und Barcelona um zehn bis 30 Prozent gefallen“.
Fachleute sehen die Preissenkungen als Teil einer Strategie, Reisen für potenzielle Kundinnen und Kunden möglichst attraktiv zu machen. So wollen Airlines die schwache Nachfrage und die höheren Verluste abfedern, mit denen die Branche derzeit kämpft.
Solche Niedrigpreise werden durch sogenanntes Treibstoff-Hedging möglich. Damit sichern sich Airlines für einen bestimmten Zeitraum feste oder gedeckelte Kerosinpreise. Langfristig lassen sich diese Kampfpreise aber nicht halten, warnt Siddiqui.
"Diese Absicherungen laufen in der zweiten Jahreshälfte aus. Dann rechnen wir mit einem breiten Preissprung auf nahezu allen innereuropäischen Strecken."
Krieg in Iran: Wie stark steigen die Flugpreise?
Wer innerhalb Europas Urlaub macht, findet derzeit oft noch günstige Tickets. Für Fernreisen sieht es jedoch schlechter aus. Ziele außerhalb Europas spüren die Folgen von Störungen im Flugverkehr und stark steigenden Treibstoffkosten durch den Konflikt im Nahen Osten deutlich stärker.
Besonders betroffen sind wichtige Korridore zwischen Asien und Europa. Nach Daten von FlightFinder sind die Preise dort in den vergangenen Wochen um fast 300 Prozent gestiegen.
Auf der Strecke London–Singapur kam es zu einem der stärksten Anstiege. Durchschnittstarife kletterten von rund 600 Euro auf fast 1.800 Euro. Ähnlich stark verteuerten sich Flüge von London nach Bangkok, hier verzeichnete FlightFinder ein Plus von 273 Prozent.
Zu den aktuell teuersten Tickets zählen Hin- und Rückflüge auf den Routen Frankfurt–Singapur und Paris–Bangkok. Sie kosten derzeit im Schnitt etwa 2.800 Euro.
Einige Airlines reagierten mit massiven Preisaufschlägen. Andere strichen Flüge komplett. KLM nahm nach Angaben von FlightFinder Dutzende Verbindungen aus Kostengründen aus dem Programm.
Weitere Fluggesellschaften versuchen, die höheren Kosten über Zuschläge hereinzuholen: Air France und Lufthansa haben laut FlightFinder auf allen Mittel- und Langstrecken einen Aufpreis von zehn Euro eingeführt.
Welche Airlines leiten Flüge um - und wohin?
Überflüge über die üblichen Drehkreuze Abu Dhabi, Dubai und Doha gelten als riskanter. Einige Airlines weichen deshalb auf Istanbul und Kairo aus. Für Ziele im Indischen Ozean wie die Seychellen nutzen sie zum Teil auch Routen über Äthiopien.
"Passagiere werden aktiv auf Turkish Airlines umgebucht, um dank Allianzpartnern einen Zwischenstopp in Istanbul einzulegen und die Golfstaaten zu umgehen", heißt es im Bericht von FlightsFinder.
Andere Gesellschaften wie British Airways und Cathay Pacific setzen stärker auf Direktflüge nach Asien und verzichten ganz auf Stopps am Golf. Sie haben jeweils einen zusätzlichen wöchentlichen Direktflug nach Bangkok und Singapur aufgelegt.
Wie können Reisende Zeit- und Geldverluste begrenzen?
FlightFinder warnt, dass Langstreckenflüge derzeit im Schnitt ein bis vier Stunden länger dauern können. Ehemals direkte Verbindungen enthalten nun zusätzliche Stopps, etwa zum Tanken oder wegen Umleitungen.
Reiseexpertinnen und -experten empfehlen deshalb, mindestens drei Stunden Umsteigezeit einzuplanen. "Staus im Luftraum können die Flugpläne durcheinanderbringen“, heißt es.
Außerdem raten sie zu flexiblen Tickets, um bei größeren Störungen umbuchen zu können, und dazu, Erstattungen zu beantragen, wenn eine Route massiv beeinträchtigt ist.
Gibt es bei Flügen außerhalb Europas automatisch Geld zurück?
Nein. Anders als in der EU oder in Ländern wie den USA und dem Vereinigten Königreich sind Erstattungen weltweit nicht automatisch garantiert.
Passagiere sollten sich vor der Reise über die jeweiligen nationalen Regeln und die Beförderungsbedingungen der Airline informieren.
Eine weitere Empfehlung lautet: so leicht wie möglich reisen. Gepäcksysteme stehen zunehmend unter Druck, weil Flugzeuge kurzfristig umgeleitet und über alternative Drehkreuze geführt werden.
"Wer aufgegebenes Gepäck hat, sollte einen smarten GPS-Tracker wie einen Apple AirTag in den Koffer legen. So lässt sich das Gepäck leichter finden, falls es durch chaotische Verbindungen verloren geht", empfiehlt FlightsFinder.