Die jüngsten Werke des französischen Landkünstlers Saype sind derzeit an den hohen Hängen des Schweizer Ferienorts Villars-sur-Ollon zu sehen – und beginnen bereits, langsam zu verblassen.
Vieles von Saypes Arbeiten kreist um kindliches Spiel, doch einfach sind sie nicht. Im Zentrum stehen Kindheitserfahrungen, die der französische Künstler als fortlaufendes Abenteuer beschreibt: ein Kind, das nach und nach zum „Autor seines eigenen Schicksals“ wird. Zugleich sollen seine Bilder daran erinnern, dass die Möglichkeiten grenzenlos sind.
Genau deshalb hat sich Saype die Gipfel des Schweizer Skigebiets Villars-Gryon-Diablerets ausgesucht. Dort präsentiert er seine neuesten Werke: riesige, vergängliche Fresken, gemalt mit umweltfreundlichen Farben und Materialien.
Saype, der mit bürgerlichem Namen Guillaume Legros heißt, sagt: „Das ist die Art von Kunst, die ich auf der ganzen Welt schaffe. Sie gehört zu einer Serie, die vor vier Jahren in Villars begonnen hat. Seither erzähle ich dort eine Geschichte, die sich über mehrere Jahre hinwegentwickelt – und meist sind es die Kinder, die sie Jahr für Jahr weiterführen oder selbst neu erfinden.“
Die Werke entstehen vor allem aus Kreide und Holzkohle. Sie wirken zugleich eindringlich und gewaltig. Die Natur spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie macht die Zerbrechlichkeit der Umwelt sichtbar und unterstreicht, wie kurzlebig diese Kunst ist.
„Die Herausforderung ist zweifach. Körperlich, denn der Hang ist ziemlich steil. Und dann ist da das Wetter. Ich musste mit Gewittern, Wind und Regen klarkommen. Genau das macht es für mich immer kompliziert“, erklärt Saype.
Von New York bis Nairobi: Saypes spektakuläre Arbeiten sind bereits rund um den Globus zu sehen gewesen – auf Gras, Erde, Sand und Schnee.
Jedes Werk soll langsam, aber mit Absicht verschwinden. So will der Künstler die Herausforderungen betonen, mit denen Gesellschaften und die Menschheit insgesamt ringen.
Saypes zweites Fresko, geschaffen am Bretaye-Pass, zeigt ein Kind, das Sonne und Wolken zeichnet. Das Bild gehört zu einem Diptychon; der zweite Teil liegt etwas weiter unten im Ferienort.
„Ich habe zum ersten Mal Farbe in meinen Zeichnungen verwendet. Die Kinder lassen sich vom Kosmos inspirieren, von Abenteuern und von dem, was sie beobachten. Zum ersten Mal bringen sie das in Zeichnungen ein – und diese Zeichnungen erwachen zum Leben. Deshalb habe ich Farbe hinzugefügt. Es fühlt sich an, als würde sich der Himmel in den Zeichnungen spiegeln. Meine Idee ist, zu zeigen, dass der Kosmos wie ein Fenster zur Welt wirkt“, sagt Saype.
Wer Saypes neueste vergängliche Werke sehen will, hat allerdings nicht mehr viel Zeit. Wegen der großen Trockenheit in der Schweiz ist das Gras bisher kaum gewachsen. Vorhergesagte Regenfälle und Gewitter werden das Bild jedoch rasch verändern.
Für Saype ist das Ende seiner Werke immer bittersüß, aber dennoch ein Moment, den er feiert.
„Ich liebe diesen Moment, denn am Ende holt sich die Natur zurück, was ich geschaffen habe. Grundsätzlich denke ich, dass man es bis Ende August ohne größere Probleme sehen kann.“