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Insel Gökçeada: Mariä Himmelfahrt lässt griechische Vergangenheit aufleben

Das Dorf Dereköy auf Gökçeada
Das Dorf Dereköy auf Gökçeada Copyright  Wikipedia
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Von Buse Keskin & AFP
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Jedes Jahr zum 15. August kehren die Griechen von Gökçeada, einst Imbros, zum Fest Mariä Himmelfahrt auf die Ägäis-Insel zurück. Die alte Kultur wird wieder lebendig.

Die türkische Insel Gökçeada in der Ägäis, einst Imbros, wird jedes Jahr am 15. August zum Treffpunkt für die Griechinnen und Griechen, die die Insel einst verlassen haben, und ihre Familien. Die Gottesdienste und Veranstaltungen zum Fest Mariä Himmelfahrt machen die alte griechische Kultur der Insel wieder sichtbar. Zugleich wird darüber nachgedacht, wie dieses kulturelle Erbe in Zukunft erhalten werden kann.

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Für den 77-jährigen Dino Haimandos ist Gökçeada nicht einfach eine Insel für Sommerbesuche, sondern die Heimat seiner Kindheit. Er verließ die Insel in den 1960er Jahren, als der Zypernkonflikt die Spannungen zwischen der Türkei und Griechenland anheizte. Jahrzehnte später sagt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP, dass er sich hier noch immer wie zu Hause fühle:

"Ich bin hier geboren und fühle mich noch immer zu Hause. Ich liebe die Straßen, ich liebe die Menschen. Ich bin mit ihnen zur Schule gegangen, wir kamen gut miteinander aus."

Jedes Jahr am 15. August kehren viele Menschen zum Fest Mariä Himmelfahrt nach Gökçeada zurück. An der Spitze einer der bekanntesten Söhne der Insel, der Ökumenische Patriarch Bartholomäos I. Der 86jährige Patriarch steht im Zentrum dieses Treffens und reist jedes Jahr auf seine Geburtsinsel, um die traditionelle Liturgie zu leiten.

Gökçeada, einst İmroz - vom griechischen Imvros (deutsch Imbros) - und die Nachbarinsel Bozcaada gehörten zu den wenigen Gebieten, die 1923 von dem zwischen der Türkei und Griechenland vereinbarten Bevölkerungsaustausch im Rahmen des Vertrags von Lausanne ausgenommen waren. Die Griechinnen und Griechen in Istanbul sowie auf diesen beiden Inseln durften bleiben; ebenso blieb die muslimische türkische Minderheit in Westthrakien von der Umsiedlungspflicht verschont.

Die internationalen Spannungen rund um die Zypernfrage in den 1960er- und 1970er-Jahren wirkten sich auch auf das gesellschaftliche Leben auf Gökçeada aus. Verwaltungsentscheidungen jener Zeit und der Bau eines offenen Gefängnisses auf der Insel verunsicherten viele Bewohnerinnen und Bewohner. In diesem politischen und sozialen Klima entschieden sich zahlreiche griechische Familien, die Insel zu verlassen und in andere Regionen oder Länder auszuwandern. Die Insel wurde 1970 offiziell in Gökçeada umbenannt.

Der Hirte Yorgi Baki, heute über sechzig, erinnert sich, wie schwierig diese Zeit für die Menschen vor Ort war und wie sehr er sich schon als Kind um die Sicherheit sorgte. Der aus Athen angereiste 59jährige Unternehmer Kristo Vogiatzis betont, dass das Zusammenleben der türkischen und griechischen Nachbarn im Alltag meist konstruktiv war und die eigentlichen Spannungen aus der Politik der Region herrührten.

Die militärischen und politischen Ereignisse auf Zypern im Jahr 1974 veränderten die Kräfteverhältnisse im östlichen Mittelmeer. Auf Gökçeada beschleunigten sie den Wandel der Bevölkerungsstruktur und den Rückgang der griechischen Gemeinschaft.

Kulturelles Erbe lebendig halten

Der 15. August ist ein besonderer Tag für Familien mit Wurzeln auf Gökçeada, die heute über die ganze Welt verstreut leben. Wenn die Kirchenglocken läuten und auf den Straßen wieder griechische Grüße zu hören sind, tauchen für kurze Zeit Szenen des vielfältigen sozialen Lebens von damals auf. Und das Fest bringt heute Mitglieder der griechischen und türkischen Gemeinschaft zusammen.

Zu den Menschen, die das kulturelle Erbe lebendig halten, gehört der auf der Insel geborene 52jährige Musiker Stelyo Berber. Gemeinsam mit seiner Frau Pelin betreibt er in Zeytinliköy ein Steinhaus, in dem die beiden traditionelle Rebetiko-Lieder spielen. Diese Musik, die von Migration, Ferne und Sehnsucht erzählt, ist eng mit der kollektiven Erinnerung der Insel verbunden.

Berber, der in Istanbul und Ankara aufwuchs und vor fünf Jahren auf die Insel zog, erinnert daran, dass seit der Wiedereröffnung einer griechischen Schule auf Gökçeada im Jahr 2013 hunderte Menschen zurückgekehrt sind – manche für einige Monate, andere dauerhaft. Angesichts von rund 7.000 ständigen Einwohnerinnen und Einwohnern, deren Zahl im Sommer auf etwa 30.000 steigt, bleibt diese Rückkehrwelle jedoch begrenzt. Um das kulturelle Erbe zu bewahren, sei daher kontinuierliches Engagement nötig, sagt er.

Dörfer und ihr Erbe: Steinhäuser und Erinnerungen

Vogiatzis, der heute in Athen lebt, beobachtet, dass jüngere Generationen in anderen Ländern aufwachsen und ihre Bindung zur Insel sich mit der Zeit verändert. Zugleich stellt er fest, dass auf Gökçeada das Interesse an der Restaurierung historischer Steinhäuser und an Immobilien generell wächst.

Dereköy (Doyran), einst eines der lebendigsten Dörfer Gökçeadas, fällt heute vor allem durch seine Ruhe auf. Zwischen den verfallenden Steinhäusern sind die Spuren der Vergangenheit der Insel noch immer präsent – leise, aber sichtbar. Durch die Ruinen der Häuser ziehen inzwischen nur noch die Ziegen des Hirten Yorgi.

Ähnliche Veränderungen lassen sich auch auf Bozcaada beobachten. Obwohl nur noch wenige ältere Griechinnen und Griechen auf der Insel leben, versuchen lokale Initiativen, das historische Gedächtnis des Ortes zu bewahren. Hakan Gürün, der in den 1980er Jahren aus Istanbul nach Bozcaada zog, will mit einem privaten Museum dazu beitragen.

In dem Museum sind zahlreiche Alltagsobjekte zu sehen – von Bonbonverpackungen und Spitzenarbeiten über Gebetbücher bis hin zu Postkarten französischer Soldaten, die während des Çanakkale-Kriegs 1915 auf der Insel stationiert waren.

Während aus einem Café die Stimme der legendären griechischen Schauspielerin und Sängerin Melina Mercouri erklingt, verweist Gürün auf den Wandel der Inselidentität. "Selbst wenn die Griechinnen und Griechen die Insel verlassen haben, laufen in den Restaurants noch immer ihre Lieder", sagt er und erinnert damit an den reichen Erinnerungsschatz Bozcaadas.

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