In dieser Folge von The Ring, aufgezeichnet an der Nova School of Business and Economics in Lissabon, geht es um den Ausgang der Präsidentenwahl in Portugal und was er für das Land und für Europa bedeutet.
Mariana Corrêa begrüßt zwei Gäste mit direkter Erfahrung in den europäischen Institutionen: Carlos Coelho, ehemaliger Europaabgeordneter der Europäischen Volkspartei, und André Franqueira Rodrigues, derzeitiger Europaabgeordneter der Fraktion der Socialists & Democrats.
Zehn Tage nach der Stichwahl versucht Portugal noch immer, die Bedeutung eines historischen Wahlsiegs einzuordnen. Am achten Februar setzte sich António José Seguro mit rund zwei Dritteln der Stimmen gegen André Ventura durch. Er stoppte damit den Aufstieg der radikalen Rechten ins Präsidentenamt und errang einen der größten Vorsprünge in der demokratischen Geschichte Portugals.
Der Sieg fiel eindeutig aus, doch die politische Landschaft danach wirkt deutlich komplizierter. Das Ergebnis spiegelte eine breite Mobilisierung wider: von der Mitte‑links bis in Teile der Mitte‑rechts. Viele wollten einen populistischen Durchbruch verhindern. Für zahlreiche Wählerinnen und Wähler war die Unterstützung für Seguro weniger ein ideologisches Bekenntnis, sondern vor allem eine Haltung zur Verteidigung demokratischer Normen in einem zunehmend polarisierten Umfeld.
Gleichzeitig zeigt der starke Rückhalt für Ventura, dass es tiefe Spannungen in der portugiesischen Gesellschaft gibt: Sorgen über Migration, wirtschaftlichen Druck und Misstrauen gegenüber Institutionen. Die radikale Rechte hat diese Wahl verloren, festigt sich aber weiter als bedeutende politische Kraft. Das deutet auf einen strukturellen Wandel im traditionellen Parteiensystem des Landes hin.
In einem immer stärker zersplitterten politischen Umfeld übernimmt Seguro vor allem eine moderierende Rolle. Zugleich verfügt er über erheblichen Einfluss auf die Stabilität der Regierung. Kann er zu einem reformorientierten Präsidenten werden? Gelingt es ihm, in zentralen Bereichen wie Gesundheitswesen, Wohnungsbau oder Arbeitsmarktreformen Kompromisse zu schmieden? Und lässt sich Stabilität in einem zunehmend dreigeteilten System überhaupt sichern?
Die Auswirkungen reichen über Portugal hinaus. In einer Phase, in der sozialistische Parteien in vielen Teilen Europas mit schweren Wahlniederlagen kämpfen, lässt sich dieser Sieg als Signal für neuen Schwung im sozialdemokratischen Lager verstehen. In Ländern wie Spanien, Dänemark und Estland stellen Sozialdemokraten bereits die Regierung. Stärkt das Ergebnis in Portugal eine progressive Achse in Europa, oder handelt es sich eher um einen spezifischen nationalen Kontext, geprägt von einer Abstimmung zur Eindämmung der radikalen Rechten?
Auf europäischer Ebene begrüßten mehrere Staats- und Regierungschefs den Wahlausgang. António Costa, Präsident des Europäischen Rates, hob die „Wertschätzung des portugiesischen Volkes für die Demokratie“ hervor. Doch stand die Demokratie in Portugal tatsächlich ernsthaft auf dem Spiel? Und welche Rolle sollte das Land in einem Europa übernehmen, das von Krieg, steigenden Verteidigungsausgaben und wachsenden Haushaltszwängen geprägt ist?
Diese Ausgabe von The Ring präsentiert Mariana Corrêa. Produziert wurde sie von Luis Albertos und Amaia Echevarria. TV-Regie und Schnitt: Vassilis Glynos.
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