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Wer sind die russischen Desinformationsakteure, die von der EU sanktioniert wurden?

DATEI: Zusammenstellung von Associated Press, BFM und Sud Radio
DATEI: Zusammenstellung von Associated Press, BFM und Sud Radio Copyright  @AP, BFM, Sud Radio
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Von Estelle Nilsson-Julien & Tamsin Paternoster
Zuerst veröffentlicht am
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Ein ehemaliger Soldat, ein kremlnaher Blogger und zwei TV-Moderatoren aus dem russischen Staatsapparat: Die EU wirft vier Männern vor, gezielt Desinformation über den Krieg gegen die Ukraine verbreitet zu haben. Wer sind die neuen Gesichter auf der Sanktionsliste?

Der Rat der Europäischen Union hat am 16. März Sanktionen gegen vier Personen verhängt, denen vorgeworfen wird, im Auftrag Russlands hybride Manipulation und ausländische Einflussnahme zu betreiben.

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Konkret bedeutet das, dass ihre Vermögenswerte eingefroren werden. Zudem ist es Bürgern und Unternehmen in der EU untersagt, ihnen Gelder oder finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.

Wer sind diese vier Personen, und auf welche Weise haben sie Desinformation über Russlands umfassenden Angriffskrieg gegen die Ukraine verbreitet?

Wer ist Adrien Bocquet?

Adrien Bocquet, ein ehemaliger Angehöriger des französischen Militärs, weitete nach dem groß angelegten Einmarsch Russlands in die Ukraine seine Aktivitäten zur Verbreitung von Kreml-Propaganda in Europa und Russland aus.

Der französische Minister für Europa und auswärtige Angelegenheiten, Jean-Noël Barrot, sagte vor Journalisten, Bocquet sei ein "Anwerber ausländischer Kämpfer in der Ukraine, verantwortlich für die Billigung von Kriegsverbrechen und auch verantwortlich für Desinformationskampagnen in Europa und Afrika".

Im Jahr 2022 wurde er von mehreren französischen Leitmedien interviewt, nachdem er behauptet hatte, von einer humanitären Reise nach Butscha zurückgekehrt zu sein. Dort habe er angeblich schwere Verbrechen der ukrainischen Armee beobachtet.

Instagram-Profil von Adrien Bocquet.
Instagram-Profil von Adrien Bocquet. @adrien.bocquet

Tatsächlich entsprachen Bocquets Aussagen der Propaganda des russischen Außenministeriums und erwiesen sich als frei erfunden.

Seitdem war Bocquet in mehreren russischen Fernsehsendern zu sehen. Außerdem produzierte er dokumentarisch aufgemachte Beiträge, in denen er die Propagandanarrative des Kremls aufgreift.

Was über den Blogger Graham Phillips bekannt ist

Phillips, ein ehemaliger Mitarbeiter des mittlerweile aufgelösten britischen Central Office of Information, begann seine Laufbahn mit Berichten über Russland und die Ukraine in einem Blog mit dem Titel "Brit in Ukraine". Er reiste 2009 erstmals in die Ukraine, um ein Fußballspiel zu besuchen.

Screenshots des inzwischen gelöschten Blogs zeigen, dass Phillips über ganz unterschiedliche Themen schrieb - von Politik, Geschichte und Fußball bis hin zu Sextourismus in der Ukraine.

Im Laufe der Zeit wurde Phillips unter kremlfreundlichen Bloggern bekannt, weil er einen eigenen YouTube-Kanal aufbaute und von der Krim berichtete, häufig in Zusammenarbeit mit dem staatlich kontrollierten russischen Sender RT, für den er als freier Mitarbeiter tätig war.

Auf diesem Foto vom Mittwoch, 7. Mai 2014, spricht der Videojournalist Graham Phillips mit seinen Kollegen im Hotel Ukraine in Slowjansk, Ukraine.
Auf diesem Foto vom Mittwoch, 7. Mai 2014, spricht der Videojournalist Graham Phillips mit seinen Kollegen im Hotel Ukraine in Slovyansk, Ukraine. AP Photo

Nach einem kurzen Aufenthalt im Vereinigten Königreich kehrte er nach dem Einmarsch Moskaus in die von Russland besetzten Gebiete der Ukraine zurück. Im April 2022 wurde er vom britischen Abgeordneten Robert Jenrick wegen Kriegsverbrechen angeklagt, nachdem er den britischen Staatsbürger Aiden Aslin befragt hatte, der von Russland gefangen genommen worden war, während er in der ukrainischen Armee kämpfte.

Die Befragung von Kriegsgefangenen unter Zwang ist nach den Genfer Konventionen verboten. Sein YouTube-Kanal, auf dem das Interview ausgestrahlt wurde, wurde anschließend gelöscht.

Im Jahr 2022 wurde Phillips als erster britischer Staatsbürger im Zusammenhang mit dem russischen Angriff auf die Ukraine auf die Sanktionsliste der britischen Regierung gesetzt - eine Entscheidung, die er scharf kritisierte. Ebenfalls seit 2022 wird er von der Ukraine sanktioniert und darf nicht mehr in das Land einreisen.

Seine Kanäle in den sozialen Medien legen nahe, dass sich Phillips inzwischen in den von Russland besetzten Gebieten aufhält. Auf X, Telegram, Instagram und Facebook veröffentlicht er Videos aus seinem Alltag. In seinem jüngsten Video ist er in der von Russland besetzten Stadt Mariupol zu sehen.

Eine BBC-Recherche aus dem Jahr 2017 zeigte, dass Phillips Crowdfunding-Plattformen nutzte, um seine Videos aus dem Kriegsgebiet zu finanzieren.

Ein Telegram-Beitrag von Phillips aus dem Mai 2025 deutet darauf hin, dass er weiterhin auf öffentliche Unterstützung angewiesen ist. Darin fordert er Unterstützer auf, Geld auf ein russisches Bankkonto zu überweisen oder ihm per E-Mail zu schreiben, um alternative Wege der Unterstützung anzubieten.

Nach den neuen EU-Sanktionen sind seine Vermögenswerte eingefroren. Außerdem ist es Bürgern und Unternehmen in der EU untersagt, ihm Gelder oder finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.

Ernest Mackevičius und Sergey Klyuchenkov

Die EU-Maßnahmen richten sich außerdem gegen Sergey Klyuchenkov und Ernest Mackevičius, zwei Fernsehmoderatoren, die regelmäßig in staatlich kontrollierten russischen Fernsehsendern auftreten.

Klyuchenkov, der bei kremlnahen Sendern wie Komsomolskaja Prawda und Solowjow LIVE moderiert, wird von der EU als "Propagandist" eingestuft, der Angriffe auf die Ukraine - auch auf Zivilisten - unterstützt und zu einer weiteren Eskalation aufgerufen hat.

Die EU wirft ihm außerdem vor, die "De-Ukrainisierung" der von Russland besetzten Gebiete zu befürworten, darunter das Verbot der ukrainischen Sprache und die Beseitigung ukrainischer Kultursymbole. Zudem soll er eine Ausweitung des Konflikts über die Ukraine hinaus angeregt und die russische Besetzung der baltischen Staaten sowie Vergeltungsschläge gegen europäische Länder gefordert haben.

Mackevičius wiederum ist Hauptmoderator der Nachrichtensendung "Westi" um 20.00 Uhr auf dem staatlichen Sender Rossija 1. Die EU wirft ihm vor, durchgehend irreführende und einseitige Berichte über den Krieg verbreitet zu haben. Darin habe er unter anderem russische Geländegewinne in ein positives Licht gerückt und den ukrainischen Widerstand heruntergespielt.

Im Jahr 2014 wurde er vom russischen Präsidenten Wladimir Putin für seine Berichterstattung über die Krim mit dem "Orden der Freundschaft" ausgezeichnet.

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