Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Müll sammeln gegen freien Eintritt: Mit diesem Trick will Berlin Touristen in die Pflicht nehmen

BerlinPay soll Touristen mit Gutscheinen belohnen, wenn sie sich nachhaltig verhalten.
BerlinPay soll Touristen mit Gutscheinen belohnen, wenn sie sich nachhaltig verhalten. Copyright  MARKUS SCHREIBER/AP
Copyright MARKUS SCHREIBER/AP
Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Berlin-Besucher könnten in diesem Sommer Gutscheine erhalten, wenn sie Müll einsammeln. Das Projekt BerlinPay will sich von Kopenhagen abschauen, wie nachhaltiges Verhalten mit positiven Erlebnissen gefördert werden kann.

Berlin will sich im Sommer von seiner besten Seite zeigen - und nimmt dafür auch Touristen in die Pflicht. Das steckt zumindest hinter der Grundidee des Konzepts "BerlinPay".

WERBUNG
WERBUNG

Wer sich beteiligt und beispielsweise Müll sammelt oder soziale Projekte unterstützt, bekommt im Gegenzug Vorteile im Museum, bei teilnehmenden Restaurants oder Berlin-Erlebnissen. Nachhaltiges Verhalten von Reisenden soll sichtbar wertgeschätzt werden. Neu ist das Konzept nicht, die Ursprungsidee dafür kommt aus Kopenhagen.

BerlinPay: Müll sammeln für den Sommer in Berlin

Derzeit ist die Stadt Berlin noch auf der Suche nach passenden Partnern. Denn die Belohnung muss das Engagement wert sein.

Berlin hofft auf einen Kreislauf: Menschen engagieren sich und schätzen ihre Umgebung und ihr Umfeld dadurch mehr Wert und erfahren auch selbst Wertschätzung. Darauf folgt als Belohnung ein positives Erlebnis, was wiederum zu mehr Engagement führen könnte. So beschreibt die Stadt das Modell auf der Webseite der Tourismusagentur visit Berlin.

Es gehe demnach darum, sich am und auf dem Wasser bewusst zu verhalten. Das Jahresthema der deutschen Hauptstadt ist Wassertourismus. Wer "etwa Müll sammelt, den Kiez verschönert oder soziale Projekte unterstützt – erhält bei teilnehmenden Partnern eine Anerkennung: kleine Vorteile oder besondere Berlin-Erlebnisse", wird das Projekt erklärt.

Jetzt sucht Berlin Unternehmen und Initiativen, die mitmachen wollen. Im Fokus liegen Institutionen mit Bezug zu Berlins Wasserwelten, etwa aus dem Bereich der Mobilität, des Wassersports oder der Touristik, Gastronomie-Betriebe, Einrichtungen zu Kultur und Bildung. Welche Angebote genau dabei herauskommen, das sei "flexibel gestaltbar, vom kleinen Mehrwert bis zum eigenen Aktionsangebot".

Als "Aktionsformat" soll BerlinPay im Sommer 2026 starten, unter dem diesjährigen Thema der Hauptstadt: Wassertourismus. Dahinter stehen die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Eine Vorstellung des gesamten Programms gibt es Mitte Mai, Anfragen zu Details bleiben bis dahin unbeantwortet.

Lösen Touristen das Berliner Müllproblem?

Berlin hat indes ein immer größer werdendes Problem mit Müll. Dabei ist jedoch davon auszugehen, dass die illegalen Müllablagerungen, etwa Möbel, alte Waschmaschinen kaum von Besuchern stammen können.

Die Kosten für die Beseitigung des illegalen Müll beliefen sich in Berlin im vergangenen Jahr auf rund 13,1 Millionen Euro - im Vorjahr waren es noch rund 10,3 Millionen, wie aus Berichten der Berliner Stadtreinigung hervorgeht. Das Ordnungsamt des Stadtteils Neukölln berichtete von 15.000 Meldungen jährlich zum Thema Müll.

Berlin hat ein Müllproblem. Sollen künftig Touristen Abhilfe schaffen?
Berlin hat ein Müllproblem. Sollen künftig Touristen Abhilfe schaffen? AXEL SEIDEMANN/AP2001

Neben illegalen Sperrmüllablagerungen tragen besonders kleinere Abfälle wie Zigarettenkippen oder Verpackungen erheblich zur Vermüllung des öffentlichen Raums bei. Die Berliner Politik reagiert darauf zunehmend mit schärferen Maßnahmen. Ein zentraler Ansatz ist die deutliche Erhöhung der Bußgelder. Seit Ende 2025 gilt ein verschärfter Bußgeldkatalog: So kostet das Wegwerfen einer Zigarettenkippe inzwischen bis zu 250 Euro statt zuvor 55 Euro, in schweren Fällen sogar bis zu 3.000 Euro.

Für illegal entsorgten Sperrmüll können je nach Menge 1.500 bis 11.000 Euro fällig werden, bei gefährlichen Abfällen sogar bis zu 15.000 Euro. Neben höheren Strafen setzt die Stadt auch auf verstärkte Kontrollen und mehr Personal in den Ordnungsämtern. Ziel ist es, Müllsünder häufiger zu erwischen und die Regeln konsequenter durchzusetzen.

Vorbild Kopenhagen: Bootstour für die Anreise mit der Bahn

Die ersten Reaktionen auf das Programm in Berlin fallen unterschiedlich aus. "Nette Möglichkeit, seinen Urlaub zu verbringen?", fragt eine Internet-Userin auf der Plattform X sarkastisch. Ein anderer Nutzer scherzt, Handschuhe, Besen und Schaufel stünden schon bereit. Einige finden, man sollte wortwörtlich erst vor der eigenen Haustür kehren.

Andere wiederum sehen in der Idee eine Innovation. Denn in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, wo das Konzept bereits seit 2024 existiert, zeigen Studien durchaus positive Auswirkungen. Im Rahmen von "CopenPay" erhalten Touristen unter anderem Bootstouren oder Fahrradmieten für besonders nachhaltiges Verhalten geschenkt. Gutscheine gibt es bereits, wenn man eine Anreise mit der Bahn statt mit dem Flugzeug nachweisen kann.

Kopenhagen belohnt bereits seit zwei Jahren Touristen für nachhaltiges Verhalten.
Kopenhagen belohnt bereits seit zwei Jahren Touristen für nachhaltiges Verhalten. Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved

Einer Umfrage zufolge hat das CopenPay-Programm 70 Prozent der Touristen dazu veranlasst, umweltfreundliche Gewohnheiten anzunehmen. Das hat die Tourismusorganisation der dänischen Hauptstadtregion Wonderful Copenhagen festgestellt.

7 von 10 Touristen verlassen Kopenhagen mit neuen Vorsätzen

Besucher in Kopenhagen, die den Müll trennen, die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und sich für Aktivitäten wie Radfahren entscheiden oder an Workshops zur Artenvielfalt teilnehmen, können sich über Gutscheine freuen. In einem Pilotversuch im Jahr 2024 nahmen 5.000 Touristen teil, im folgenden Sommer bereits 25.000. Die Organisatoren vermeldeten einen Anstieg der Fahrradverleihzahlen um 59 Prozent sowie großes Interesse von Städten in ganz Europa.

"Im Urlaub sind die Menschen offener für neue Ideen, und mit CopenPay haben wir gezeigt, dass Touristen nicht nur gerne mitmachen, sondern auch dazu inspiriert werden, mehr als nur ein Selfie mit der Meerjungfrau mit nach Hause zu nehmen – sie nehmen neue Gewohnheiten mit“, sagte Rikke Holm Petersen, Leiterin für Kommunikation und Verhaltensforschung bei Wonderful Copenhagen, nach der zweiten Saison.

Eigenen Angaben zufolge haben sich über 100 Organisationen und Reiseziele zu dem Projekt in Kopenhagen gemeldet, darunter auch Städte in Deutschland.

"Das ist erst der Anfang", ist sich auch Rikke Holm Petersen sicher. "Reisende möchten Gutes tun und wünschen sich Initiativen wie CopenPay in ihren eigenen Heimatstädten – von Chicago bis Sydney". Wie das Programm in Berlin und bei seinen Besuchern ankommt, das wird sich nach dem Sommer zeigen.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Höhepunkt steht bevor: Sternschnuppen wie vor 2.600 Jahren

Affordable Art Fair: Messe lockt mit Kunst unter 500 Euro

Erster Spanien-Brasilien-Gipfel - Lula zu Sánchez: "Ich verstehe dein Nein zum Krieg"