Am Bodensee testet Baden-Württemberg Drohnen, um die Kormoran-Brut zu begrenzen und so bedrohte Fischarten zu schützen.
Am Bodensee sehen Fischer ein wachsendes Problem: Kormorane. Nach ihren Angaben setzen die Vögel den Fischbeständen zu und gefährden auch bereits bedrohte Arten. Nun greift das Land Baden-Württemberg zu einer neuen Methode.
In einem Pilotprojekt kommen Drohnen zum Einsatz. Konkret handelt es sich um eine Agrardrohne mit Auslegearm, die Eier in schwer zugänglichen Baumnestern mit Öl besprüht. Ziel ist es, die Fortpflanzung der Kormorane einzuschränken, da sich behandelte Eier nicht weiterentwickeln.
Ein erster Testlauf fand am Samstag im Naturschutzgebiet auf der Halbinsel Mettnau am Untersee statt. Nach Angaben des Umweltministeriums verlief der Einsatz erfolgreich. Rund vier Stunden war die Drohne im Einsatz, startete von einem Schiff aus und erreichte vier Nester in verschiedenen Bäumen, die mit Öl behandelt wurden.
Nach Beobachtungen der beteiligten Fachleute wurden andere Vogelarten offenbar nicht gestört. Auch die Kormorane kehrten nach dem Eingriff in ihre Nester zurück.
Baden-Würrtembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) bezeichnete den Test als "vollen Erfolg". Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) erklärte, die Methode solle nun weiter erprobt werden. Sie könne dazu beitragen, Konflikte zwischen Artenschutz und Fischerei "niederschwellig" zu lösen.
Das Verfahren wurde zuvor bereits in Dänemark getestet – dort allerdings bei Bodennestern. Die Übertragung auf Baumnester gilt als neu.
In den kommenden Wochen sollen die Ergebnisse ausgewertet werden. Anschließend wird über eine mögliche Ausweitung entschieden.
Ziel des Projekts ist unter anderem der Schutz gefährdeter Fischarten wie Äsche, Nase, Strömer, Bitterling, Groppe und Bachneunauge. Die Kosten für das auf drei Jahre angelegte Vorhaben beziffert das Ministerium auf rund 900.000 Euro.
Steigende Kormoran-Zahlen verschärfen Konflikt am Bodensee
In Baden-Württemberg ist die Population der Kormorane in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen. Nach aktuellen Zahlen der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) wurden 2024 mehr als 1.800 Brutpaare gezählt – ein Großteil davon in Kolonien rund um den Bodensee.
Vertreter der Fischerei sehen darin eine zunehmende Belastung für ihre Existenz. Sie berichten von erheblichen Verlusten und drastischen Situationen im Arbeitsalltag. "Kormorane sind den Fischern im Überlebenskampf in die Hälterbecken gesprungen und haben große Fische selbst unter extremen Winterbedingungen erbeutet", sagte Sebastian Paetsch, Präsident des Landesfischereiverbands in Baden-Würrtemberg.
Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums (MLR) ist der Rückgang vieler Fischarten jedoch auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Dazu zählen die Folgen des Klimawandels, Veränderungen der Gewässer durch menschliche Eingriffe sowie invasive Arten. Wachsende Bestände von Fischfressern wie dem Kormoran verstärkten den Druck auf die Populationen lediglich.
Kritik an Drohnenprojekt
Das geplante Drohnenprojekt zur Eindämmung der Kormoran-Brut stößt auch auf Kritik. Die CDU-Landtagsabgeordnete Sarah Schweizer forderte bereits 2025 konkretere Maßnahmen statt weiterer Pilotversuche. Der FDP-Abgeordnete Klaus Hoher kritisierte die Kommunikation des Ministeriums als "inakzeptable Geheimniskrämerei".
Auch aus der Wissenschaft kommen Zweifel: Der Ornithologe Gernot Segelbacher stellt den langfristigen Nutzen infrage. Um einen spürbaren Effekt zu erzielen, müssten über Jahre hinweg tausende Nester behandelt werden.
Der Kormoran ist zugleich auch selbst eine geschützte Art, nachdem er in der Vergangenheit stark gefährdet war. Seit Jahren wird in Baden-Württemberg darüber gestritten, wie ein Gleichgewicht zwischen Artenschutz und wirtschaftlichen Interessen der Fischerei erreicht werden kann.
Das Drohnenprojekt gilt als Versuch, einen solchen Mittelweg zu finden – mit dem Ziel, die Bestände zu regulieren, ohne die Tiere direkt zu töten.