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Gipfeltreffen in Danzig: Warschau und Paris setzen auf Verteidigung und Atomkraft

Emmanuel Macron und Donald Tusk in Danzig, 20. April 2026
Emmanuel Macron und Donald Tusk in Danzig, 20. April 2026 Copyright  Kancelaria Premiera
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Von Tomasz Lezon
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Beim Gipfel in Danzig demonstrieren Polen und Frankreich Einigkeit: Von Verteidigung über Kernenergie bis zur Weltraumkooperation wollen Warschau und Paris ihre strategische Partnerschaft deutlich ausbauen.

Am Montag wurde Danzig zum diplomatischen Zentrum Europas. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk empfing Präsident Emmanuel Macron anlässlich des ersten polnisch-französischen Regierungsgipfels.

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Das Treffen fand im Rahmen der Feierlichkeiten zum polnisch-französischen Freundschaftstag statt und war die erste bedeutende Initiative dieser Art seit der Ratifizierung des Vertrags über die verstärkte Zusammenarbeit am 9. Mai 2025 in Nancy.

In einer gemeinsamen Rede mit dem französischen Staatspräsidenten betonte Donald Tusk die Einigkeit beider Nationen angesichts globaler Herausforderungen.

Der Ministerpräsident hob hervor, dass sich Polen und Frankreich voll bewusst seien, dass "sich die Welt verändert hat und Europa in diesen schwierigen Zeiten ein Höchstmaß an Einigkeit braucht".

Zu den wichtigsten Pfeilern der europäischen Zusammenarbeit, die sofortiges Handeln erforderten, zählte der polnische Regierungschef Verteidigung, Cybersicherheit, die Entwicklung künstlicher Intelligenz und die weitere Unterstützung der Ukraine.

Tusk betonte zudem, dass beide Länder in geopolitischen Fragen auf einer Linie lägen und ihr gemeinsames Ziel im Wesentlichen die "Stärkung der Souveränität Europas" bleibe.

Investitionen in die Kernenergie

Ein zentraler Punkt der Gespräche war die Zukunft des polnischen Atomprogramms. Der Premierminister erklärte, Polen sei der Auswahl eines Standorts für sein zweites Kernkraftwerk näher gekommen und nannte Paris als einen der Hauptanwärter für das Projekt.

"Frankreich ist ein sehr ernst zu nehmender potenzieller Partner für den Bau dieses zweiten Kernkraftwerks. Wir befinden uns derzeit in der Sondierungsphase, wer Polen das attraktivste Angebot machen wird", sagte Tusk.

Zur Begründung verwies er auf das Ziel, dauerhafte und sichere Beziehungen aufzubauen, und ergänzte: "Wir brauchen Partner, denen wir in einem zeitlosen Sinne vertrauen können. Deshalb wird Frankreich in all diesen anspruchsvollen Projekten als einer der ernsthaftesten Partner behandelt: Militär, Energie, Weltraum."

Tusk dankte Macron unter anderem für die schnelle französische Reaktion nach dem Eindringen russischer Drohnen in den polnischen Luftraum in der Nacht vom 9. auf den 10. September vergangenen Jahres.

"In diesem sehr unsicheren Moment hat Frankreich eindeutig und schnell reagiert und bestätigt, dass die NATO etwas sehr Konkretes ist und dass man in solch schwierigen Momenten auf europäische Verbündete zählen kann", sagte Tusk.

"Vorhersehbarkeit, gegenseitige Loyalität und uneingeschränkte Solidarität sind in der heutigen Weltpolitik Mangelware. Deshalb schätzen wir es so sehr, dass die polnisch-französische Freundschaft dauerhaft ist und auf einem echten Fundament steht, das auch unsere wichtigsten Grundwerte umfasst", fügte er hinzu.

Macron über die Beziehungen zu Polen

Präsident Emmanuel Macron zeigte sich sehr zufrieden mit dem aktuellen Stand der bilateralen Beziehungen und bezeichnete sie als Partnerschaft auf historischem Niveau. Dabei verwies er unter anderem auf die wachsende Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern im Bereich der Kernenergie.

Er betonte außerdem, dass Europas Stärke und Freiheit auf seiner Fähigkeit beruhten, sich selbst zu verteidigen, sowie auf der Unabhängigkeit der einzelnen Staaten.

Macron erklärte, Warschau und Paris wollten ihre Partnerschaft im Nuklearsektor weiter ausbauen, und Frankreich wolle Polen umfassende Lösungen anbieten, die wissenschaftliche Forschung, industrielle Zusammenarbeit sowie den Aufbau von Kompetenzen und Sicherheitssystemen einschließen.

Mit Blick auf die Sicherheit erinnerte er auch an die Unterstützung, die Polen nach dem Zwischenfall mit russischen Drohnen erhalten hatte, die in der Nacht vom 9. auf den 10. September vergangenen Jahres in den polnischen Luftraum eingedrungen waren.

Er betonte, dass mit diesen Maßnahmen die Bestimmungen von Artikel 4 des im Mai 2025 in Nancy unterzeichneten polnisch-französischen Vertrags umgesetzt worden seien.

Geostationärer Satellit für das polnische Militär

An der französischen Delegation nahm auch Ministerin Catherine Vautrin teil, die mit dem stellvertretenden Premierminister und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz zusammentraf.

Die Leiter der polnischen und französischen Verteidigungsressorts wohnten dem offiziellen Abschluss einer Vereinbarung zwischen Airbus, Thales Alenia Space und dem polnischen Unternehmen Radmor bei. Ziel der Zusammenarbeit ist die Entwicklung eines geostationären Telekommunikationssatelliten, der auf die Bedürfnisse des polnischen Verteidigungsministeriums zugeschnitten ist.

"Der neue geostationäre Satellit wird eine sichere Kommunikation für die polnischen Streitkräfte ermöglichen und ein hohes Maß an Robustheit und Ausfallsicherheit gewährleisten", hieß es in einer Mitteilung von Airbus.

Weiter heißt es darin: "Das System wird sowohl im terrestrischen als auch im Weltraumsegment cybersicher und widerstandsfähig gegen Bedrohungen sein und so zur Stärkung der polnischen Souveränität im Weltraum beitragen."

Die Vereinbarung sieht vor, das Know-how der Partner in Bereichen wie militärische Kommunikation, Management von Satellitenmissionen, Bau moderner Weltraumplattformen und Schutz der Infrastruktur vor Cyberangriffen zu bündeln.

Bemerkenswert ist, dass es sich bei den beteiligten Unternehmen um Branchenriesen handelt: Airbus Defence and Space hat bereits zuvor mit dem polnischen Militär zusammengearbeitet und im Jahr 2022 das Satellitenaufklärungssystem Pleiades Neo geliefert.

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