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GandCrab-Russen: Diese Kriminellen schulden Deutschland 35 Millionen Euro

GandCrab, Kravchuk, Wang: Diese freilaufenden Kriminellen sind EU's most wanted
GandCrab, Kravchuk, Wang: Diese freilaufenden Kriminellen sind EU's most wanted Copyright  Europol
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Von Diana Resnik
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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GandCrab-Russen im Visier: Zwei mutmaßliche Cyberkriminelle sollen in Deutschland Schäden von rund 35 Millionen Euro durch Ransomware-Angriffe verursacht haben. Sie sind nicht die einzigen nach denen Deutschland zusammen mit Europol und der "EU most wanted list" fahndet.

Daniil Maksimovich Shchukin alias GandCrab, Anatoly Sergeevitsch Kravchuk, Shuaibo Wang und Abdullah Khodor - sie stehen auf der Liste "EU most wanted", der Liste mit den von der europäischen Polizeibehörde Europol am meisten gesuchten Verbrechern. Nach ihnen wird von Deutschland aus international gefahndet. Einer von ihnen ist auch Deutscher.

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Lösegeld von mehreren Millionen Euro erpresst

Der Russe Daniil Maksimovich Shchukin wird international von deutschen Behörden gesucht, unter anderem wegen des Verdachts der banden- und gewerbsmäßigen Erpressung mittels Ransomware.

Daniil Maksimovich SHCHUKIN
Daniil Maksimovich SHCHUKIN EU most wanted

Nach Erkenntnissen der Ermittler soll er zwischen 2019 und 2021 eine zentrale Rolle innerhalb der weltweit agierenden Cybercrime-Gruppierung GandCrab eingenommen haben. Das Erkennungszeichen: eine Komikkrabbe.

Die Täter verschlüsselten dabei die Daten von Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Institutionen und forderten hohe Lösegelder für deren Freigabe.

In vielen Fällen kam zudem sogenannte "Double Extortion" zum Einsatz: Sensible Daten wurden zuvor ausgespäht und ihre Veröffentlichung angedroht, um den Druck auf die Opfer weiter zu erhöhen. Insgesamt soll die Gruppierung auf diese Weise weltweit mehrere hundert Millionen Euro erpresst haben. Gegen Shchukin laufen weiterhin Ermittlungen.

Shchukin werden deutschlandweit 130 banden- und gewerbsmäßige Erpressungen vorgeworfen. Aufgrund der bisherigen Ermittlungen wird davon ausgegangen, dass sich die gesuchte Person im Ausland, vermutlich in Russland, aufhält.

Anatoly Sergeevitsch KRAVCHUK
Anatoly Sergeevitsch KRAVCHUK EU most wanted

Anatoly Sergeevitsch Kravchuk, ebenfalls russischer Staatsbürger, wird international von den deutschen Strafverfolgungsbehörden gesucht, unter anderem wegen des Verdachts zahlreicher banden- und gewerbsmäßiger Erpressungen mittels Ransomware gegen Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Institutionen.

Nach bisherigen Erkenntnissen soll er spätestens zwischen Anfang 2019 und mindestens Juli 2021 eine führende Rolle innerhalb der weltweit agierenden Cybercrime-Gruppierung GandCrab/REvil eingenommen haben.

Die Gruppe verschlüsselte Daten ihrer Opfer und verlangte hohe Lösegelder für deren Entschlüsselung sowie die Unterlassung einer Veröffentlichung. In vielen Fällen wurden zusätzlich zuvor Daten ausgespäht und mit deren Veröffentlichung gedroht, um den Druck auf die Betroffenen zu erhöhen. Insgesamt wird der Gruppierung vorgeworfen, weltweit Lösegelder in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro erpresst zu haben.

Wie wird nach den Tätern gesucht?

Bei der Fahndung nach international gesuchten Kriminellen wie diesen spielt die europäische Polizeibehörde Europol eine zentrale Rolle. Sie unterstützt nationale Ermittlungsbehörden wie das Bundeskriminalamt, indem sie Informationen bündelt, analysiert und zwischen den Mitgliedstaaten koordiniert weitergibt. Gerade bei Cybercrime-Fällen wie rund um die Ransomware-Gruppen GandCrab oder REvil geht es häufig um komplexe, grenzüberschreitende Netzwerke, bei denen Täter, Server und Geldflüsse über mehrere Länder verteilt sind.

Europol stellt dafür spezialisierte Einheiten wie das European Cybercrime Centre (EC3) bereit, die große Datenmengen auswerten, digitale Spuren zusammenführen und operative Maßnahmen zwischen verschiedenen Staaten abstimmen. Auch bei der Fahndung nach flüchtigen Verdächtigen – etwa über die Plattform "EU Most Wanted" – arbeitet die Behörde eng mit dem Bundeskriminalamt zusammen.

Bis auf Abdullah Khodor handelt es sich hier um Cyberkriminelle. In einem Bericht sagt Europol, das Internet sei nicht mehr nur eine Plattform, sondern eine tragende Säule krimineller Machenschaften. Fast alle Formen der schweren und organisierten Kriminalität hinterlassen digitale Spuren - von Cyberbetrug und Ransomware-Angriffen bis hin zu Drogenhandel und Geldwäsche, so Europol.

Kriminelle Netzwerke missbrauchen zunehmend die digitale Infrastruktur, um ihre Aktivitäten mit gesteigerter Effizienz und in größerem Umfang auf vielfältige Weise durchzuführen, hieß es.

Zu den laufenden Ermittlungsverfahren wollte sich das Bundeskriminalamt auf Nachfrage von Euronews nicht äußern.

Daraufhin hat Euronews Oberstaatsanwalt Mirko Heim von der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe kontaktiert. Wir wollten wissen, wie der Stand der Ermittlungen um die Cyberkriminellen Russen Daniil Maksimovich Shchukin und seinen Komplizen Anatoly Sergeevitsch Kravchuk ist.

Schließlich verursachten sie riesige finanzielle Verluste in Deutschland. Oberstaatsanwalt Heim nannte Euronews die Millionensummen: Die beiden Kriminellen verursachten eine rund 35 Millionen Euro hohe Schadenssumme und eine 1.8 Millionen hohe Lösegeldsumme.

Heim nennt ein konkretes Beispiel: Die Cyberkriminellen haben einem Unternehmen in Deutschland einen wirtschaftlichen Schaden in Höhe von neun Millionen Euro zugefügt.

Wie gefährlich ist die GandCrab-Gang?

Doch Mitglieder der GandCab sind nicht nur finanziell gefährlich Oberstaatsanwalt Heim hat Euronews mitgeteilt, dass es Hinweise darauf gibt, dass Kravchuk Kampfsportler ist. Bei ihm ist Vorsicht geboten. Über Schukin gäbe es in der Richtung keine Erkenntnisse.

Im Bereich der Cyberkriminalität liegen zahlreiche Straftaten vor – bis einschließlich 2021. Darüber, ob sie sich auch danach weiterhin strafbar gemacht haben, könne der Oberstaatsanwalt nichts sagen. Die Spur ist 2021 verloren gegangen.

Europol koordiniere und unterstütze das Bundeskriminalamt und das sei sehr hilfreich, so Heim. Europol sei im Austausch innerhalb Europas sehr vernetzt und helfe bei der Koordinierung.

Eurojust – die Agentur der Europäischen Union für justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen, mit Sitz in Den Haag – ist in diesem Fall nicht eingebunden. Eine gemeinsame Ermittlungsgruppe habe in dem Fall keine Anwendung gefunden.

Wo sind Kravchuk und Schukin?

"Wir gehen davon aus, dass sie sich im Ausland aufhalten", sagt Oberstaatsanwalt Heim zu Euronews.

Kravchuk und Schukin seien russische Staatsbürger und hielten sich mit großer Wahrscheinlichkeit in Russland auf, so der Oberstaatsanwalt. Aktuell gäbe es keine Hilfe aus Russland – die gesuchten Personen seien untergetaucht und man wisse momentan nicht, wo sie sich aufhalten.

Auch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg äußerte sich bezüglich der GandCrab-Gang gegenüber Euronews: es sei davon auszugehen sei, dass die Köpfe der kriminellen Vereinigung - Shchukin und Kravchuk - nach wie vor die kriminelle Gruppierung CandCrab betreiben.

Solange sie unterwegs sind, seien weitere Straftaten nicht auszuschließen. Die Zusammenarbeit mit Europol verlaufe sehr gut. Die Fahndung sei am Laufen.

Verbreitung kinderpornografischer Inhalte

Doch damit ist die Europol-Liste der von Deutschland gesuchten Kriminellen nicht zu Ende. Weitere Fälle betreffen die Verbreitung von Kinderpornografie und Gewalt- und Eigentumsdelikte.

Der Chinese Shuaibo Wang wird international von deutschen Ermittlungsbehörden gesucht, unter anderem wegen des Verdachts der Verbreitung und des Besitzverschaffens kinderpornografischer Inhalte.

WANG, Shuaibo
WANG, Shuaibo EU most wanted

Seit Mitte 2021 laufen Ermittlungen gegen ihn als mutmaßlichen Betreiber und Nutzer der im Darknet betriebenen Plattform "Alice with Violence CP".

Im Zuge der Auswertung sichergestellter Server stellten die Ermittler fest, dass über diese Infrastruktur nicht nur diese Plattform, sondern insgesamt 32 Webseiten mit entsprechenden illegalen Inhalten betrieben worden sein sollen.

Wang steht im Verdacht, als zentraler Akteur für den Betrieb und die Verbreitung dieser Inhalte verantwortlich gewesen zu sein. Die Ermittlungen dauern an.

Freiheitsberaubung, bewaffneter Raub und Geldwäsche

Der Deutsche libanesischer Herkunft, Abdullah Khodor, wird von den luxemburgischen Behörden sowie im europäischen Raum wegen schwerer Gewalt- und Eigentumsdelikte gesucht.

Abdullah KHODOR
Abdullah KHODOR EU most wanted

Ihm wird vorgeworfen, an einem gewaltsamen Homejacking im Dezember 2017 in Gonderange (Luxemburg) beteiligt gewesen zu sein, bei dem zwei Opfer in ihrem Haus von mehreren Tätern mit Messern bedroht und Wertgegenstände entwendet wurden. Zudem sollen Kommunikationsmittel zerstört worden sein, um eine Alarmierung der Polizei zu verhindern.

Die Ermittlungen gehen unter anderem dem Verdachts der Freiheitsberaubung, des bewaffneten Raubes, der Geldwäsche und der Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung gegen ihn nach.

Gegen Khodor wurde bereits 2019 ein europäischer sowie internationaler Haftbefehl erlassen. Luxemburg fahndet nach ihm. Während zwei mutmaßliche Komplizen inzwischen in Luxemburg verurteilt wurden, gilt Khodor weiterhin als flüchtig und könnte sich außerhalb Europas aufhalten.

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