Der Frust wächst in der Bevölkerung seit den Wahlen vom Februar und Dezember 2025, die keine stabile Regierungsmehrheit brachten. Fragt sich, ob die Regierungspartei diesmal eine stabile Koalition zusammenbringt.
Bei der dritten Parlamentswahl innerhalb von 16 Monaten führt laut ersten Umfragen die Regierungspartei Vetevendosje ("Selbstbestimmung") von Ministerpräsident Albin Kurti. Sie kommt der Nachwahlbefragung eines Fernsehsenders zufolge auf gut 42 Prozent der Stimmen, eine Umfrage eines Senders und der "Albanian Post" ergab 43 Prozent. Doch selbst bei mehr als 50 Prozent der Stimmen wäre die Partei auf Koalitionäre angewiesen, da einige Sitze den Minderheiten vorbehalten sind.
Die Neuwahl war nötig geworden, nachdem das zutiefst zerstrittene Parlament sich im April nicht auf ein neues Staatsoberhaupt hatte einigen können. Dies verschärfte die Krise, die seit den Wahlen im Februar und Dezember 2025 schwelt.
Vetevendosje galt auch diesmal als Favorit. Sie war schon im Februar 2025 als stärkste Kraft aus der Wahl hervorgegangen, hatte jedoch eine Regierungsmehrheit verfehlt. Es folgten monatelanger Stillstand und eine erneute Abstimmung im Dezember. Auch dabei errang Kurtis Partei die meisten Sitze (51,1 %, nach 42 % im Februar) und bildete mit Unterstützung von Minderheitenvertretern eine Regierung. Die Spannungen hielten jedoch an. Ein Boykott der Opposition bei der Parlamentsabstimmung über das neue Staatsoberhaupt zwang schließlich zur Auflösung des Parlaments und Neuwahlen.
Die Opposition hält Kurtis Partei vor, die Bildung von Koalitionen zu blockieren.
Für das Parlament kandidiert auch die ehemalige Präsidentin Vjosa Osmani, die in einer Listenvereinigung mit Kurtis "Selbstbestimmung" regiert hatte. Gegenüber Euronews sagte Osmani: "Ich hoffe sehr, dass das Volk des Kosovo uns zu einem Ergebnis verhilft, das ein demokratisches Gleichgewicht zwischen den Parteien schafft. Dann müssen hier alle politischen Kräfte miteinander sprechen, damit wir so schnell wie möglich eine Einigung über die Bildung der Institutionen erreichen."
Zum anhaltenden Stillstand sagte sie: "Das ist eine unnötige Krise, eine völlig überflüssige Blockade, denn sie schadet dem Land."
Die anhaltende politische Blockade und institutionelle Lähmung lassen den Unmut in der Bevölkerung wachsen. Hinzu kommen steigende Preise und Lebenshaltungskosten in einer der ärmsten Volkswirtschaften Europas.
Analystinnen und Analysten warnen, dass auch diese Wahl den Teufelskreis nicht durchbrechen könne. Der Politikwissenschaftler Ardi Uka sieht das Kosovo in einem Muster ständiger Neuwahlen feststecken. Es gebe kaum Anzeichen für Kompromissbereitschaft zwischen den rivalisierenden Parteien.
"Die Krise wird weitergehen", so Uka.