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Ex-Grünen-Politiker Beck: "Mörder und Tatwaffe waren schon organisiert"

Volker Beck
Volker Beck Copyright  Foto: Erik Marquardt
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am
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Gegen den Ex-Bundestagsabgeordneten Volker Beck soll es 2025 einen Anschlagsplan gegeben haben. Im Fokus stehen Verdächtige mit möglichen Iran-Verbindungen. Beck weiß, dass die Warnungen an ihn auf Erkenntnissen des Mossad beruhten und kritisiert die Haltung der deutschen Politik gegenüber Israel.

Der Anschlagsplan gegen den langjährigen ehemaligen Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen) begann offenbar Anfang 2025.

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Nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft sammelten Verdächtige mit mutmaßlichen Verbindungen zum iranischen Regime Informationen über Beck sowie über den Arzt Josef Schuster, seit 2014 Präsident des Zentralrat der Juden in Deutschland.

Im Sommer 2025 wurde Beck über die Gefahr informiert und zeitweise unter verstärkten Polizeischutz gestellt. Öffentlich bekannt wurde der Fall schließlich am Donnerstag, als die Bundesanwaltschaft Anklage wegen mutmaßlicher Anschlagsvorbereitungen erhob.

Beck ist überzeugt, dass ihn Warnungen des israelischen Geheimdienstes vor einem tödlichen Angriff bewahrt haben. "Die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz meiner Person wurden aufgrund Erkenntnisse 'befreundeter Dienste', zu deutsch des Mossad, ergriffen, sonst hätte es diese Maßnahmen nicht gegeben", betont Volker Beck bei Euronews. "Mörder und die Tatwaffe waren anscheinend schon organisiert, wenn ich die Berichterstattung über die Klage der Generalbundesanwaltschaft gegen die Tatverdächtigen richtig interpretiere."

Erstaunlich sei für ihn allerdings, dass er diese Details von Journalisten erfahren habe und nicht von den Sicherheitsbehörden.

Engagement gegen Antisemitismus und Islamismus

Volker Beck engagiert sich seit Jahren gegen Antisemitismus, islamistischen Extremismus und antisemitische Hetze. Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag übernahm er die Leitung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und tritt regelmäßig als Kritiker des iranischen Regimes sowie extremistischer islamistischer Gruppen auf.

Der Fall reiht sich in eine Serie wachsender Spannungen rund um iranische Einflussoperationen und islamistische Bedrohungen in Europa ein. Deutsche Sicherheitsbehörden warnen seit Jahren vor Aktivitäten ausländischer Geheimdienste und extremistischer Gruppierungen gegen Oppositionelle, jüdische Einrichtungen und israelfreundliche Akteure in Deutschland.

Ermittlungen laufen weiter

Beck geht bereits seit letztem Jahr davon aus, dass der mutmaßliche Auftrag, ihn zu ermorden, aus dem Iran kam. "Beim Iran stehe ich seit 2022 als Individuum auf der Sanktionsliste – ungewöhnlich für einen ehemaligen Politiker und einfachen Bürger."

2017 war er in der sogenannten blauen Moschee, der Imam-Ali-Moschee in Hamburg und hat, so sagt er, "den Mullahs die Leviten gelesen, die Steuerung der Islamischen Gemeinschaft der Schiiten durch das inzwischen verbotene IZH öffentlich gemacht und maßgeblich mit auf das IZH Verbot hingewirkt."

Das Bundesamt für Verfassungsschutz bezeichnete das Islamische Zentrum Hamburg (IZH), den Trägerverein der Moschee, als die wichtigste Vertretung des iranischen Regimes in Deutschland. Das IZH hingegen fühlte sich zu Unrecht beschuldigt. Man stehe in "keiner Verbindung mit einer politischen oder gar regierungsnahen Einrichtung im Iran", hieß es damals in einer Pressemitteilung.

Angesichts des harten Vorgehens des iranischen Regimes gegen Demonstrierende, das weltweit für Entsetzen sorgte, wurden die Forderungen nach einem Verbot des IZH zunehmend lauter. 2024 schließlich wurde die Organisation verboten.

Beck galt schon länger als Kritiker des Nukleardeals, hatte die Menschenrechtslage im Iran seit Jahren angeprangert.

Das machte ihn offenbar zur Zielscheibe, so Beck: "Da ich vor den israelischen Informationen keinerlei Schutz der Polizei hatte, war ich quasi ein leichtes Ziel mit durchaus publizistischer Durchschlagskraft im Falle meiner Ermordung."

Beck sagt, der Iran habe die Strategie, "weiche jüdische, israelische oder zionistische Ziele anzugreifen. Die Strategie besteht darin, durch indirekte Angriffe auf symbolische jüdische Zivilziele in Europa politischen Druck, Angst und Abschreckung zu erzeugen, ohne einen offenen staatlichen Krieg zu führen."

Die aktuellen Ermittlungen zeigen indes nach Einschätzung von Experten, dass sich die Gefährdungslage für öffentlich sichtbare Kritiker extremistischer Ideologien weiter verschärft hat.

Beck ist überzeugt: "Wer auf die Erkenntnisse des Mossad verzichtet, verzichtet auf den Schutz von jüdischem Leben und von pro-israelischem Aktivisten in Deutschland."

Umso weniger kann er nachvollziehen, warum sich Deutschland teils so bedeckt hält: "Fragen Sie Herrn Wadephul",sagt Beck. Er hält dies für eine Mischung aus Ignoranz und Arroganz, obwohl klar sei: "Die deutschen Geheimdienste dürfen und können manches nicht."

Es bestehe in Deutschland nicht nur in sicherheitspolitischen, sondern auch in wirtschaftlichen und technischen Fragen ein unbegründetes Gefühl der Überlegenheit. Allerdings gebe es kaum noch Anlass, Deutschland als globales Zentrum oder als überlegen anzusehen: "Es ist noch nicht in der Politik und der Verwaltung angekommen, dass wir uns auf den Hosenboden setzen. Wir prosperieren nicht mehr, sind hoch verschuldet, Arbeit und Energie sind teuer, wir haben eine marode Infrastruktur, hinken bei der Innovation hinterher."

Deutschland profitiere jedoch im Rahmen seiner Luftverteidigungspolitik stark von israelischer Militärtechnologie. Deshalb, so Beck, sei es strategisch unklug, gleichzeitig Lieferungen oder Ersatzteile an Israel zu blockieren oder zu verzögern. Das Land solle sich bei der Sicherheitskooperation mit Israel loyaler verhalten.

"Wir profitieren von dem Austausch und liefern nichts im Gegenzug. Bei der Rüstungskooperation, wo wir in den Fünfziger und Sechziger Jahren mit maßgeblich waren, steht und fällt die Zukunft der deutschen Luftverteidigung heutzutage mit dem israelischen Know-how. Deswegen ist es beispielsweise nicht klug, wenn wir keine Ersatzteile an Israel senden. Wenn Israel sich revanchieren würde, sähe es für uns düster aus. Das, was wir planen, wie das System Arrow-3, hängt maßgeblich von Israel ab."

Das Arrow-3 ist ein gemeinsames Projekt von Israel Aerospace Industries und der US-amerikanischen Missile Defense Agency. Es dient zur Abwehr ballistischer Mittel- und Langstreckenraketen – also Raketen, die etwa aus großer Entfernung abgefeuert werden. Das System kann feindliche Raketen sogar außerhalb der Erdatmosphäre zerstören.

Arrow-3: Größter Rüstungsexport in der Geschichte Israels

Deutschland hatte das System 2023 von Israel Aerospace Industries (IAI) gekauft. Ende 2025 wurde die erste Arrow-3-Einheit in Deutschland in Betrieb genommen.

Im Januar 2026 unterzeichneten Israel und Deutschland einen zusätzlichen Vertrag über rund 3,1 Milliarden Dollar. Damit stieg das Gesamtvolumen auf mehr als 6,5 Milliarden Dollar – laut Berichten der größte Rüstungsexport in der Geschichte Israels.

Warum nun greifen islamistische Akteure immer wieder zu Anschlägen in der westlichen Welt? Politische Ideologien, Radikalisierungsprozesse und gesellschaftliche Konflikte spielen offenbar eine zentrale Rolle. Beck: "Wir haben fundamentalistische Aktualisierungen des Islam, die ihr Gesellschaftsmodell herbeibomben wollen. Es sind verschiedene politische Bewegungen von den ursprünglich ägyptischen Muslimbrüder bis zu den schiitischen Mullahs im Iran, deren Hauptfeind die Moderne und die als westlich gelesene Freiheit, verkörpert durch Israel und die USA sind."

Ursprünglich waren Religion und Politik immer vermischt, sowohl Judentum, im Christentum als auch im Islam, erklärt Beck. "Mit der Aufklärung fing man im Abendland es zu entmischen, die Freiheit in religiösen Fragen war ein wichtiger politischer Impuls und dieser Prozess ist so im Islam bisher nicht in der Breite erfolgt, bzw. steht noch am Anfang."

Religion und Politik in muslimisch geprägten Staaten

Mehrheitlich muslimische Länder gehen dabei teils unterschiedlich mit dem Verhältnis von Religion und Politik um.

In Staaten wie im Iran ist die Verbindung sehr eng, wo das politische System auf dem Prinzip der Herrschaft religiöser Rechtsgelehrter basiert. Saudi-Arabien modernisiert sein Rechtssystem in einigen Bereichen (z. B. Wirtschaftsrecht, Tourismus, gesellschaftliche Öffnung), aber die religiöse Grundlage bleibt weiterhin zentral. In Afghanistan unter den Taliban ist Religion ebenfalls zentrale Grundlage staatlicher Herrschaft.

In Staaten wie Indonesien, Malaysia oder Marokko ist Religion gesellschaftlich sehr präsent und teilweise auch institutionell eingebunden, ohne dass der Staat vollständig religiös regiert wird.

Demgegenüber stehen Modelle wie in Albanien, Bosnien und Herzegowina oder Kasachstan, wo Religion politisch eine deutlich geringere Rolle spielt und der Staat weitgehend weltanschaulich neutral organisiert ist.

Bundesanwaltschaft hat Anklage erhoben

Ali S., einer der beiden Beschuldigten im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Anschlagsvorbereitungen gegen Volker Beck, befindet sich seit dem vergangenen Jahr in Untersuchungshaft. Der mutmaßliche iranische Agent wurde 2025 in Dänemark festgenommen und anschließend nach Deutschland überstellt. Ihm wird neben geheimdienstlicher Agententätigkeit die Vorbereitung von Mord- und Brandanschlägen vorgeworfen.

Der zweite Verdächtige ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft ein afghanischer Staatsangehöriger namens Tawab M. – ihm wird vorgeworfen, Ali S. bei den mutmaßlichen Anschlagsplänen unterstützt zu haben. Konkret soll er zugesagt haben, eine Waffe zu beschaffen und einen Dritten für ein Attentat auf Volker Beck zu organisieren.

Tawab M. wurde im November 2025 ebenfalls in Dänemark festgenommen und später nach Deutschland ausgeliefert. Auch er befindet sich derzeit in Untersuchungshaft.

Sowohl gegen Ali S. als auch Tawab M. hat die Bundesanwaltschaft am 7. Mai Anklage erhoben.

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